Kein Happy End nach Weihnachten: Hamburg Towers unterliegen den Baskets Oldenburg
Wilhelmsburg. Mit dem Tipoff hatten beide Teams die weihnachtliche Besinnlichkeit direkt abgelegt. Mehr als 300 mitgereiste Fans aus Oldenburg und der Hamburg Towers Fanclub sorgten dafür von den Rängen für ein Basketballfest und heizten die Stimmung zusätzlich auf. Und die insgesamt 3400 Zuschauenden in der zum vierten Mal in Folge ausverkauften Arena am Inselpark erlebten einen ebenso hochklassigen Beginn ihrer Protagonisten auf dem Spielfeld.
Wie zu erwarten, versuchte das von Ex-Towers-Coach Pedro Calles betreute Gästeteam, mit überaus galliger Defensive früh den Ton zu setzen. Doch die Wilhelmsburger, bei denen der erkrankte Raoul Korner von Benka Barloschky vertreten wurde, ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Weil die Oldenburger aber ausgerechnet aus der Distanz, statistisch nicht als Paradedisziplin bekannt, zunächst präzise trafen, gerieten die Gastgeber zwischenzeitlich mit sechs Punkten in Rückstand. Einem sehr aufmerksamen Ziga Samar war es zu verdanken, dass Teamkollege Kendale McCullum zum Ende des ersten Viertels noch einmal verkürzen konnte.
Ihre exzellente Defensivarbeit setzten die Towers auch zu Beginn des zweiten Abschnitts fort – binnen 74 Sekunden war der Ausgleich wieder da. Und weil die Gastgeber ihren Kontrahenten weiterhin dicht auf den Fersen blieben, begann Oldenburgs Rihards Lomazs, in die Psychospielchen-Trickkiste zu greifen. Der Guard wich abwechselnd Ziga Samar und James Woodard keinen Millimeter von der Seite und kroch langsam, aber sicher in die Köpfe der Towers-Aktiven. Zwar versuchte Benka Barloschky mit einer Auszeit den Fokus seiner Schützlinge wieder in geordnete Bahnen zu lenken, dennoch geriet sein Team vorübergehend mit elf Punkten in Rückstand.
Dass Lukas Meisner nach einem Dunk über Oldenburgs Drechsel – der zur Halbzeit bereits 18 Punkte auf seinem persönlichen Konto angesammelt hatte – nach einer Jubelgeste mit einem technischen Foul bedacht wurde, trug nicht dazu bei, die mittlerweile stark erhitzten Gemüter abkühlen zu lassen. Ebenso wenig das Offensivfoul des nun für alle ersichtlich über die Stränge schlagenden Lomasz. Hamburgs McCullum richtete das Augenmerk dann aber wieder auf das sportliche Geschehen, steuerte sieben Punkte zu einem starken Schlussspurt bei und brachte die Veolia Towers zur Halbzeit wieder auf sechs Punkte heran.
Nach dem Seitenwechsel knüpfen die Wilhelmsburger nahtlos an ihre Drangphase an. Fünf zunächst unbeantwortete Punkten nahmen das Publikum direkt wieder mit. Und getragen von den lautstarken Anfeuerungsrufen ihrer Fans verkürzten die Towers die Hypothek Punkt um Punkt. Kendale McCullum und James Woodard behielten die Übersicht und mit zwei Distanztreffern den Anschluss. Lukas Meisner bescherte mit dem vierten Distanztreffer im dritten Viertel die erste Gastgeber-Führung seit den Anfangsminuten.
Als dann auch noch Ziga Samar artistisch abschloss und den Vorsprung auf drei Zähler erhöhte, sah sich Calles zu einer Auszeit gezwungen. Trotz der Zwangspause blieben die Hausherren aber weiter unnachgiebig und verteidigten ihr Hoch mit allen Kräften. Dass diese, dem Kraftakt geschuldet, zum Ende des dritten Viertels schwanden, nutzen die Niedersachsen wiederum unerbittlich, um sich vor dem entscheidenden Abschnitt wieder in Führung zu bringen. Ein letzter Treffer von Len Schoormann bereite auch aus Towers-Sicht alles für eine spannende Schlussphase vor.
Zu Beginn der letzten zehn Minuten setzten sich zunächst die Baskets, getragen vom zuvor offensiv unauffälligen Russell, bis auf sechs Punkte ab. Die folgenden drei Zähler von James Woodard aus der Distanz waren immens wichtig, blieben aber über zwei Minuten die einzigen Punkte der Hanseaten. Als Kendale McCullum, ebenfalls per Dreier, nachlegen konnte, waren die Oldenburger bis auf neun Punkte davongezogen. Von einem vorzeitigen Ende war die Partie jedoch noch weit entfernt. Christoph Philipps, sicher von der Freiwurflinie und spektakulär per Dunk, hielt sein Team im Spiel. Der von der Oldenburger Defensive kaum zu stoppende Kendale McCullum tat es ihm mit zwei explosiven Drives gleich.
Gerade als die Towers, die in der Defensive nun auf Zonenverteidigung umgestellt und das Spielgeschehen scheinbar wieder unter Kontrolle gebracht hatten, erschwerte ein weiterer Treffer von Russell die abermalige Hamburger Aufholjagd. Auf der Suche nach dem sprichwörtlichen Momentum-Changer war dann Lukas Meisner zur Stelle – mit fünf Zählern in Serie eröffnete der Co-Kapitän eine spannende Crunchtime, in der er nach jeder Aktion die Fans unermüdlich anpeitschte.
Als McCullum von der Freiwurflinie auf einen Punkt verkürzte, gab es kein Halten mehr. Ebenso wenig wie nach dem Distanztreffer von James Woodard, der die Partie 6,7 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit ausglich. Der verdiente Lohn blieb allerdings aus, weil Russell noch einen Freiwurf versenkte und Lukas Meisner der Gang an den Charity-Stripe trotz deutlichem Kontakt verwehrt blieb.