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Verwirrung total in Bremerhaven - Buchholzer Formation landet im dritten Turnier der 1. Bundesliga nur auf Platz 5

Gute Laune trotz der nicht erwarteten Wertungen der acht Juroren in der Bremerhavener Stadthalle: Die Blau-Weiss-Paare, ihre Trainer und viele Fans aus Buchholz nach der Siegerehrung. | Foto: ein

Bremerhaven/Buchholz. Die acht Paare des A-Teams von Blau-Weiss Buchholz, seit mehr als drei Jahren unangefochten die Nummer 3 in deutschen Formationstanzsport, ihr Trainerteam und die mitgereisten zahlreichen Schlachtenbummler aus der Nordheidestadt trauten ihren Augen und Ohren nicht, als der Turnierleiter in der Bremerhavener Stadthalle nach der Vorrunde verkündet, dass die Blau-Weiss-Tänzer völlig überraschend nicht das das große Finale erreicht haben. Stattdessen müssen die Schützlinge von Cheftrainerin Franziska Becker das kleine Finale bestreiten und werden mit 29,127 Punkten schließlich auf Platz 5 eingereiht.
Im Finale siegt zum drittenmal hintereinander das Team des 1. TSZ Velbert (34.813) vor den amtierenden Weltmeistern des Grün-Gold-Clubs Bremen (34.564), den Gastgebern der TSG Bremerhaven (31.814) und dem bislang an fünfter Position liegenden acht Paaren der Formations-Gemeinschaft (FG) Aachen/Düsseldorf (29.377). Jens Steinmann, Vorsitzender des Grün-Gold-Clubs Bremen, zeigt nach dem dritten Turnier der Bundesliga-Saison 2019 nicht nur ziemliches Unverständnis über den dritten zweiten Platz für sein Bremer Team. „Unsere Mannschaft hat beide Durchgänge super getanzt, das hätte locker für Platz eins gereicht.“

Aber auch die weiteren Wertungen der acht Juroren, unter ihnen Klaus Gundlach vom Club Saltatio Hamburg, erschlossen sich auch Steinmann nicht. Vor allem die Tatsache, dass Blau-Weiss Buchholz nach einer tollen Leistung in der Vorrunde nicht ins Finale gewertet wurde. „Platz fünf für Buchholz ist völlig daneben“, kritisierte der Grün-Gold-Vorsitzende. "Das macht mich wirklich sprachlos.“ Die Wertungsrichter haben in Bremerhaven mit ihren Entscheidungen für einigen Wirbel und zum Teil auch für viel Empörung gesorgt.

Rückblick auf Samstagabend um 20.30 Uhr in der Bremerhavener Stadthalle: Die Blau-Weiss-Trainer Franziska Becker und Christopher Voigt sind vertieft in ein Analyse-Gespräch: Nach einer guten, nahezu fehlerfreien und somit erfolgversprechenden Vorrunde soll es jetzt im Finale richtig rund gehen. Da sind sich beide einig. Die Nachricht, dass die Buchholzer Formation zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg 2015 ein großes Finale nicht erreicht hat, beendet das Gespräch sofort. Ratlosigkeit macht sich breit, in der Bremerhavener Stadthalle rumort es heftig - nicht nur unter den Buchholzer Fans.

In den vergangenen 14 Tagen hatten Mannschaft und Trainer in Buchholz intensiv an der gesamten Performance gearbeitet. Franziska Becker war sich im Vorfeld sicher, dass das Team in Bremerhaven sein volles Potenzial abrufen kann. In den vergangenen Turnieren hatten sich nämlich immer mal wieder Individualfehler eingeschlichen. Franziska Becker: "Die Paare kämpften noch mit der sehr anspruchsvollen Choreografie. Doch die Leistung am Freitagabend wurde im Abschlusstraining noch einmal deutlich geteigert.

In der Mannschaftsbesprechung in der Kabine appellieren Becker und Voigt an die Moral und Haltung des Blau-Weiss-Teams. Alle sollten trotz dieses für Zuschauer wie Aktive überraschenden Zwischenergebnisses am Plan festhalten und im kleinen Finale noch geschlossener und auf den Punkt zu tanzen. „Das Team hat die Entscheidung mit Haltung getragen und sich voll auf ihre Leistung im Finale konzentriert. Ganz so, wie ich das von meiner Mannschaft erwarte“, erläutert Franziska Becker.

