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Kindheit und Jugend im Quelle-Fertighaus; Zeitzeugen erinnern sich

Ehestorf/Winsen. Kindheit und Jugend in einem außergewöhnlichen Haus: Die Söhne der Familie Gröll aus Winsen/Luhe zogen im Jahr 1968 mit ihren Eltern Walter und Gisela in ein Fertighaus aus dem Versandhaus-Katalog. Dieses Quelle-Haus wird Teil der neuen „Königsberger Straße“ im Freilichtmuseum am Kiekeberg in Ehestorf, die das Leben nach 1945 zeigt. Jetzt blicken Matthias und Ronald Gröll auf ihre Kindheit und Jugend zurück. Ihre Lebenserinnerungen, Familienschätze und die originale Einrichtung werden am Kiekeberg zu sehen sein. Sie zeigen den Besuchern, wie eine Familie in den 1970er-Jahren lebte. Das Quelle-Haus wird im Sommer 2019 ins Freilichtmuseum gebracht und voraussichtlich Mitte 2021 eröffnet.

1968 waren die Eltern Gröll mit ihren Söhnen Ronald (damals 9 Jahre), Christian (7 Jahre) und Matthias (6 Jahre) in das Fertighaus eingezogen. Es war 1966 als Musterhaus von Quelle gebaut worden. „Da haben sich meine Eltern was getraut“, sagt Matthias Gröll, heute 56 Jahre akt. „Das neue Material, die unkonventionelle Architektur und die außergewöhnliche Lage – damals waren das hier halbverwilderte Schrebergärten. Alles lag im Dornröschenschlaf, als wir hier einzogen.“ Das Haus stand stadtnah und doch ruhig, Schule und Bahnhof lagen nah, so dass der Vater und die Söhne einen kurzen Weg zur Arbeit in Hamburg und zur Schule hatten.
Außerdem, so nehmen die Brüder heute an, ließ sich das Fertighaus, das zwei Jahre auf Käufer gewartet hatte, gut finanzieren. Unter den Erwachsenen gab es Skeptiker gegenüber der leichten Bauweise, doch vor allem die Mutter hat sich immer für das moderne Leben stark gemacht: „Unsere Mutter war ein Stadtmädchen aus Eimsbüttel. Sie brauchte die geistige Anregung und das städtische Flair“, erzählt Matthias Gröll. „Sie genoss die moderne Architektur mit großen Fenstern, die viel Licht reinließen. Außerdem wohnten wir ruhig und mit Garten.“
Für die fünfköpfige Familie gab es 110 Quadratmeter Wohnfläche, einen Keller und Stauraum unterm Satteldach. Den Garten legten die Eltern als Zier- und Gräsergarten an und gestalteten die Gartenmauern individuell.
Die Modernität wird deutlich, wenn die Brüder die vorherige Mietwohnung beschreiben: eine Haushälfte in einem reetgedeckten Fachwerkhaus in der Nähe des Stöckter Hafens.
Der älteste Bruder Ronald Gröll (heute 61 Jahre) erinnert sich: „Wir wurden in die Moderne katapultiert. Es ist kaum ein größerer Gegensatz vorstellbar: In Stöckte hatten wir anfangs ein Plumpsklo draußen und badeten in einer Zinkwanne. Über der Schwengelpumpe hing eine Petroleumlampe und es gab keine Heizung. Unser Vater stand morgens als erster auf und leerte die Mausefallen. Und dann kamen wir in dieses Haus im Erstbezug . . .“

Es sind genau diese Erinnerungen, die für Museen den besonderen Wert von Objekten, hier eines ganzen Hauses, ausmachen. Alexander Eggert, Projektleiter der „Königsberger Straße“ im Freilichtmuseum, erläutert: „Interviews und Archivalien zeigen uns Wertvorstellungen und die Familienorganisation, wir erhalten eine dichte Beschreibung vom Leben in einem Fertighaus. So wird ein serielles Haus zu einem individuellen. Wir erforschen die Entwicklung des Hauses und der Familie, dabei stehen die Biografien im Vordergrund.“
Im Fall des Gröllschen Hauses kommt hinzu: Die Eltern waren kulturell sehr interessiert. Sie sammelten gern und warfen selten etwas weg, außerdem bauten sie in fast 50 Jahren kaum etwas um. Für das Freilichtmuseum ist das eine Besonderheit. Zofia Durda arbeitet am Kiekeberg als wissenschaftliche Volontärin mit den Einrichtungsgegenständen – von der Kunststofflampe bis zur Dekoration auf dem Nachttisch: „Wir haben die komplette Einrichtung übernommen und müssen nur ganz wenige Objekte ergänzen. Dazu schauen wir uns Fotos an, um bis ins Detail zeigen zu können, wie die Familie in den 1970er-Jahren lebte. Einige Dinge sind auch Familienschätze, wie ein Rezeptbuch von 1910, nach dem fast immer gekocht wurde.“

Das Elternhaus kommt ins Museum – im Fall der Familie Gröll ist das ein Glücksfall für beide Seiten. Matthias Gröll erklärt: „Unsere Mutter war stolz darauf, dass ihr Haus ins Museum zieht und ihr Besitz zusammenbleibt. Aus Familiengeschichte wird Zeitgeschichte, das ist eine große Leistung vom Kiekeberg-Team und ein Riesengeschenk für uns.“ Museumsdirektor Stefan Zimmermann pflichtet ihm bei: „Das Quelle-Haus in dem Ursprungszustand und mit einer gut dokumentierten Familiengeschichte ist für uns eine Besonderheit. Die Umbruchzeit in den späten 1960er- und 1970er-Jahren, in denen die Hamburger ins Umland zogen, in denen sich trotz Baubooms die Fertighäuser in Deutschland nicht vollkommen durchsetzen konnten, in denen sich das Lebensgefühl veränderte – das alles können wir sowohl mit dem Haus als auch mit der Familiengeschichte sehr gut darstellen.“

