70 Jahre Liederfreunde Marmstorf: Umjubeltes Jubiläumskonzert im Rieckhof
Harburg/Marmstorf. Viele Monate lang freuten sich die Aktiven des gemischten Chors Liederfreunde Marmstorf auf den Höhepunkt des Jahres - das große Jubiläumskonzert im Rieckhof in Harburg aus Anlass des 70-jährigen Bestehens. Und die ohnehin hochgesteckten Erwartungen wurden an diesem Herbstnachmittag noch übertroffen: Zum Schluss wurden alle - Gastgeber wie Gäste und die Besucher - mit einem glanzvollen Konzert belohnt, an das sich diejenigen, die es erlebt haben, sicher noch lange gern zurückerinnern werden.
Es ging schon furios los: Die Ränge waren voll besetzt mit erwartungsvollen Zuhörern. Ein donnerndes „Freude schöner Götterfunken“ (Beethoven) aus 130 Kehlen der vier teilnehmenden Chöre, die sich auf Bühne, Rängen und Treppen verteilt hatten, rüttelte sie auf. Ute Eckmann, die Erste Vorsitzende der Liederfreunde, gab in ihrer Begrüßung eine kurze Darstellung der Vereinsgeschichte: 1947 als Männerchor gegründet, wurden die
Liederfreunde 30 Jahre später wegen rückläufiger Mitgliederzahlen in einen gemischten Chor umgewandelt. Im Jahr 2000 wurde der Popchor „singAsong" als neuer junger Chor gegründet. Beide Chöre mit ihren unterschiedlichen Repertoiren werden von ihrem seit 1999 tätigen Chorleiter Carsten Creutzburg ständig weiter entwickelt.
Ute Eckmann gab dann ihrer Freude Ausdruck über die zahlreich erschienen Besucher sowie die Teilnahme der Gastchöre und deren Chorleiter, wobei der Besuch des Freundschaftschores „Söprus“ aus Tallinn/Estland besondere Erwähnung fand. Dann stellte sie Erhard Erichsen vor, versierter Sänger und Sprecher des Männerchors „Sängerlust Fleestedt“. Der in Marmstorf wohnende Sänger führte nun als Moderator souverän und humorvoll durch das Programm. Nach einem Gruß an die Liederfreunde durch den Vizepräsidenten des Chorverbands Hamburg, Arne Gerloff, begann das lang ersehnte und glänzend vorbereitete Konzert.
Es wurde von den „Liederfreunden Marmstorf“ und ihrem Chorleiter Carsten Creutzburg mit „ Zigeunerleben“ von Robert Schumann eröffnet, gefolgt von Liedern von John Rutter, John Farmer und A.v. Zuccalmaglio, die am Klavier von Eva Barta begleitet wurden. Als nächster Chor trat „Söprus“ aus dem estländischen Tallinn mit ihrer Chorleiterin Marelle Siitas auf die Bühne und erntete aus dem Publikum gleich „Ohs“ und „Ahs“ - auch wegen ihrer hübschen Trachten-Kleidung.
Kyllikki Tooms, ihre Reisebegleiterin, stellte sie und ihre Lieder in deutscher Sprache vor. Mit ihren Heimat verbundenen Liedern brachten sie Sehnsucht nach Glück und Freiheit zum Ausdruck und erhielten dafür viel Beifall vom Publikum aus Harburg Stadt und Land. Der Männerchor „Sängerlust Fleestedt“ mit Chorleiter Krzysztof Skladanowski brachte mit dem Triumphmarsch aus der Oper „Aida“ und weiteren Stücken aus Opern von Verdi und Gounod den Saal regelrecht zum Beben, mit beherzter Unterstützung der Pianistin Tarlan Rachimova.
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Danach waren moderne, junge Klänge im Rieckhof angesagt. Der Popchor „singAsong“ brachte virtuos vielstimmige a-capella-Songs zu Gehör, die von Chorleiter Carsten Creutzburg mit viel Temperament dirigiert wurden. Eine 30-minütige Pause bot dann Sängern und Zuschauern eine gute Gelegenheit, sich die Beine zu vertreten, etwas zu trinken und sich mit Freunden auszutauschen. Es gab dabei viel Lob für die Akteure auf der Bühne. Besonders gut kam die Vielseitigkeit der unterschiedlichen Repertoire der vier Chöre an.
Nach der Pause traten die vier Chöre in umgekehrter Reihenfolge noch einmal auf. Die zweite Hälfte des Konzerts war der leichteren Muse gewidmet. "singAsong“ begeisterte mit Stücken von Herbert Grönemeyer und Freddy Mercury, dem unvergessenen "Queen"-Frontmann, die Akteure von Sängerlust Fleestedt“ mit Operetten-Klängen, „Söprus“ zeigte als willkommene Zugabe Folklore-Tänzchen beim Singen, die „Liederfreunde Marmstorf“ beendeten ihren Auftritt mit „Hail Holy Queen“ aus "Sister Act".

Bevor dieser denkwürdige Jubiläums-Nachmittag zu Ende ging, gab es noch eine besondere Ehrung: Ilse Schiffer, Sängerin und Ehrenmitglied der Liederfreunde Marmstorf, ist in diesem Jahr seit 60 Jahren aktive Chorsängerin und seit 40 Jahren Vereinsmitglied der Liederfreunde. Sie ist noch eine Sängerin der ersten Stunde der 1977 in den gemischten Chor umgewandelten Chor Liederfreunde Marmstorf v. 1947 e.V. Ilse Fischer erhielt von der Präsidentin des Chorverbands Hamburg, Angelika Eilers aus Marmstorf, und von Ute Eckmann, der Ersten Vorsitzenden der Liederfreunde, Ehrennadeln und Urkunden überreicht.
Nach Ehrung und Danksagungen mischten sich die Sänger/innen von „Söprus“ und „Liederfreunde Marmstorf“ zu einem geeinten Chor. Zum Abschied sangen sie gemeinsam das estnische Lied „Ta lendab mesipuu poole“, welches eindrücklich Gefühle von frei sein und heimkommen beschreibt. Das war für alle, Sänger und Publikum, ein Gänsehaut mäßiger Abschluss.
Ein Beifallssturm war die Belohnung der Knzertbesucher für einen gelungenen musikalischen Nachmittag. Die Menge löste sich beglückt auf: das Publikum in Richtung zu Hause, die Sänger zum fröhlichen Nachfeiern mit leckerem Essen und – natürlich - Gesang in einer Gaststätte.