Das Harburger Vogelschießen beginnt – gibt es endlich wieder einen Gildekönig?
Harburg. Am Montag fällt der Startschuss für das diesjährige Harburger Vogelschießen der Harburger Schützengilde von 1528. e.V. Denn dann wird am Abend der Eiserne Vogel am Gildehaus auf dem Schwarzenberg aufgesteckt – der offizielle Beginn des Vogelschießens. Im Anschluss geht es zur Ehrung der in den Weltkriegen gefallenen Schützen. Dieser Anlass wird stets genutzt, eindringliche Worte für den Frieden zu finden.
Schon zuvor kündigt sich das Vogelschießen an. So haben die ehemaligen Könige der Schützengilde Ende Mai ihren König ausgeschossen. Dort setzte sich Sven Kleinschmidt (Gildekönig 2017/18) gegen vier weitere Mitbewerber durch.
Auch das traditionelle Königsessen im Privathotel Lindtner ist ein Vorbote des Harburger Vogelschießens. Wieder einmal konnte die Gilde viele Gäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft begrüßen, wie Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank.
Bezirksamtsleiter Christian Carstensen gab einen Ausblick auf die kommenden Jahre in Harburg. Und Prof. Rainer Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg / Stadtmuseum Harburg, ließ es sich nicht nehmen, das älteste Königsschild der Gilde zu zeigen: Das vom Gründer der Gilde Herzog Otto I. "Die „Gründungsurkunde“, wie Weiss das Schild nannte.
Er richtete seinen Blick jedoch nicht nur zurück. Er zeigte sich erfreut über die zunehmende Verjüngung der Deputation. Die Harburger Schützengilde stelle damit die Weichen, um auch nach ihrem 500-jährigen Jubiläum eine lebendige und prägende Kraft im gesellschaftlichen Leben des Hamburger Südens zu bleiben.
Spargelessen im Lindtner gut besucht
Auch das Spargelessen am Freitag ist ein Vorbote. Rund 220 Gäste aus Gilde, Politik und Wirtschaft trafen sich ebenfalls im Privathotel Linftner in Heimfeld zu Spargel, Rden und Gesprächen. Extra für diesen Tag hatte die Gilde ihren über 100 Jahre alten Vogelwagen in den Festsaal geholt. Der wird am kommenden Sonnabend im Schützenzug mitfahren. Angesichts des Wagens und des baldigen Jubiläums 500 Jahre Harburger Schützengilde fragte der 1. Patron der Gilde, Ingo Mönke, welchen Platz eine Traditionsgemeinschaft wie die Gilde heute eigentlich noch habe. Einen wichtigen - das war für ihn keine Frage. "Wir verbinden Generationen in einer schnellebigen Zeit." Es gehe darum bewährtes zu behalten und die Zukunft zu gestalten - und nich darum, einfach lates zu bewahren.
Mit Blick auf das Jubiläum sagte Mönke, dass die entscheidende Frage nicht sei, wie die Gilde das Jubiläum erreiche. Sondern in sich die Gilde darüber hinaus aufstellen ud erhalten wolle. "Die Gilde lebt von ihrem Netzwerk", sagte er den Anwesenden.
Festredner war Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel. Er betonte, wie wichtig es sei, in dieser Zeit Tradition zu leben. "Das ist etwas großartiges! Und selbst nördlich der Elbe freut man sich auf das Jubiläum." Dressel hatte auch gute Nachrichten für Harburg im Gepäck. So beispielsweise, dass seit freitagmorgen fest stehe, dass das Karstadtgebäude so zwischengenutzt werden wie geplant und der Planet Harburg wieder öffnen könne. 120.000 Euro stünden bereit.
Christian Carstensen zeigte sich begeistert von dem, was Schützinnen und Schützen in Harburg leisteten. In der Gesellschaft bröckele es an den Rändern. Die Menschen würden sich fragen, ob das noch ihre Gesellschaft sei. "Wer meint, es braucht Zusammenhalt, muss nach Harburg kommen. Hier gibt es diese Stimmung meiner Wahrnehmung noch - weil es sie alle gibt", richtete er seinen Dank stellvertretend für die vielen Aktiven an die Dputation der Schützengilde.
Für die musikalische Begleitung sorgte das Orchester Musas.
Gibt es endlich wieder einen Gildekönig?
Am Freitag, 19. Juni 2026, beginnt das Schießen nach dem Vogel. Zunächst geht es an die Kleinteile wie Ring, Schnabel, Krone. Am Sonntag stellt sich dann die Frage: Schießt in diesem Jahr jemand auf den rechten, den goldenen Flügel und den Rumpf – und damit um die Königswürde? Oder bleibt auch in diesem Jahr, wie in den beiden vergangenen der Rumpf hängen.
Am Sonntagabend, wenn um 20 Uhr die Proklamation eines hoffentlich neuen Gildekönigs auf dem Schwarzenberg ansteht, weiß man mehr.
Der Sonnabend ist der Tag, an dem (abgesehen von der Proklamation) die öffentlichen Teile stattfinden. Denn dann ist „Schützentag“. Dann marschieren die Schützen gegen 16 Uhr aus dem Harburger Rathaus aus und durch die Innenstadt. Dabei wird wieder Station in der Lämmertwiete gemacht. Gegen 19 Uhr findet dann der Große Zapfenstreich vor dem Rathaus statt.
Am Sonntag rundet dann um 20 Uhr die Proklamation am Kaiserbrunnen auf dem Schwarzenberg das Harburger Vogelschießen 2026 ab.
