Schwarzenberg: Eltern und Schüler fühlen sich nach Schüssen bedroht - Kritische Fragen in der Bezirksversammlung
Harburg. Die Vorfälle im Umfeld der Drogenhilfeeinrichtung „Abrigado“ am Schwarzenberg, bei denen Schüsse gefallen sind (besser-im-blick berichtete: Nach Schüssen am Schwarzenberg: Polizei sucht Zeugen), sorgen in Harburg für wachsende Verunsicherung – besonders bei Schülern und Eltern der benachbarten Schule am Park. Allein in einer Woche kam es zu vier Einsätzen, teils wurde die Schule abgeriegelt. Bereits Mitte Juni fielen mehrfach Schüsse, einmal wurde eine Person verletzt. Die Ermittlungen laufen.
So protestierten Schülerinnen und Schüler mit Plakaten. Die Schule liegt nur etwa 30 Meter entfernt, viele Kinder bleiben laut Elternrat aus Angst dem Unterricht fern. Trotz Polizeischutz habe sich das Sicherheitsgefühl kaum verbessert.
Elternratsvorsitzende Jenny Schiller kritisiert ausbleibende Lösungen trotz jahrelanger Gespräche. Eine Verlagerung der Einrichtung [die seit rund 30 Jahren auf dem Schwarzenberg besteht, Anm. d. Red], sei wiederholt in Aussicht gestellt worden, zuletzt bis Ende 2027 – zu spät, so die Eltern.
Zwar zeigen Statistiken rückläufige Kriminalitätszahlen im Stadtteil und ein direkter Zusammenhang mit dem Abrigado ist nicht belegt. Dennoch wächst der Druck auf Politik und Behörden, kurzfristig für mehr Sicherheit zu sorgen.
Eine Petition auf change.org haben sie schon erstellt und sammeln Unterschriften. Am 6. Juli hat die Harburger Sicherheitskonferenz zu einem öffentlichen Dialogforums eingeladen. Mi dabei sind die relevanten Akteure aus der Sozial- und Innenbehörde, von freiraum hamburg e.V., Fördern & Wohnen, aus anliegende Schulen, Trägern der Wohnunterkunft am Schwarzenberg, der Polizei und weiteren.
Die Eltern wollen ihren Protest fortsetzen und haben geschafft, das Thema in die Bezirksversammlung einzubringen. Dort stand es als Dringlichkeitsanträge au der Tagesordnung - einmal von SPD, CDU, Grüne, Linke, Volt, FDP und einmal von der AfD.
Jenny Schiller ergriff in der Fragestunde der Bezirksversammlung das Wort und forderte, dass das Abrigado noch in den Sommerferien umziehen müsse. Auch das Abrigado selbst sei damit einverstanden.
Natalia Sahling von der SPD bedankte sich bei den Eltern dafür, dass diese trotz dringender Probleme die Wichtigkeit des Abrigado sähen und versprach, die Eltern würden bis zum Umzug nicht alleine gelassen. "Was aber nicht geht, ist, dass diese Sorgen von rechten Politikern für Stimmungsmache instrumentalisiert werden." Es würden Flyer mit verkürzten Darstellungen von AfD und Harburger Forum verteilt. "Das nehmen wir nicht hin."
Adrian Leuser vom Harburger Forum bestätigte den Vorwurf der instrumentalisierung sogleich und fragte ob des Umstandes, dass vor kurzem spezielle spritzenmülleimer am Schwarzenberg aufgestellt wurden, ob man ob der Schüsse jetzt auch Hülsenbehälter aufstellen würde. Er warf der SPD vor, ihre Werte mit Füßen zu treten und lobte die vier Abgeordneten, die aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen worden waren. Diese verwehrten sich allerdings umgehend gegen die Vereinnahmung durch AfD und Harburger Forum.
CDU-Fraktionschef Rainer Bliefernicht forderte entschlossenes Handeln. "Sollte es keine nachhaltige Verbesserung geben, muss man offen darüber sprechen, ob der Bezirk der richtige Standort für eine Einrichtung dieser Größe ist." Klar sei aber auch, dass die CDU ebenso dafür stehe, dass suchtkranken Menschen geholfen würde.
Der Vater eines Kindes an der Grundschule warf den Politikern vor dass es wieder nur das übliche "Politgelaber" gewesen sei, was sie gehört hätten. Er rief auf zu endlich handeln. Denn: "So wird das nichts mit unserem Harburg!" Unter Tränen forderte ein weiterer Vater, selbst am Schwarzenberg zur Schule gegangen, die Politik zu umgehendem Handeln auf.
Bezirksamtsleiter Christian Carstensen stellte klar, dass bei aller Wichtigkeit des Abrigado klar, dass eine Drogeneinrichtung in direkter Nähe der Schulen schlicht nicht ginge. Die Fraktionen und die Verwaltung seien daran etwas zu ändern.
Das konkrete weitere Vorgehen würde am Montag bei der Dialogveranstaltung bekannt gegeben werden, so Carstensen.
Dem Antrag der AfD verweigerte die Bezirksversammlung mehrheitlich die Feststellung der Drinkglichkeit. Der fraktionsübergreifende Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. In diesem wird die verstärkte Polizeipräsenz gelobt und Aufklärung zum aktuellen Stand der dinge wie Umzug des Abrigado gefordert.