Um 21 Uhr betritt die Buchholzer Mannschaft erneut in Bestbesetzung das Parkett und zeigt einen geradezu mitreißenden Durchgang ihrer Choreographie „Rhythm – lives in you“ – weitgehend fehlerfrei und mit einem Schwierigkeitsgrad, der sich in der Liga durchaus mit Platz eins und zwei messen kann. Die 16 Tänzerinnen und Tänzer schafften es gerade in diesem Turnier, eine selbstbewusste, durchgängige und überaus rhythmische Leistung aufs Parkett zu legen - gepaart mit einer hohen Beweglichkeit in den Körpern. Trainerin Franziska Becker ist so beeindruckt von dieser Mentalleistung ihrer Paare in Bremerhaven, dass sie ihr Team am Ende der Präsentation mit Standing Ovations würdigt: „Ich war einfach beeindruckt von der Leistung, die unser Team in dieser prekären Situation gezeigt hat.“

In Bremerhaven kam das neue sogenannte Judging System 3.1. im Gegensatz zu den ersten beiden Bundesliga-Turnieren zum ersten Mal zum Einsatz. Dies besagt, dass in beiden Runden absolut gewertet wird. Somit wird die Präsentation der Teams nicht vergleichend, sondern anhand ihrer Leistungsmerkmale bewertet. Nach einem ersten Durchlauf wurden zwei Finalrunden mit jeweils vier Mannschaften ausgetragen. „Auch nach der Aufteilung in ein kleines und ein großes Finale wäre es also möglich, dass ein Team im kleinen Finale eine höhere Punktzahl bekommt als Mannschaften des großen Finals“, erklärt Christopher Voigt. An der Platzierung hätte sich allerdings nichts geändert, da im kleinen Finale nur die Plätze 5 bis 8 ausgetanzt werden.

Die Punkte der Vorrunde liegen der Redaktion von besser im blick noch nicht vor. Im Finale erreichte das Blau-Weiss-Team dann 29.127 Punkte und wurde damit von den Juroren auf den fünften Platz gewertet, hinter Bremerhaven auf Platz 3 und der FG Aachen-Düsseldorf auf Platz vier. Die amtierende Weltmeister-Formation vom Grün Gold Club Bremen verbesserte seine Leistung ebenfalls stark, verpasste jedoch trotzdem den Sprung auf Platz 1. Sieger wurde zum dritttenmal hintereinander das Team des 1. TSZ Velbert.

Zwei Tage nach dem Bundesliga-Turnier in Bremerhaven sind die Gedanken von Trainerin Franziska Becker schon bereits bei den letzten beiden Turniertagen in Ludwigsburg und Bremen: "In einer Bewertungssportart ist es immer die leichteste Lösung, die Schuld bei den Wertungsrichtern zu suchen – das möchte keiner der Verantwortlichen bei Blau-Weiss Buchholz tun. Allerdings müsse über die Anwendung des neuen Systems diskutiert werden. Wenn wir im technischen Bereich als fünfte Mannschaft aus dem Turnier gehen, dann fällt mir es unglaublich schwer, das zu analysieren. Wir sind ja seit Jahren auch dafür bekannt, extrem viel Wert auf den technischen Bereich zu legen.“ Die Blau-Weiss-Trainerin weiter: „Ich denke, auch die guten Ergebnisse unserer Einzelpare sprechen da eine deutliche Sprache. Das ist mein Weg, von dem bin ich überzeugt - und daran möchte ich auch weiter festhalten. „Ich frage mich viel mehr, warum schaffen wir es nicht, dass die Wertungsrichter das auch so sehen. Im Finale wäre ja aufgrund der absoluten Wertung die Chance vorhanden, unser Team besser zu bewerten. Aber das ist am heutigen Abend nicht passiert.“

Nicht nur bei den Fans der Blau-Weiss-Formation, sondern auch bei vielen Funktionären von Tanzsport Deutschland hat das Ergebnis von Bremerhaven für viel Stirnrunzeln gesorgt. Franziska Becker: "Wir werden uns nun, genau wie in den Wochen zuvor, intensiv im Training mit unserer Leistung auseinandersetzen, um dann in Ludwigsburg unsere Leistung erneut zu steigern und unseren bisherigen dritten Platz mit Blick nach vorn zu verteidigen."

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