Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof in Winsen erinnert an Opfer der NS-Zeit
Winsen. Am 14. November fand auf dem jüdischen Friedhof in Winsen (Luhe) eine Gedenkveranstaltung statt, die vom Religionskurs zweier 10. Klassen des Luhe-Gymnasiums organisiert wurde. Neben Eltern nahmen zahlreiche Gäste aus Politik, Vereinen, Religionsgemeinschaften sowie lokalen Aktionsbündnissen teil, um gemeinsam an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger zu erinnern, die während der nationalsozialistischen Diktatur aus Winsen verschleppt, entrechtet und ermordet wurden.
Die Schülerinnen und Schüler hatten die Feier über mehrere Wochen hinweg vorbereitet. Sie gestalteten einen Kranz, führten historische Recherchen durch und verfassten Gedichte sowie Redebeiträge, die die Schicksale der jüdischen Familien aus Winsen eindrucksvoll nachzeichneten. Bereits zu Beginn wurden die Namen der Opfer verlesen – ein stiller Moment, der die Veranstaltung tief prägte. Zum Abschluss legten Teilnehmende Steine auf einer Gedenkplatte ab. In der jüdischen Tradition stehen Steine für Beständigkeit: Sie vergehen nicht und symbolisieren damit die Unvergänglichkeit des Erinnerns.
Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig es bleibt, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten und Haltung gegen jede Form von Diskriminierung zu zeigen. „Solche Gedenkveranstaltungen sind nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Appell an uns alle, Antisemitismus und Ausgrenzung in jeder Form entschieden entgegenzutreten“, betonte die verantwortliche Lehrerin Wiebke Langer-Westermann.
Auch Winsens Bürgermeister André Wiese hob in seiner Ansprache die Bedeutung jüdischen Lebens hervor: „Wir dürfen jüdisches Leben nicht nur als Teil unserer Vergangenheit sehen. Jüdinnen und Juden sind ein lebendiger, bereichernder Teil unserer heutigen, vielfältigen Gesellschaft. Ihre Kultur, ihr Engagement und ihre Perspektiven sind für unser Zusammenleben unverzichtbar. Diese Vielfalt zu schützen und zu schätzen, ist unsere gemeinsame Aufgabe.“
In einer Atmosphäre von Nachdenklichkeit und Verbundenheit endete die Gedenkfeier. Bereits jetzt ist geplant, die Veranstaltung auch im kommenden Jahr fortzuführen, um das Erinnern weiterzutragen und ein klares Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.
Dass diese Erinnerung notwendig bleibt, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass Antisemitismus bis heute präsent ist – und längst nicht nur an gesellschaftlichen Rändern. Neben der Gedenkfeier erinnern in Winsen auch zehn Stolpersteine, die 2009 verlegt wurden, an das Schicksal jüdischer Familien aus der Stadt. Sie tragen Namen und Lebensdaten derjenigen, die einst Teil des städtischen Lebens waren und unter dem NS-Regime deportiert und ermordet wurden.