Das Fertighaus aus dem Katalog wird im Rahmen des Projekts „Königsberger Straße. Heimat in der jungen Bundesrepublik“ ins Freilichtmuseum am Kiekeberg geholt. Als eines von sechs Häusern – einschließlich Gärten, Straßenlaternen, Litfaßsäule und Telefonzelle – verdeutlicht es die rasanten Entwicklungen beim Bauen und Wohnen, in Freizeit und Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg.
In der Nachkriegszeit, insbesondere von 1969 bis 1973, erlebten Fertighäuser eine Boom-Phase. Schon wesentlich früher, in der Kaiserzeit, wurden Wohnhäuser aus Fertigteilen gebaut. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg lasteten ihnen jedoch Makel und Vorurteile an: Diverse tatsächliche Baumängel und eine negative Berichterstattung in den Medien schürten Ablehnung. Eine grundsätzliche Skepsis gegenüber neuen Bauformen war vermutlich auch ein Grund für die Zurückhaltung einiger Bauherren. Und hinzu kommen die direkten Erlebnisse aus der Nachkriegszeit.
Stefan Zimmermann erläutert: „In anderen Ländern, wie in den USA oder in Skandinavien, gab es eine lange Tradition von Fertighäusern, sie hatten einen guten Ruf und einen hohen Komfort. In West-Deutschland jedoch gab es gerade nach dem Zweiten Weltkrieg einen ‚Barackenkomplex’: Viele Behelfsunterkünfte waren aus Fertigteilen in schlechter Qualität gebaut und nur spärlich ausgestattet, hielten der Witterung nur notdürftig stand und bedeuteten für die Bewohner einen zusätzlichen Makel.“
Und doch gab es einige Vorteile, mit denen Quelle-Fertighäuser überzeugten: Allem voran waren sie kostengünstig, schnell zu errichten und waren insbesondere in der Raumaufteilung auf die aktuellen Bedürfnisse von Familien zugeschnitten. Oftmals waren die Bauherren zudem fortschrittsorientiert und interessiert an moderner Architektur.
In West-Deutschland herrschte in den 1950er-Jahren eine akute Wohnungsnot: Mehr als zwölf Millionen Flüchtlinge, Vertriebene und Evakuierte suchten nach dem Zweiten Weltkrieg eine Unterkunft. Schnelles und günstiges Bauen war stark nachgefragt.
Zahlreiche kleine Unternehmen, oft Zimmereien, boten regional Häuser aus Fertigteilen an. Als erstes Versandhandelsunternehmen (und als einziges mit selbst entwickelten Fertighäusern) bot die Quelle-Fertighaus GmbH ab 1962 Fertighäuser aus dem Katalog an. Extra für die neuen Bauherren gab sie eine Fertighaus-Fibel heraus, die die verschiedenen Haustypen und ihre Vorteile anpriesen und regelmäßig aktualisiert wurden. Ein prominentes Argument war das Versprechen vom „Hausbau in fünf Tagen“ ab Kellerkante, das jedoch in der Praxis scheinbar nur selten eingehalten wurde.
Das Quelle-Fertighaus steht nicht nur für eine neue Art der Fertigung und Hausverkauf, sondern auch für eine andere Lebensgestaltung: Die Wände sind zugunsten der Wohnfläche nicht gemauert, Wohn- und Wirtschafts- bzw. Schlafbereich sind klar getrennt, große Fenster lassen viel Licht herein, der Garten ist als Zier- und Spielgarten angelegt, eine Garage ist Standard. Ein Quelle-Fertighaustyp konnte gar mit Bootsgarage errichtet werden.

Die „Königsberger Straße“ besitzt bundesweite Bedeutung: Erstmals wird die Kulturgeschichte der Nachkriegszeit bis 1979 in der ländlichen Region erforscht und durch den Aufbau von Häusern und einer umfassenden Ausstellung gezeigt. Diese bundesweite Ausstrahlung verdeutlicht auch die Förderung durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien in Höhe von 3,84 Millionen Euro. Das Museum wählte typische Gebäude mit aussagekräftigen Geschichten aus, die in gleicher Weise für die gesamtdeutsche Entwicklung stehen:

* eine Tankstelle,
* eine Ladenzeile mit sechs Geschäften,
* ein Siedlungsdoppelhaus und ein Flüchtlings-Siedlungshaus,
* einen Aussiedlerhof, ein landwirtschaftlicher Betrieb mit hohem Technisierungsgrad außerhalb des Dorfes,
* ein Fertighaus als neuer Bautyp.

Finanzierung: Zahlreiche Förderer unterstützen das einmalige Projekt „Königsberger Straße“. Ihr Ziel ist es, die kulturellen Zeugen der unmittelbaren Nachkriegszeit für die Nachwelt zu erhalten und die Aufbauleistung darzustellen. Die „Königsberger Straße“ im Freilichtmuseum am Kiekeberg wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (Bund), das Land Niedersachsen, den Landkreis Harburg, den Förderfonds Hamburg/Niedersachsen der Metropolregion Hamburg, die Stiftung Niedersachsen, die Stiftung Hof Schlüter, die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude, den Lüneburgischen Landschaftsverband, die Klosterkammer Hannover, die Niedersächsische Bingo- Umweltstiftung und den Förderverein des Freilichtmuseums am Kiekeberg. Das Gesamtprojekt ist auf 6,14 Millionen Euro angelegt.

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