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Ein Buch für Harburg-Entdecker

| Andreas Göhring | Feuilleton
Autorin Bärbel Wegner und Fotograf Steven Haberland präsentieren das neue Harburg-Buch. Foto: Niels Kreller
Autorin Bärbel Wegner und Fotograf Steven Haberland präsentieren das neue Harburg-Buch. Foto: Niels Kreller

Harburg. Jedes Buch über Harburg ist wichtig. Das gilt vor allem in postfaktischen Zeiten, in denen bei Facebook & Co. jede Menge Halbwissen und Fake News nahezu ungehindert verbreitet werden und in vielen Köpfen auch hängenbleiben. Aber Harburg ist mehr als die Massenschlägerei nach einem Amateurliga-Fußballspiel oder die Razzia in den ungezählten Barbershops. Und deshalb ist „Harburg. Das Buch“ von Bärbel Wegner wichtig. 

Klar der dicke Wälzer „Harburg. Von der Burg zur Industriestadt“ der Herausgeber Jürgen Ellermeyer, Klaus Richter und Dirk Stegmann gehören in jedes Harburger Bücherregal, dazu noch Heinrich Altstaedts liebevolle und beeindruckend detaillierte Geschichte des „Hafen Harburgs“, beides in Veröffentlichungen des Helms Museums. Wer Glück hat, kann auch heute noch das eine oder andere Harburg-Buch des Journalisten Wolfgang Becker antiquarisch ergattern oder man besorgt sich die kenntnisreichen Büchlein der Harburger Geschichtswerkstatt. Zuletzt war von ihm im vergangene Jahr das Buch "Käpt'n Birnbaum" erschienen*. 

Sonst ist da nicht mehr viel, die letzte Ausgabe der Harburger Anzeigen und Nachrichten erschien vor mehr als zehn Jahren und leider ist deren Archiv immer noch nicht öffentlich  barrierefrei zugänglich. Die letzte Tageszeitung, die gelegentlich aus dem Süden Hamburgs berichtet, setzt erkennbar nur noch auf klickverdächtige Themen. Und die Online-Medien können die Geschichte jenes Bezirks, dem immer wieder eine strahlende Zukunft vorgegaugelt wurde, auch nicht fortschreiben.

So ist es denn unter anderem Katrin und Georg Schmitt, Inhaber der Buchhandlung am Sand zu verdanken, dass die Autorin Bärbel Wegner den Mut fasste, ein Buch über Harburg zu schreiben. Sie hatte sich dem Sujet schon genähert, als sie eine Chronik des Eisenbahnerbauvereins niederschrieb. Als dann der Junius-Verlag bereit war, so ein Buch zu verlegen, machten sich Bärbel Wegner und Fotograf Steven Haberland an die Arbeit.

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Tatsächlich ist es ein Entdeckerbuch geworden. Seite für Seite ist die Neugier zu spüren, die Wegner und Haberland geradezu durch alle Stadtteile südlich der Elbe getrieben hat. Dabei betraten weder Wegner noch Haberland Neuland. Sie lebt im Landkreis Harburg, gefühlt gehört sie eben dazu. Er ist in Neugraben aufgewachsen.

Die Autorin nähert sich dem Phänomen Harburg, indem sie erstmal Ordnung schafft. Dem historischen Einstieg von Holmer Stahnke folgen sieben Kapitel zu den Bereichen Engagiertes Harburg, Junges Harburg, Gastliches Harburg, Kulturelles Harburg, Kluges Harburg, Grünes Harburg und Gebautes Harburg. Das ist ein mögliches Konzept.

Gewöhnungsbedürftig ist eher die Absicht, in den einzelnen Kapiteln möglichst vollständig zu sein. Das führt zu immer wiederkehrenden Aufzählungen, die auf Dauer ermüdend auf die Leserinnen und Leser wirken können. Die Autorin findet kaum Zeit für Zwischentöne. Gerade die werden aber diejenige vermissen, die aus dem Buch das besondere Stadtgefühl herauslesen möchten, die für alle wachsamen und überzeugten Harburgerinnen und Harburger ständig präsent ist, nämlich der Luxus von zwei lebenswerten Perspektiven: als Teil der Metropole Hamburg, aber auch als Teil der kleinen selbstständigen Stadt, die sich so oft benachteiligt fühlt. 

Das tut der Freude an diesem Buch aber keinen Abbruch. Gerade weil so vieles gestreift wird, gibt es auch immer wieder Neues zu entdecken. Insofern sollte „Harburg. Das Buch“ zur Pflichtlektüre werden, nicht nur für neue Studierende an der TU, bitte auch für all die Ahnungslosen, die sich 24/7 in den sozialen Medien als die einzig wahren Harburg-Kenner bezeichnen, dabei aber so viel Unsinn verbreiten.

Das Entdeckerbuch von Bärbel Wegner kann auch die Fantasie anregen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem ähnlichen Buch über die andere Hälfte von Harburg? Immerhin hat knapp die Hälfte der Bevölkerung Harburg migrantische Wurzel. Sie kommt aber in dem Buch kaum vor. 

Das Buch hat 136 Seiten mit rund 150 farbigen Abbildungen und kostet 24,90 Euro. Zu haben ist es in unter anderem in der Buchhandlung am Sand. Ein tolles Weihnachtsgeschenk!

*In einer früheren Version stand, dass es lange Zeit keine Bücher über Harburg gegeben habe. Dies stimmt nicht und wurde korrigiert.

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