Festival-Exkremente als Kompost: Klimaforum Buchholz besucht Pilotprojekt in Ollsen
Buchholz/Hanstedt-Ollsen. Was zunächst ungewöhnlich klingt, wird auf dem Vagtshoff in Hanstedt-Ollsen Realität: Aus menschlichen Ausscheidungen entsteht Kompost. Das Klimaforum Buchholz informierte sich kürzlich vor Ort über das innovative Projekt, das von der Goldeimer gGmbH und dem Vagtshoff betrieben und von der EU gefördert wird.
Bei Festivals wie „Hurricane“ oder „Deichbrand“ sammelt Goldeimer die Hinterlassenschaften von Besuchern in Trockentoiletten. Anschließend werden sie in verschlossenen Tonnen nach Ollsen gebracht, wo sie mit Stroh vermischt und in einem Hygienisierungscontainer kompostiert werden. Durch Belüftung entstehen Temperaturen von rund 65 Grad – Krankheitserreger werden so zuverlässig abgetötet.
In einem zweiten Schritt kommt die Masse in einen Kompostiercontainer, wird mit Grünschnitt, Pflanzenkohle und Tonmineralien versetzt und elektrisch durchmischt. Der erste Kompost ist zwar noch nicht perfekt, doch Enno Schröder von Goldeimer zeigt sich optimistisch: „Der erste Kuchen ist selten der Beste.“
Ziel des auf vier Jahre angelegten Projekts „P2GreeN“ ist es, hochwertigen Dünger zu entwickeln, der langfristig auf Feldern eingesetzt werden kann. Bevor der Kompost verwendet wird, erfolgt eine umfassende Laboranalyse.
Zusätzlich stellte Hofbetreiber Hauke Witte die Pyrolyseanlage von Carbon Collectors vor, in der Holzhackschnitzel zu Pflanzenkohle verarbeitet werden. Diese verbessert nicht nur die Bodenqualität, sondern bindet dauerhaft CO₂ – ein Gewinn für Klima und Landwirtschaft.
Die Stadt Buchholz zeigte sich beeindruckt und plant eine Zusammenarbeit. Unter anderem soll geprüft werden, ob kommunaler Grünschnitt künftig in der Pyrolyseanlage verwertet werden kann.
