DRK-Tagespflege Süderelbe erprobt Demenz-Simulation
Süderelbe-Neugraben-Fischbek. In der DRK-Tagespflege Süderelbe werden täglich 19 Gäste betreut. Zwischen 8 und 16 Uhr stehen Gedächtnistraining, gemeinsame Mahlzeiten, Spiele und Ruhephasen auf dem Programm. Da viele der Besucher an Demenz erkrankt sind, spielt das Thema im Alltag der Einrichtung eine zentrale Rolle. Um Angehörigen die Lebenswelt der Betroffenen näherzubringen, testet die Einrichtung derzeit den Einsatz von Virtual-Reality-Brillen.
An einem warmen Junitag probiert die 82-jährige Rentnerin Ilse die Technik aus. Die VR-Brille, die an eine Skibrille erinnert, versetzt sie in eine computergenerierte Umgebung. Mehrfach greift sie ins Leere. „Ich muss mit dem Löffel die Suppe im Topf umrühren“, beschreibt sie die Situation. In der virtuellen Küche scheint alles real – bis sich plötzlich Wahrnehmung und Realität widersprechen. Statt eines Kochlöffels hält sie auf einmal eine Haarbürste in der Hand. „Damit möchte ich die Suppe lieber nicht umrühren“, sagt sie irritiert.
Die VR-Anwendung simuliert typische Alltagssituationen von Menschen mit Demenz. Ziel ist es, Angehörigen ein besseres Verständnis für die kognitiven und emotionalen Einschränkungen zu vermitteln. Auch Einrichtungsleiterin Katrin Bleisch und ihr Team haben die Technik bereits getestet. „Die Brillen können helfen, sich intensiver mit den Herausforderungen der Erkrankung auseinanderzusetzen“, erklärt Bleisch.
Die Erfahrungen in der Tagespflege zeigen, wie unterschiedlich sich Demenz äußern kann. Während einige Gäste nur leichte Symptome zeigen, sind andere stärker beeinträchtigt. Für Angehörige ist der Alltag oft belastend. „Sie leisten Enormes“, sagt Bleisch. „Mit unserem Betreuungsangebot schaffen wir wichtige Entlastung und wertvolle Atempausen – damit Angehörige wieder Kraft schöpfen können.“
