Neues Forschungsprojekt zum frühmittelalterlichen Gräberfeld in Elstorf gestartet
Neu Wulmstorf-Elstorf/Wilhelmshaven/Harburg. Ein außergewöhnlicher Fundplatz aus dem Frühmittelalter steht künftig im Fokus eines groß angelegten Forschungsprojekts: Das Niedersächsische Institut für historische Küstenforschung (NIhK) in WIlhelmshaven und das Archäologische Museum Hamburg (AMH) aus Harburg starten gemeinsam die wissenschaftliche Auswertung des Gräberfeldes von Elstorf. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben bis Herbst 2028.
Das Gräberfeld, das bereits seit rund 20 Jahren erforscht wird, gilt als einzigartiges Zeugnis frühmittelalterlicher Bestattungskultur im nordwestdeutschen Raum. Rund 580 Bestattungen sowie mehrere Pferdegräber sind bisher dokumentiert. Besonders bemerkenswert ist der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand vieler Funde: In Blockbergungen konnten Metallobjekte mit anhaftenden organischen Materialien wie Textilien, Leder, Holz, Horn und Federn geborgen werden – ein seltener Glücksfall in der Archäologie.
„Für den norddeutschen Raum ist Elstorf ein außergewöhnlicher Glücksfund“, sagt Prof. Dr. Hauke Jöns, Projektleiter am NIhK. „Die organischen Materialien eröffnen uns einen Blick auf Details des Bestattungswesens in der Zeit der Christianisierung des Nordens, die sonst kaum überliefert sind.“
Die kommende Laborphase soll nun die detaillierte Analyse dieser empfindlichen Funde ermöglichen. Ziel ist es, neue Erkenntnisse über Kleidung, Beigabensitten und Bestattungsabläufe zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert zu gewinnen – einer Zeit tiefgreifender kultureller und religiöser Umbrüche.
Auch Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg, betont die wissenschaftliche Bedeutung: „Die langjährige Ausgrabung in Neu Wulmstorf-Elstorf ist eines der spannendsten Projekte, die unser Haus im Landkreis Harburg durchgeführt hat. Die Förderung durch die DFG unterstreicht die große überregionale Bedeutung des Fundplatzes.“
Landrat Rainer Rempe sieht in der Förderung zugleich eine Bestätigung für das Engagement der Region: „Dass sich eines der bedeutendsten frühmittelalterlichen Gräberfelder Norddeutschlands hier in Neu Wulmstorf befindet, zeigt die historische Tiefe unseres Landkreises und die Bedeutung einer fundierten wissenschaftlichen Aufarbeitung.“
Auch Neu Wulmstorfs Bürgermeister Tobias Handtke freut sich über den Neuanfang: „Der neue Forschungsauftrag ist ein eindrucksvoller Beleg für den Wert dieses Fundes und macht deutlich, wie weit Geschichte buchstäblich vor unserer Haustür zurückreicht.“
Mit dem DFG-Projekt wird das Gräberfeld von Elstorf in den kommenden Jahren nicht nur wissenschaftlich weiter erschlossen, sondern auch ein Stück regionaler Geschichte neu erzählt – vom Beginn der Christianisierung bis zur Alltagskultur einer vergangenen Epoche.
