Kämpferin für den Frieden: Zeitzeugin Marione Ingram besuchte das Friedrich-Ebert-Gymnasium
Harburg-Heimfeld. Ihr Lächeln ist voller Erinnerungen, ihre Stimme lädt zum Zuhören ein. Die Zeitzeugin Marione Ingram besuchte das Friedrich-Ebert-Gymnasium in Hamburg und gab einer weiteren Generation die Möglichkeit, ihre Geschichte live zu hören. Die Schüler*innen der 10MT1 hatten für den 29. September 2025 ein kleines Theaterstück vorbereitet, das auf Mariones Buch „Kriegskind“ basiert. Das Buch handelt von Mariones Zeit im Dritten Reich und wie sie diese Zeit als Kind erlebte. Die ihrer Meinung nach beeindruckendsten Szenen waren die Szene eines Bombenangriffs auf Hamburg, die Szene auf dem Blumenfeld und Mariones Rückkehr nach Hamburg.
Danach erhielten die Schüler*innen die Chance, ihre Fragen zu stellen, Fotos zu machen und ihre eigene Ausgabe des Buches signieren zu lassen.
Marione Ingram erzählte den Schülern, wie sie sich mit 8 Jahren entschied, für den Frieden zu kämpfen, und dies nach ihrer Flucht in die USA mit tausenden anderen Schüler*innen auch tat. Bereits in den 1950er- und 1960er-Jahren setzte sie sich nicht bloß gegen den Antisemitismus, sondern auch gegen Rassismus, Sexismus und jegliche Art von Unterdrückung ein.
Sie berichtete davon, wie ihre Großmutter von der Gestapo weggeführt wurde und wie sie daraufhin von den Nazis ermordet wurde. „Sei gehorsam und tu das, was deine Mutter sagt. Sei mutig.“ Das waren die letzten Worte, die Marione jemals von ihrer Großmutter hörte.
Mit zitternder Stimme erzählte sie den Schüler*innen von dem Selbstmordversuch ihrer Mutter, nachdem sie die Deportationsankündigung erhalten hatte. Wie sie über die Leichen der Menschen „stolperte“, die während des Feuersturms ums Leben kamen.
Der Feuersturm war der 10-tägige Angriff auf Hamburg, wobei die USA tagsüber angriffen und Großbritannien nachts. Es wurde das Projekt Gomorrha genannt und sein einziges Ziel war die Vernichtung von Zivilisten.
Sie teilte mit den Schüler*innen ihre Inspiration dazu, ihre Geschichte in Form eines Buches zu veröffentlichen. Nicht nur war es für sie eine Selbsttherapie, alles aufzuschreiben, woran sie sich erinnern konnte. Es war, als Präsident Bush, 43. Präsident der USA, einen Krieg mit dem Irak begann, und sie bemerkte, dass keiner über die Kinder sprach, die in diesem Krieg aufwachsen mussten, also entschied sie sich dazu, ihre Geschichte zu teilen.
Die Zeitzeugin berichtete nicht bloß von ihren Erfahrungen, sie teilte auch ihre Meinung über die politischen Entwicklungen in den USA, den Nahostkonflikt und ihren Kampf gegen Unterdrückung. Marione sieht viele Aspekte der damaligen Zeit in der heutigen Politik und appelliert an die Schüler*innen, vorsichtig mit ihren zukünftigen Wahlstimmen umzugehen. So beschreibt sie Donald Trump als einen „Scheißkerl“ und glaubt daran, dass er von Hass, Rache und Neid geleitet wird.
„Du musst für dich selbst einstehen, um für andere einstehen zu können.“ Diese Worte leiteten Marione durch die vielen Jahre, in denen sie unterdrückt wurde, und diese Worte gibt sie an die Schüler*innen weiter. Sie sieht Hoffnung in der neuen Generation und hofft, dass wir uns gegen die Ungerechtigkeit in dieser Welt einsetzen.
Emma Kaus ist Schülerin am Friedrich-Ebert-Gymnasium und Chefredakteurin der Schulzeitung "Die Glocke".
