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Rieckhof auf Abschussliste des Harburger Bezirksamtes

| Niels Kreller | Feuilleton
Nach 37 Jahren erfolgreicher Arbeit soll dem Trägerverein des Rieckhofs in Harburg gekündigt werden. | Foto: Niels Kreller
Nach 37 Jahren erfolgreicher Arbeit soll dem Trägerverein des Rieckhofs in Harburg gekündigt werden. | Foto: Niels Kreller
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Harburg. Was ist denn im bzw. mit dem Rieckhof los? Wie besser-im-blick erfuhr, soll dem bisherigen Trägerverein „Freizeitzentrum Hamburg-Harburg e.V.“ nach 37 Jahren vom Harburger Bezirksamt gekündigt werden. Voraussichtlich zum Frühjahr 2022. Der Rieckhof, das Kultur- und Freizeitzentrum „Live im Herzen Harburgs“, ist seit seiner Gründung ein Dreh- und Angelpunkt für Kultur in Harburg.

Rieckhof-Geschäftsführer Jörn Hansen und sein Team holten viele große und kleine Stars nach Harburg. Darunter viele überregional bekannte Künstler wie Lotto King Karl, die Ärzte, Wolf Biermann, Franz Josef Degenhardt, Drafi Deutscher, Nina Hagen,  Für einen vollen Rieckhof sorgte in jedem Jahr Lotto King Karl, der den Rieckhof als sein "Wohnzimmer" bezeichnet. | Foto: Niels Kreller den unvergessenen Dieter Hildebrandt, die Münchner Freiheit, die Puhdys, Harry Rowohlt oder Rolf Zuckowsky. Aber der Rieckhof wurde auch eine Heimat für Local Heroes wie 5th Avenue, Bon Scott, Boerney & Die Tri Tops, Delta Doppelkorn, die Finkwarder Speeldeel, Gospeltrain, Maggers United, Larry Mathews Blackstone Band oder die NDR Bigband. Dazu kamen viele politische Veranstaltung und Vereine, die hier ebenso Treff- und Veranstaltungsmöglichkeiten gefunden haben wie Bühnenvereine oder Flohmärkte.

„Unfassbar“: Rieckhof ist überrascht

Neben den vielen Veranstaltungen im Rieckhof kümmerten sich Geschäftsführer Jörn Hansen Rieckhof-Geschäftsführer Jörn Hansen zeigte sich von der angekündigten Kündigung überrascht. | Foto: Niels Krellerund sein Team auch um die Entwicklung und Probleme im Seeveviertel. Nun soll für den Trägerverein im kommenden Jahr nach fast 40 Jahren damit Schluss sein. „Das ist unfassbar – ich bin überrascht und finde die Entscheidung des Bezirksamts unbegründet“, so Jörn Hansen gegenüber besser-im-blick. Er, so Hansen, habe bisher auf Nachfrage auch keinen Grund dafür genannt bekommen. Im Gegenteil: „Immer wieder hieß es da, wir würden tolle Arbeit leisten“, so Hansen.

Bezirksamt gibt keine Stellungnahme

Das Bezirksamt konnte oder wollte auf Nachfrage von besser-im-blick bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht zur Causa Rieckhof stellungnehmen. Weder dazu, ob es das Vorhaben einer Kündigung gebe, noch darüber, vorausgesetzt das dem so ist, aus welchen Gründen gekündigt werden soll.* Frank Richter, Fraktionsvorsitzender der SPD in der Harburger Bezirksversammlung, aber bestätigte gegenüber besser-im-blick, dass es eine Kündigung geben soll. „Ja ich weiß davon. Auch, dass es ein Gespräch der Verwaltung mit Jörn Hansen darüber gegeben hat“, so Richter gegenüber besser-im-blick. 2022 solle der Rieckhof ja umgebaut und während dessen geschlossen werden. Und Ende Februar 2022 geht Jörn Hansen als Geschäftsführer in den Ruhestand. „In dem Zuge soll ausgeschrieben werden“, so Richter. Was er als Grund bisher erfahren habe, sei, dass es ein guter Zeitpunkt für einen Trägerwechsel sei, wenn derjenige, der über 30 Jahre den Rieckhof geprägt habe, in den Ruhestand ginge.

