Ulf Schröder ist neuer Gildekönig
Harburg. Was für ein Finish beim Harburger Vogelschießen! Am Samstagnachmittag hing nur noch der Rumpf des Vogels auf dem Schießstand auf dem Schwarzenberg. Und im Stand waren der 1. Kapitän der Gilde, Jörg Nolting, und Ulf Schröder, der schon 2014 Gildekönig geworden war. Beide schenkten sich nichts und bis zum 1.453. Schuss war nicht klar, wer den letzten Span des Vogels herunterholen würde.

Um 17:53 Uhr war es dann soweit: Ulf Schröder gelang der Königsschuss und er ist damit der neue Gildekönig. Er tritt die Nachfolge von Borhen „Bo“ Azzouz an, der aufgrund von Corona vier Jahre lang König war.
Am Samstagabend wurde Ulf Schröder, der mit seinem Lebenspartner Lothar A. Kestler in München lebt, feierlich am Kaiserbrunnen proklamiert. In seiner vorigen Amtszeit baute er vor allem Kontakt zu anderen Vereinen auf, wie der Schützengilde der Stadt Buxtehude von 1539, die ebenfalls am Zapfenstreich teilnehmen. Schröder sorgte 2014 für einen der vollsten Winterbälle in der Geschichte der Gilde.

Für die kommende Amtszeit hat er sich wieder etwas vorgenommen. „Ich möchte die Schützenvereine in Harburg vernetzen, damit wir alle zusammen feiern. Und die Schützen in Harburg an Bedeutung gewinnen“, so Ulf Schröder, der selbst in neun Schützenvereinen und Gilden ist. „Als Gildekönig kann ich ja auch politisch wirken – und das werde ich auch tun!“
Feierlicher Abschied von Langzeitkönig Bo – mit Besuch aus Schwaben

Am Freitag wurde Azzouz mit einem Großen Zapfenstreich vor dem Rathaus verabschiedet. Zu seinen Ehren waren neben regionalen Schützenvereinen auch Harburger Schützen gekommen. Also Schützen der Königlich privilegierten Schützengesellschaft 1672 und Wörnitztaler Harburg/Schwaben. Die pflegen schon seit Längerem eine Freundschaft mit dem Schießclub Harburg der Gilde und im vergangenen Sommer waren die Gilde-Fahnenjunker mit weiteren Gileschützen zu einem unvergesslichen Besuch nach Schwaben zum Jubiläum gereist.
Und beim diesjährigen Gegenbesuch begeisterten die schwäbischen Harburger mit ihrer großen Fahne, die sie an einer drei Meter langen Fahnenstange heftig schwenkten – beeindruckend! Die Freundschaft, die beim Vogelschießen auf die Fahnenjunker ausgeweitet wurde, soll zu regelmäßigen Besuchen führen.
Schon vorher hatte man sich in der Königsburg bei der Freiwilligen Feuerwehr Eißendorf getroffen. Hier hatten König Bo sowie der amtierende Fahnenjunkerkönig Bjarne Sahling eine Spende für die Jugendabteilung der Feuerwehr mit dabei. Die kam aus dem erlös der Double-Triple-Ordens, den die beiden zusammen mit Montagskönig Lars Kohlhase in der Coronazeit gestiftet hatten – als Erinnerung daran, dass zum ersten Mal alle drei Könige der Gilde aus den Reihen der Fahnenjunker kamen.
Hinzu kam eine Spende an die Turnerschaft Harburg, den ältesten Turnerspielmannszug Deutschlands. Der feierte sein 150-jähriges Bestehen und gleichzeitig 120 Jahre für die Gilde spielen.
Zum ersten Mal wurde die Schinkenscheibe ausgeschossen

Am Samstag wurde auch die neue Schinkenscheibe der Schützenkompagnie ausgeschossen. Die hatte der Vorstand gestiftet und Harburgs Stadtmaler Ralf Schwinge hatte sie gemalt. Beim Schießen gab es einen geräucherten Schinken und Bier aus einer Egestorfer Privatbrauerei.
Den Schinkenorden hat Gilde-Kommandeur Sven Kleinschmidt gewonnen. Sein gewinn: Sein Name wird auf der Scheibe verewigt und er bekam einen Schinken. Allerdings mit der Auflage, diesen bei einem kleinen Fest mit allen, die mitgeschossen haben, zu stiften, was von den anwesenden Schützen wohlwollend vermerkt wurde.
Am Sonntag wurde dann der Montagskönig ausgeschossen. Das ist immer eine spaßige Sache und auch die Proklamation ist nicht so ernst-feierlich wie beim Gildekönig. Den Rumpf des Montagsvogels holte Bendix Mönke herunter. König der Clubkönige wurde Marcus Köhler.
Im Anschluss an das Schießen wurde dann noch der Eiserne Vogel vom Gildehaus abgenommen und die Schützen und Gäste trafen sich zum Matjesessen im Festzelt und ließen das Harburger Vogelschießen gemütlich ausklingen.
