Ein Haus fährt ins Museum: Das Quelle-Fertighaus aus Winsen steht jetzt im Freilichtmuseum am Kiekeberg
Winsen/Ehestorf. In einer groß angelegten Aktion hat das Freilichtmuseum am Kiekeberg in Ehestorf ein Quelle-Fertighaus aus Winse auf sein Gelände geholt. Von einem Spezialunternehmen eingepackt und auf Tieflader gehoben, wurde es nachts transportiert und am nächsten Morgen im Museum aufgebaut. Jetzt ergänzt es die Baugruppe „Königsberger Straße“ am Kiekeberg. Mit dem Projekt „Königsberger Straße. Heimat in der jungen Bundesrepublik“ zeigt das Museum demnächst, wie sich das Alltagsleben in der Nachkriegszeit veränderte. Das Fertighaus vom Versandunternehmen Quelle stammt aus dem Jahr 1966. Am Kiekeberg wird es im Sommer 2021 eröffnet und zeigt dann das Leben einer Familie um 1979.
Als erstes Versandhandelsunternehmen (und als einziges mit selbst entwickelten Fertighäusern) bot die Quelle-Fertighaus GmbH ab 1962 Fertighäuser aus dem Katalog an. Extra für die neuen Bauherren gab sie eine Fertighaus-Fibel heraus, die die verschiedenen Haustypen und ihre Vorteile anpriesen und regelmäßig aktualisiert wurden
Das Quelle-Fertighaus steht nicht nur für eine neue Art der Fertigung und Hausverkauf, sondern auch für eine andere Lebensgestaltung: Die Wände sind zugunsten der Wohnfläche nicht gemauert, Wohn- und Wirtschafts- bzw. Schlafbereich sind klar getrennt, große Fenster lassen viel Licht herein, der Garten ist als Zier- und Spielgarten angelegt, eine Garage ist Standard.
Das Quelle-Fertighaus ist für das Freilichtmuseum am Kiekeberg in Ehestorf ein Schatz: Das Inhaber-Ehepaar hat nur wenige behutsame Eingriffe in das ursprüngliche Haus vorgenommen, die Gartengestaltung und die Hauseinrichtung von 1979 sind weitgehend erhalten. Gisela und Walter Gröll befürworteten sehr, dass ihr Haus einmal ins Museum kommt. Sie überließen dem Museum alle privaten Dokumentationen und standen für Zeitzeugen-Interviews bereits. Heute, nach ihrem Tod, unterstützen die drei Söhne die Translozierung ins Museum.
Das Quelle-Fertighaus steht beispielhaft für den Versuch, das moderne Bauen weiten Teilen der Bevölkerung näher zu bringen – und für die Möglichkeit, einzelne Nachkriegsgebäude im Originalzustand zu sichern, mit vielen Menschen aus der Erlebnisgeneration zu sprechen und Dokumente der Zeit, von Bauunterlagen, der provisorischen Ersteinrichtung bis zum Fotoalbum, in die Sammlung des Museums zu übernehmen. Dies ist das Gedächtnis für die folgenden Generationen.