Ralf-Dieter Fischer, Fraktionsvorsitzender der CDU, zeigte sich überrascht: „Bisher hat sich der Betrieb des Rieckhof mit dem aktuellen Trägerverein sehr bewährt. Ohne das große Engagement von Herrn Hansen und seiner Mitstreiter hätte es diese Einrichtung schon lange nicht mehr gegeben.“ Weiteres Problem: Bisher ist der Rieckhof nicht im Etat der anderen Stadtteilzentren im Haushalt der Stadt enthalten. „Eine neue Ausschreibung müsste dann ja auch bedeuten, dass die Freie und Hansestadt auch Mittel für den neuen Träger bereitstellen.“

Auch Heiko Langanke, Mitglied der Fraktion DIE LINKE. und Vorsitzender des Kulturausschusses der Bezirksversammlung ist 'not amused' „Es spricht Bände, dass wieder mal Fakten  Auch Comedians wie Kay Ray treten jährlich im Rieckhof auf. | Foto: Niels Krellergeschaffen werden statt den Dialog zu nutzen“, so Langanke. Es habe vielleicht eine lange und nicht immer einfache Zusammenarbeit mit dem Rieckhof gegeben. Aber weder die Politik mit einzubeziehen noch ein besseres Nutzungskonzept überhaupt zu haben, um dann den Kündigungshammer zu ziehen, sei das denkbar schlechteste Vorgehen. „Dass man den Dialog nicht sucht und vermutlich auch nicht kann – außer er erfolgt einseitig und nach Wünschen von Harburgs „Fürsten“ – zeigt, wie weit Harburg von Weltstadt-Diskursen abgehängt ist“, kritisiert und charakterisiert Langanke das Vorgehen. Und dafür trage Harburg alleine die Verantwortung, denn diesmal seien es nicht die Finanzen, die direkt über den Senat gesteuert würden. „Kurzum: traurig.“

Hansen will nicht kampflos aufgeben

Kampflos will Jörn Hansen nicht die Segel streichen. Er will die Spitzenpolitiker auf Landesebene daraufhin ansprechen, was die dazu sagen und wer eigentlich die Entscheidung darüber trifft. „Die Einrichtung und Trägerschaft des Rieckhofs wurde nicht im Hinterzimmer des Bezirksamtes beschlossen, sondern der Rieckhof ist von der Bürgerschaft eingerichtet und die Trägerschaft von der Bezirksversammlung beschlossen worden“, so Hansen. „Wir wollen nicht zulassen, dass die Arbeit von 37 Jahren in einem rauchigen Hinterzimmer des Bezirksamtes vernichtet wird.“

*Mittlerweile hat das Bezirksamt folgende Antwort geschickt:
„Der Rieckhof wird ab Herbst 2021 modernisiert (Fenster/Fassade und Innenraum). Die für die Modernisierung vorhandenen Mittel aus dem Hamburger Wirtschaftsstabilisierungsprogramm HWSP müssen bis Ende 2022 ausgegeben und abgerechnet sein. Das bedeutet, dass auf den Rieckhof eine Phase des Umbaus zukommt. In diese Phase fällt zudem der Ruhestand der Geschäftsführung und eines Mitarbeiters des Trägervereins.
Aufgrund dieser Sachverhalte führt das Bezirksamt vertrauliche Gespräche mit dem Trägerverein über den gemeinsamen Umgang mit den Veränderungen. Nach Abschluss dieser Gespräche werden Bezirksversammlung und Öffentlichkeit zeitnah informiert."

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