Freilichtmuseum erinnert mit „Bonanza-Rad“ an Lifestyle der „Wilden 70er-Jahre“
Rosengarten-Ehestorf. Das Freilichtmuseum am Kiekeberg in Ehestorf präsentiert vom 31. August bis zum 17. Oktober 2021 Nostalgiefreunden „Das Bonanza-Rad“, einen Verkaufsschlager der 1970er-Jahre. Der passionierte Fahrradsammler und Journalist Jörg Maltzan stellt dem Museum aus seiner Privatsammlung acht Räder mit dem typisch erhöhten Sattel und Lenker zur Verfügung.
Bereits in den 1960er-Jahren waren die als „high-riser“ bekannten Fahrräder an der Westküste der USA beliebt. Der Fahrrad-Trend kam ein Jahrzehnt später mit dem Wirtschaftsaufschwung nach Europa. Auch die Versandhäuser in Deutschland erlebten einen Boom: Von Kleidung über Elektrogeräte bis zum Fertighaus kauften die Kunden fast alles über Katalog. 1970 bot „Neckermann“ ein neues Rad an: Es war gelb-orange, hatte einen hohen, sogenannten „Bananensattel“ mit „Sissybar“, der Chromstange hinter dem Sitz sowie eine hohe Telegabel mit zwei Lenkstangen und einen Hebel für die Gangschaltung. Auf dem Unterrohr stand „Bonanza“. Bereits 1971 haben die meisten großen und kleinen Fahrradhersteller verschiedene „high-riser“-Modelle im Programm, auch wenn diese in Bezug auf Sportlichkeit und Fahrsicherheit anderen Modellen unterlagen.
„Wie die gleichnamige Fernsehserie stand dieser neue Fahrradtyp für Abenteuer und Freiheit des ‚Wilden Westens‘. Konsumgüter wie die ‚Bonanza‘-Räder repräsentieren damals das Lebensgefühl von Aufbruch, Kreativität und Wohlstand der jungen Generation – die Nachkriegszeit war überwunden. Wir holen zunehmend die jüngere Geschichte ins Museum: Unsere ‚Königsberger Straße‘ zeigt mit authentischen Häusern und Alltagsgegenständen die Lebensumstände von 1945 bis in die 1970er Jahre auf dem Land. Die ‚Bonanza‘-Räder passen in die Zeit des bunten Warenstroms“, so Museumsdirektor Stefan Zimmermann.