Ausstellung „gesichtslos – Frauen in der Prostitution" im Rosengarten-Rathaus in Nenndorf
Rosengarten-Nenndorf. Die Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Rosengarten veranstaltet im Rosengarten-Rathaus in Nenndorf eine Fotoausstellung unter dem Titel „gesichtslos – Frauen in der Prostitution". Sie basiert auf Erfahrungsberichten von Frauen, die in der Prostitution arbeiten. Der Fotograf Hyp Yerlikaya hat die Frauen zusammen mit der Beratungsstelle Amalie Mannheim über zwei Jahre lang mit der Kamera begleitet.
Ausgehend von Erfahrungsberichten betroffener Frauen zeigt die Ausstellung 40 Schwarz-Weiß-Fotografien. Mit dem Mittel der Inszenierung sind eindrucksvolle Bilder entstanden, die das „gesichtslose“ Dasein dieser Frauen innerhalb unserer Gesellschaft widerspiegeln. Die Anonymität und der Schutz der Abgebildeten werden durch das Tragen weißer Masken gewahrt. In den Ausstellungstexten kommen sie selbst zu Wort und berichten von ihren Erfahrungen, Ängsten, Sorgen, aber auch Träumen und Hoffnungen.
In Deutschland ist der Kauf sexueller Dienstleistungen für Freier legal bzw. straffrei. Auf der Seite der Frauen sieht unser Staat keine Notwendigkeit, die Frauen zu schützen, wenn sie die Prostitution „formal“ freiwillig bzw. selbstbestimmt ausführen. Zwangsprostitution ist in Deutschland verboten. Der Zwang kann durch physische und psychische Gewalt, Täuschung, Erpressung, Ausnutzung einer Zwangslage oder der Hilflosigkeit des Opfers ausgeübt werden. Hier besteht die Problematik, dass freiwillig ausgeübte Prostitution von der unter Zwang ausgeübten Prostitution schwer abzugrenzen und schwer erkennbar ist. Laut Aussagen von ehemaligen Prostituierten, üben die allerwenigsten Prostituierten diese Tätigkeit freiwillig aus.
Fehlende Transparenz wird auch in statistischen Ausweisungen deutlich. In Deutschland waren beispielsweise Ende 2022 nur rund 28.280 Prostituierte gemeldet, wobei Schätzungen von rund 400.000 ausgehen. Die Dunkelziffer wird als hoch eingeschätzt. Unser Staat veröffentlicht keine klar zuordenbaren Wirtschaftsdaten des Prostitutionsgewerbes, sowie keine Statistik über Suizide, über Gewaltverbrechen und Tötungsdelikte von Prostituierten. Die Ausstellung bietet Einblicke in die Prostitution, die fernab von erotischer Inszenierung oder voyeuristischen Klischees sind. Alle Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich auf diesen Blickwinkel einzulassen und sich davon aufrütteln zu lassen.
Die Ausstellung kann noch bis zum 21. Juni im Obergeschoss des Rathauses der Gemeinde Rosengarten in Nenndorf, Bremer Straße 42, zu den Öffnungszeiten (Mo, Di, Do und Fr 8 bis 12 Uhr, Do 14 bis 18:15 Uhr) besucht werden.
