Nach Strafbefehl: AfD-Politikerin bettelt um Spenden – und verschweigt wahre Hintergründe
Harburg/Hamburg/Hannover. Die Fraktionsvorsitzende der AfD in der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, Nicole Jordan, sorgt erneut für Schlagzeilen. Nachdem sie einem Gerichtstermin am vergangenen Donnerstag am Amtsgericht Hamburg-Harburg fernblieb, wurde gegen sie ein Strafbefehl über 3.200 Euro wieder in Kraft gesetzt – wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. In der Corona-Zeit hatte Jordan einen Ahnenpass der Hitlerjugend mit sichtbarem Hakenkreuz auf Social Media gepostet und diesen mit einem Kommentar zur Impfpflicht versehen.
Statt Einsicht zeigt sich die Bezirkspolitikerin allerdings als Opfer – und bettelt nun öffentlich um Geld. Über eine coronakritische Gruppe sammelte sie am Freitag erste Spenden via PayPal. Schnell folgte eine Kampagne auf einer Spendenplattform. Dort verschweigt Jordan jedoch den tatsächlichen Grund für ihre Strafe. Vom NS-Dokument mit Hakenkreuz ist keine Rede mehr – stattdessen zeigt sie einen Antifa-Aufkleber, berichtet von Angriffen auf ihr Wohnhaus und betont ihre Rolle als „verheiratete Mutter“, die lediglich wegen ihres AfD-Engagements ins Visier geraten sei. „Ich bin außerdem: politisch aktiv – Mitglied der AfD. Und ja, das reicht in Deutschland heute aus, um zum Ziel zu werden“, geriert sie sich selbst als Opfer.
„Nur mal als Erinnerung an vergangene Zeiten in punkto Impfzwang/Impfpflicht. Einfach mal drüber nachdenken...“, nennt Jordan den Beitrag, der nun juristische Folgen für sie hat - immerhin verscheigt sie, offenbar ganz bewusst, dass sie ein Hakenkreuz auf einem Dokument einer NS-Organisation gepostet hat. In ihrer Spendenkampagne ruft sie zu Solidarität auf und will insgesamt 4.500 Euro sammeln. Bis Sonntagmorgen waren bereits rund 600 Euro zusammengekommen – viele Beiträge anonym.
Für Kritik sorgte nicht nur der verschleierte Spendenaufruf, sondern auch der Widerspruch zur Plattformwahl. Mehrere Mitglieder der von Jordan gegründeten Gruppe warfen ihr Heuchelei vor: Während sie sich gegen die „Abschaffung von Bargeld“ ausspreche, nutze sie Spendenplattformen und Zahlungsdienste, die genau das bewerben.
Pikant: Jordan verschweigt außerdem, dass sie als Fraktionsvorsitzende eine steuerfreie Aufwandsentschädigung in Höhe von monatlich 2.635,78 Euro erhält – zusätzlich zu Sitzungsgeldern und einem kostenlosen Deutschlandticket.
Am Sonnabend tauchte die umstrittene Politikerin bei einer rechtsoffenen Demonstration in Hannover auf. Unter dem Motto „Gemeinsam für Deutschland“ marschierte sie mit rund 150 Teilnehmern. Die Versammlung wurde von dem ehemaligen Hells Angel Danny Hilse („Danny First Class“) organisiert. Presseanfragen zu ihrer Spendensammlung oder dem Strafbefehl ignorierte Jordan vor Ort.
Eine von ihr selbst angekündigte Demonstration in Hamburg musste dagegen kurzfristig abgesagt werden – offenbar konnten sich die Veranstalter nicht mit der Polizei auf eine Route einigen.
Die Bezirksabgeordnete bleibt somit ein Fall für Politik und Justiz – nicht nur wegen des Posts mit NS-Symbolik, sondern auch wegen ihres Umgangs mit öffentlicher Kritik und ihrer neuen Spendenkampagne, deren Transparenz Zweifel aufwirft.
