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Sie wurde nur 55 Jahre alt: Trauer um die Harburger Tanzlehrerin Klara Hengen-Falk

| Redaktion | Life
Die Harburger Tanzlehrerin Klara Hengen-Falk ist nach Herzproblemen im Alter von 55 Jahren gestorben. Foto: ein
Die Harburger Tanzlehrerin Klara Hengen-Falk ist nach Herzproblemen im Alter von 55 Jahren gestorben. Foto: ein

Harburg/Neu Wulmstorf-Elstorf. Ihr Ehemann Marcel Falk, ihr Vater Matthias Hengen und dessen Lebensgefährtin Liane sowie ihre Nachbarn in Elstorf und ihre vielen Tanzschülerinnen und Tanzschüler in ihrer Tanzschule Hamburg Dance Academy trauern um Klara Hengen-Falk. Die Tanzlehrerin ist am Dienstag vergangener Woche im Alter von nur 55 Jahren im Buchholzer Krankenhaus an den Folgen ihrer schweren Herzerkrankung gestorben. Bis zuletzt hatten Ehemann Marcel und die Rettungskräfte sowie das Team im Krankenhaus gekämpft, um die Patienten noch zu retten - leider vergebens.

Klara wurde 1971 in Harburg im Krankenhaus Mariahilf geboren. Und gleich von Geburt an zeigte Klara, was für ein Kämpferherz sie war: Sie kam als Frühchen mit nur 1530 Gramm im siebten Monat auf die Welt und wurde von den Ärzten und den Stationsschwestern rund zwei Monate lang im Brutkasten gehegt und gepflegt – von ihrer Mutter Randinka und ihrem Vater Matthias Hengen. Sie blieb ein Einzelkind. 

Ihre Eltern stammen aus Serbien. Eigentlich schlugen zwei Herzen in ihrer Brust. Klara hatte die doppelte Staatsangehörigkeit. Sie war sowohl serbisch als auch deutsch, und man merkte schnell auch die Charaktereigenschaften: Sie hatte das Temperament und die  Willenskraft sowie die Liebe zur Familie. Und dabei gehörte zur Familie nicht nur die Familie im eigentlichen Sinne, sondern auch Freunde
gehörten fest zur Familie. 

Auf der anderen Seite hatte sie die coole Gelassenheit und eine echte, originale Harburger "Schnute". Sie hätte ohne  Probleme auch auf dem Hamburger Fischmarkt als Verkäuferin arbeiten können, hat sich niemals die Butter vom Brot nehmen lassen und hatte immer einen Spruch auf Lager. Diese Gelassenheit war auch ihr echtes Markenzeichen: Ob beruflich im Krankenhaus, wo sie trotz aller Belastungen stets 
einen kühlen Kopf bewahrte und absolute Professionalität zeigte, oder später in unserer Tanzschule – sie war immer der Fels in der Brandung. 

Nach der Schulzeit absolvierte Klara Klara Hengen-Falk zunächst eine Ausbildung zur Krankenschwester im damaligen Allgemeinen Krankenhaus Harburg (AKH). Ihre Charaktereigenschaften halfen ihr dabei, sich schnell beruflich zu etablieren. Nach Abschluss der Ausbildung wurde  sie übernommen und arbeitete viele Jahre lang im AKH. Es dauerte nicht lange, bis sie für ihr Engagement und ihr Können mit der Stationsleitung der Abteilung 53A belohnt wurde. Sie wurde von den Kollegen und auch von den Ärzten sehr geschätzt. Bis heute erinnern sich viele nicht nur an ihre  professionelle Arbeit, sondern vor allem an den tollen Menschen, der Klara für so viele im Krankenhaus war.

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Der 3. Oktober 1999 war ein schwarzer Tag für Klara: Ihre Mutter starb viel zu früh. Obwohl sie  als Krankenschwester täglich mit Tod und Verlust konfrontiert war, traf sie dieser Schicksaltag besonders hart. Für Klara war die Familie stets das Wichtigste. Der Tod ihrer Mutter war ein Wendepunkt. Die Herausforderungen im Krankenhaus wurden immer größer, und sie beschloss, ihren Beruf als Krankenschwester aufzugeben. Es war Zeit für einen Neuanfang.

Klara Hengen hatte das Tanzen längst nicht nur als liebstes Hobby entdeckt – sie lebte es. Mehrfach in der Woche besuchte sie als Schülerin die Tanzschule Hädrich in der Paul-Gerhardt-Straße in Wilstorf. Ihre Begeisterung dazu war geradezu ansteckend. In dieser Zeit war sie nicht in einer Beziehung, und so tanzte sie meist mit ihrem Tanzpartner Jens Nagel. Zwei Tanzlehrer trugen maßgeblich dazu bei, dass Klara Hengen das Tanzen so sehr liebte: Olav Prieß und Julia Gnädig. Beide waren nicht nur tänzerisch herausragend, sondern auch fantastische Lehrer. Zwischen Klara und Julia entwickelte sich zudem eine tiefe Freundschaft. Sie waren zu dieser Zeit beste Freundinnen.
 
