„Trauerndes Kind“ kehrt nach Harburg zurück
Harburg. Eine für viele Harburger schmerzhafte Lücke kann bald geschlossen werden. Denn immer, wenn man seit rund einem Jahr am Soldaten in der Bremer Straße vorbeikommt fehlt das „Trauernde Kind“, das ‚Gegendenkmal‘ zum kriegerischen Soldaten gleich daneben. Im Juli vergangenen Jahres war die Skulptur zusammen mit dem „Blumenmädchen“, gleich nebenan in der Maretstraße, gestohlen worden.
Nun ist das „Trauerndes Kind“, wieder in Harburg. Das Landeskriminalamt der Polizei Hamburg konnte das Kunstwerk schon im vergangenen Winter auf der Veddel nach einem Tipp sicherstellen und nun wurde die beschädigte Statue an das Bezirksamt Harburg übergeben. Sie ist in der Mitte quer durchgeschnitten worden.
Gemeinsam mit der Kirchengemeinde Harburg-Mitte werden nun die nächsten Schritte vorbereitet. Nach einer fachgerechten Restaurierung soll die Skulptur an ihren ursprünglichen Standort vor der St. Johanniskirche an der Bremer Straße zurückkehren.
Der Diebstahl im vergangenen Jahr hatte in Harburg große Betroffenheit ausgelöst. Die rund 90 Zentimeter hohe und etwa 100 Kilogramm schwere Figur weist erhebliche Schäden auf und wurde in zwei Teilen aufgefunden. Eine Restaurierung ist jedoch möglich. Die Gießerei Edel und Stahl hat sich bereits bereit erklärt, die notwendigen Arbeiten zu übernehmen. Vor dem Zusammenschweißen muss aber noch einiges geschehen, führt Mike Rabe von der Gießerei aus. Das „Trauernde Kind“ sei beim Auseinanderschneiden verbogen worden und das müsse gerichtet werden.
Bezirksamtsleiter Christian Carstensen zeigt sich erleichtert über den Fahndungserfolg. Das „Trauernde Kind“ habe rund vierzig Jahre lang ein berührendes Zeichen gegen Großmachtstreben gesetzt. „Harburg ist ein Standort, an dem Kunst und Kultur im öffentlichen Raum besondere Bedeutung haben und geschätzt werden“, so Carstensen. Das „Trauernde Kind“ habe eine besondere Lücke Kind hinterlassen. „Das ist nicht irgendeine Figur!“
Nach der Reparatur werde das Bezirksamt die Figur gemeinsam mit der Kirchengemeinde zügig wieder an ihren Platz bringen. Dort solle für alle Menschen sichtbar bleiben, dass Krieg, Hass und Hetze stets zu Elend und Verzweiflung führten.
Zuständig beim LKA ist eine kleine Ermittlereinheit, die neben Wohnungseinbrüchen auch mit Kunst- und Kulturgutdelikten befasst sei und die eng mit anderen Behörden sowie Dienststellen in weiteren Bundesländern zusammenarbeite, erläutert Helena Kamp vom Landeskriminalamt. Häufig würden Statuen aus dem öffentlichen Raum gestohlen, weil Täter vor allem auf den Materialwert aus seien. Der künstlerische Wert und die Bedeutung der Werke gerieten dabei in den Hintergrund. Täter konnten bislang nicht ermittelt werden. Sie rief dazu auf, aufmerksam zu sein und verdächtige Skulpturen zu melden, wenn sie irgendwo angeboten würden. „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.“
Auch die Kirchengemeinde begrüßte die Wiederauffindung. „Wir sind erleichtert, dass da keine politisch motivierte Tat dahintersteckt“, sagte Pastorin Sabine Kaiser-Reis. Die Harburgerinnen und Harburger würden mit der Skulptur bald wieder ein zum Nachdenken anregendes Denkmal erhalten. „Ich habe immer gedacht, dass dieses Denkmal, wie es da steht, funktioniert. Denn immer sind Leute stehen geblieben und haben geredet.“
Das „Trauernde Kind“ wurde von Hendrik-André Schulz geschaffen und 1988 im Rahmen eines Wettbewerbs zur Umgestaltung des bestehenden Kriegerdenkmals aufgestellt. Gemeinsam mit der Skulptur „Harburger Soldat“ bildet es ein Mahnmal gegen Krieg und Gewalt. Das kniende, weinende Kind zwischen zerschossenen Soldatenhelmen erinnert daran, dass Kriege neben Soldatinnen und Soldaten auch Kinder, Familien und Hinterbliebene zu Opfern machen. Die Figur ist Teil des Harburger Kunstpfades und ein bedeutender Erinnerungsort im Bezirk.
Zeitnah soll es ein Fest zur Wiedereinweihung des Denkmals geben.
