Von Brasilien nach Buchholz: Wilhelm Nordmann ist neuer Pastor der St. Paulus-Kirchengemeinde
Buchholz. „Ich habe Lust, in Buchholz im Paulus-Team mitzuwirken und mich einzubringen. Brasilien ist Teil meines Lebens, da habe ich mit der Kirche gekämpft und gelitten. Nun freue ich mich auf Buchholz“, sagt Wilhelm Nordmann (53). Er ist der neue Pastor der Buchholzer St. Paulus-Kirchengemeinde und wird am Sonntag, 6. Mai, ab 14 Uhr von Superintendent Dirk Jäger in sein Amt eingeführt. Danach sind alle Besucher herzlich zum Empfang im Paulus-Haus eingeladen. Nordmann folgt auf Pastor i.R. Michael Wabbel, der in den Ruhestand verabschiedet worden ist.
Erst in dieser Woche ist er mit seiner Frau Edjane und seinen Töchtern Luisa (18) und Isabel (16) aus Brasilien angereist. Nordmann ist seit vielen Jahren Pastor in Sao Paulo, hat sowohl die deutsche als auch brasilianische Staatsbürgerschaft, auf die er stolz ist.
Studiert hat der Theologe am Ev.-luth. Missionsseminar Hermannsburg. Damit legte er sich bereits im Studium auf einen Dienst in Übersee fest. Er studierte in Hermannsburg und in Brasilien an der evangelischen, katholischen und methodistischen Fakultät und lernte seine Frau kennen. Sie heirateten während seines Vikariats in Hannover. Danach ging es nach Sao Paulo. Dort wurde er 1997 in der Kirchengemeinde Vila Campo ordiniert, seine Frau arbeitete als Volkswirtin im Finanzministerium.
2006 ging die Familie nach Deutschland, da der Entsendungsvertrag der Evangelischen Kirche in Deutschland auslief, Nordmann wurde Pastor der Kirchengemeinde Bovenden in Göttingen. „2011 klingelte zu Weihnachten dann das Telefon. Meine Stelle in Sao Paulo war vakant“, sagt Nordmann. Die Familie überlegte, Nordmann kündigte seinen Dienst in der Ev. Landeskirche Hannovers und trat in die Evangelische Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) ein.
Seine Gemeinde Vila Campo in Sao Paulo ist klein und zählt nur etwa 250 Gemeindeglieder. „Jeder gibt für die Kirche, was er geben kann. Der Staat unterstützt die Kirche nicht, es gibt keine Kirchensteuer.“ Sie bauten ein Sozialzentrum auf, boten Alphabetisierungs-, berufsvorbereitende und Sprachkurse an, die aufgrund der schlechten schulischen Sprachausbildung von vielen jungen Brasilianern besucht werden, um beruflich eine Chance zu haben. Mit den Frauen der Gemeinde entstand eine Paramentenwerkstatt, um ihnen ein Einkommen zu ermöglichen. „Sie wurde sehr erfolgreich. Sogar namhafte Kirchengemeinden in Deutschland kauften die komplette Serie.“
„Ich habe gekämpft und gelitten mit meiner Kirchengemeinde, aber es war eine tolle Zeit in Brasilien. Ich habe mich immer eingebracht und zu politischen Dingen geäußert. Das werde ich auch hier tun, auch gerade wegen meiner Biographie. So wie in Deutschland Integration verstanden wird, funktioniert es nicht. Das Zusammenleben von Menschen aus aller Welt wird in Brasilien in viel größerer Normalität akzeptiert. Auch dort gibt es Rassismus, gegen den man sich wehren muss.“
Warum kehrt er mit seiner Familie zurück nach Deutschland? „Meine Töchter fühlten sich sehr wohl in Sao Paulo, aber sie wollen in Deutschland studieren. Das möchten wir ihnen ermöglichen. Und ich will es einfach auch noch einmal wissen und mitwirken hier in Deutschland.“