Historisches Segelschiff "Avontuur" nach Atlantik-Überquerung im Museumshafen Harburg
Harburg. Am vergangenen Freitag um Punkt 9:30 Uhr war der langerwartete Moment gekommen: Das historische Frachtsegelschiff "Avontuur" lief nach einer rund fünfmonatigen Reise von Mexiko und der Karibik in den Museumshafen im Harburger Binnenhafen ein. Zahlreiche Interessierte sowie mehr als 50 freiwillige Helferinnen und Helfer empfingen das Schiff und bereiteten sich trotz hochsommerlicher Temperaturen auf die anstrengende Entladung der wertvollen Fracht vor.
Im Laderaum der "Avontuur" befanden sich 150 Kartons gemahlener Kaffee, 60 Tonnen Rohkaffee in Säcken, etwa zehn Tonnen Kakao sowie mehrere Fässer Rum - alles klimafreundlich und nahezu emissionsfrei über den Atlantik transportiert.
"Was wir heute tun, bestimmt, wie wir morgen leben. Die derzeit mehr als 51.000 Hochseefrachtschiffe – das wichtigste Transportmittel des Welthandels – schädigen die Umwelt und stoßen lebensgefährliche Schadstoffe aus. Der weltweite Schiffsverkehr verursacht jährlich mehr CO₂-Emissionen als die gesamte Bundesrepublik Deutschland, die weltweit an sechster Stelle der größten CO₂-Emittenten steht. Die Avontuur bietet die Möglichkeit, Fracht ausschließlich mit Windkraft zu transportieren und so eine direkte Verbindung zwischen nachhaltigen Produzenten und verantwortungsvollen Verbrauchern herzustellen. Mehr als 90 Prozent des Welthandels erfolgen über Containerschiffe, die nahezu ausschließlich mit Schweröl betrieben werden. Dieser Brennstoff ist an Land längst verboten und muss als chemischer Abfall entsorgt werden. Ich stellte mir die Frage: Wie können wir Unternehmen und Verbraucher aufrütteln und ihnen eine nachhaltige Alternative zum Transport aufzeigen? Die Antwort lautet: Frachtsegeln – Güter klimafreundlich mit Windkraft auf dem Segelschiff Avontuur transportieren. Der Fokus liegt hierbei nicht auf Masse, sondern auf symbolischer Fracht, die transparent transportiert wird und eine klare Verbindung zu nachhaltiger Seeschifffahrt und handwerklicher Produktion hat“, sagt Kapitän und Besitzer Cornelius "Conny" Bockermann.
Ein mobiler Kran hob die Ladung zunächst aus der Luke des Schiffs. Anschließend übernahmen die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer mit Muskelkraft die weitere Entladung. Ausgerüstet mit entsprechender Schutzausrüstung, wurde die Ware sorgfältig auf Paletten gestapelt, gesichert und anschließend in bereitstehende Container verladen.
Die Arbeiten verlangten den Freiwilligen bei den hohen Temperaturen einiges ab. Da der Platz am Museumshafen kaum Schatten bot, standen reichlich Trinkwasser sowie Kaffee, Tee, Obst und Kekse zur Verfügung. Die gesamte Verpflegung und die Getränke wurden großzügig von einem EDEKA- Markt gespendet. Später wurden die Helferinnen und Helfer noch mit einer Mahlzeit erfreut. Zudem versorgten aufgestellte Shelter mit Sitzgelegenheiten dafür, dass sich die Einsatzkräfte jederzeit ausruhen und stärken konnten.
Trotz der anspruchsvollen Bedingungen herrschte während des gesamten Einsatzes eine positive Stimmung. Mit großem Engagement, Teamgeist und guter Laune wurde die schwere Fracht zügig und professionell entladen.
Mit ihrer Ankunft in Harburg endet für die "Avontuur" vorerst ein bedeutendes Kapitel klimafreundlicher Frachttransporte unter Segeln. Das Schiff wird nun in einem Trockendock umfassend überprüft und technisch begutachtet. Ob und wann die "Avontuur" wieder in Se sticht, steht derzeit noch nicht fest.
Die nachhaltigen Transporte von Kaffee, Kakao, Rum und weiteren Waren aus der Karibik sowie Süd- und Mittelamerika soll künftig von einem größeren Frachtsegelschiff übernommen werden, das über eine deutlich höhere Ladekapazität verfügt und die Idee des emissionsarmen Seetransport fortführen wird.
Die erfolgreiche Ankunft der "Avontuur" und der engagierte Einsatz der zahlreichen Helferinnen und Helfer zeigen eindrucksvoll, wie nachhaltige Logistik und ehrenamtliches Engagement Hand in Hand funktionieren können.
Die "Avontuur" ist ein zweimastiger Gaffelschoner, gebaut 1920 von Otto Smit in Stadskanaal, Niederlande. Bis 2005 wurde sie als Frachtsegelschiff eingesetzt. Sie transportierte Fracht zwischen der Nord- und Ostsee, dem Nordatlantik und Häfen in der Karibik. Dort war das Schiff allgemein als eines der letzten echten Frachtsegelschiffe des 21. Jahrhunderts bekannt.
Nachdem die "Avontuur" einige Jahre als Passagierschiff für Tagesausflüge entlang der niederländischen Küste und zwischen den Westfriesischen Inseln genutzt wurde, wird sie seit Herbst 2014 wieder als Frachtsegelschiff eingesetzt.
Das Segelschiff "Avontuur" transportiert Güter, hauptsächlich hochwertige Kleinpartien und ausschließlich mit Windkraft und bringt so biologische Produkte aus der Ferne auf eine klimafreundliche Weise nach Europa:
- Kaffee, rohe Kaffeebohnen aus Mittel- und Südamerika
- Rum und andere Spirituosen, vor allem aus der Karibik
- Kakao, Kakaobohnen und verarbeitete Produkte
- Gewürze (beispielsweise Kardamom)
- Gelegentlich auch Kunstwerke, Ausstellungsstücke oder wissenschaftliches Material
Weitere Informationen über das Schiff und ihre Mission gibt es unter: https://timbercoast.com/de.