In der Tanzschule Hädrich war es üblich, dass eine Tanzlehrerin immer mit einem Auszubildenden vortanzte. Und dieser Azubi, der Julia oft als Partnerin unterstützte, war ihr späterer Ehemann Marcel Falk. Eines Tages vertrat er Julia. Von der ersten Sekunde an war Marcel Falk fasziniert von Klara und ihrer Ausstrahlung. Dann kam der 6. Dezember 1999 – die legendäre Nikolaus-Party. Nach dem offiziellen Teil ging das Team noch ins berühmte Harburger "Cool", um weiter zu tanzen und zu feiern. Und dort folgte auch der erste Kuss. 

 Klara liebte das Tanzen und wollte sich beruflich umorientieren. Sie fasste den Entschluss, Tanzlehrerin zu werden. Sie startete ihre Ausbildung zur ADTV-Tanzlehrerin. Am 18. Mai 2005 gab es einen weiteren Schicksalsschlag für Klara. Sie erlitt einen schweren  Hinterwand-Herzinfarkt – und das mit nur 34 Jahren. Aber sie kämpfte sich mühsam ins normale Leben zurück. Sie hatte nur noch eine Herzleistungsstärke von 27 Prozent – aus medizinischer Sicht ein Wunder, das sich auch erfahrene Herzspezialisten nicht erklären konnten. Nach vielen Tagen auf der Intensivstation und anschließendem Stationsaufenthalt folgte die Reha. In der Rehabilitation war es für Klara kaum möglich, drei Schritte zu gehen, ohne dass sie keine Kraft und keine Luft mehr hatte. Einen Weg von nur zehn Metern brauchte sie fast eine halbe Stunde – doch sie kämpfte sich zurück in ihr Leben.

Bei der Silvesterfeier im Jahr 2007 überraschte ihr Marcel sie: Er kniete nieder, blickte Klara in die Augen  und fragte: „Willst du meine Frau werden?“ Ihr „Ja!“ war nicht nur laut, und es war der Beginn ihres gemeinsamen Wegs. Am 18. Juli 2008 gaben sie sich das Ja-Wort. Einen Tag später folgte kirchliche Trauung. Die Kirche war bis auf den  letzten Platz gefüllt, und da kein Platz mehr war, standen viele Gäste – Freunde und Mitglieder aus der Tanzschule – sogar an den Seiten und in den Gängen. Als wir nach der Zeremonie hinausgingen, bildeten die Kinder aus den Tanzkursen ein Spalier.

Am 6. Januar 2004 gründeten die jungen Eheleute die Hamburg Dance Academy in Harburg. Inzwischen ist die ADTV-Tanzschule mit mehr als 500  Mitgliedern, spezialisiert auf Paartanz in allen Facetten. Klara liebte es, sich elegant über das  Parkett zu bewegen – ob im langsamen Walzer oder bei den lebhaften lateinamerikanischen Tänzen, bei denen sie die schnellen Drehungen besonders genoss.

Innerhalb von nur zwei Jahren gewannen sie 300 feste Mitglieder, die regelmäßig die Kurse besuchten. Am 3. Oktober 2006 bezogen sie die Räumlichkeiten in der Stader Straße 2, direkt an der pulsierenden B73 in Harburg. Dieser Ort wurde zum Herz der Tanzschule – die ersten festen Räumlichkeiten. Klara war immer vor Ort, unterrichtete mit  Leidenschaft und war so das Herz der Tanzschule. Sie hatte das unsagbare Talent, Menschen zu begeistern und  Bindungen zu schaffen – und das über viele Jahre hinweg. Ob ins Krankenhaus, zu ehemaligen Kollegen oder zu Freunden aus der Schulzeit: Sie pflegte diese Kontakte mit großer Wärme. Sie war die Seele des Hauses. 

Nach der Corona-Zeit in der Tanzschule weiter schwierig. Und doch hat Klara niemals ihren Frohsinn und ihre unbändige Energie verloren. Besonders in diesen Jahren liebte sie es, Veranstaltungen durchzuführen und die Dekorationen zu gestalten – ob bei großen Bällen in der Burg Seevetal in Hittfeld mit mehreren 100 Gästen oder im kleinen Rahmen bei  vielen Hochzeitsfeiern, die im Harburger Saal stattfanden. 

 Durch den schweren Hinterwand-Herzinfarkt war es ihnen nicht vergönnt, Kinder zu  bekommen. Die Hamburg Dance Academy wurde so zu ihrem "Kind". Auch ihre Katzen liebte sie über alles. In diesem Jahr ist Klara 55 Jahre alt geworden. Da sie ihren 50. Geburtstag vor fünf Jahren – während der Corona-Zeit – nicht feiern konnte, hatte sie für Mittwoch, den 13. Mai, die Party des Jahres in der Tanzschule geplant. Klara freute sich ungemein darauf. Doch sie konnte diesen Moment nicht mehr erleben.

Das Drama begann in der Nacht von Montag, 11. Mai, auf Dienstag, 12.Mai, um 0:30 Uhr mit einer  schweren Rhythmusstörung. Ihr Mann Marcel führte bis zum Eintreffen der Rettungskräfte eine Herzdruckmassage durch. Die Rettungskräfte vor Ort und später die Ärzte im Krankenhaus Buchholz haben alles Menschenmögliche getan, um sie zu retten.

In ihren letzten Stunden war Klara nicht allein. An ihrer Seite waren die Menschen, die ihr am nächsten standen: Ihr Vater Matthias, ihre Stiefmutter Liane und ihr Mann. Marcel Falk: "So konnten wir sie in Geborgenheit und Liebe gehen lassen." Klara verstarb am 
frühen Morgen um 8 Uhr. 

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