Es lebe der König! Die Harburger Schützengilde hat mit Thomas Michel endlich wieder einen Regenten
Harburg. Lauter Jubel hallte gegen um 18:37 Uhr vom Gildehaus ausgehend über den Schwarzenberg in Harburg. Thomas Michel hatte soeben mit dem 1.467. Schuss den Rumpf des Vogels beim Harburger Vogelschießen der Harburger Schützengilde von 1528 e.V. heruntergeholt – und die Gilde nach zwei Jahren endlich wieder einen König! Zwei Jahre vor der großen 500-Jahr-Feier 2028 zieht die Gilde wieder mit einem König in den Endspurt darauf hin. Das bedeutet den Schützen viel und wie Kommandeur Sven Kleinschmidt gestand, hatte er schon Tränen in den Augen, als Michel zusammen mit Rolf-Dieter Eckert in den Stand ging. Denn da war schon klar: Es wird einen König geben!
Der neue Gildekönig ist 62 Jahre als, ehemaliger Bankkaufmann und kann sich als Pensionär voll und ganz seinen Aufgaben als König widmen. Er wohnt in Harburg, und an seiner Seite steht seine Frau Antje Strube, aus einer alten Harburger Schützenfamilie kommend und selber schon Marketenderin gewesen und Tochter Lena Marie.
Thomas Michel war 1985 Mitläufer bei den Fahnenjunkern und ist dort seit 1986, also 40 Jahre, Mitglied. Beim vergangenen Vogelschießen vor einem Jahr wurde Thomas Michel in die Knopfsergeantenvereinigung aufgenommen, die Garde des Königs. Eine der großen Ehrungen. Darüber hinaus ist er Kompagniemitglied und gehört dem Schießclub Herzog Otto an.
„Meine Entscheidung auf den Vogel zu schießen, war gestern recht spontan“, so der neue Gildekönig. Natürlich habe er gewusst, dass es in diesem Jahr einfacher sein kann als in den Folgejahren. „Dann habe schnell bei meinen Schützenkameraden vorsichtig sondiert, was mich erwarten würde und habe mich mit meiner Familie abgestimmt.“
Zur Entscheidung habe aber auch der Wettkampf mit dem Schießclub Scharnhorst beigetragen, der beim Schießen auf die anderen Vogelteile erfolgreicher waren als sein eigener Schießclub, der lange ohne Vogelteil dastand – was die Scharnhorster ausgiebig feierten und die Herzog Otto-Schützen damit piesackten, dass sie immer noch aufholen könnten, da die Königswürde fünffach zählen würde. „Insofern ging es dann 7:4 für Herzog Otto aus“, schmunzelt seine Majestät.
Ebenfalls dem Schießclub Herzog Otto gehört der neue Montagskönig an: Alexander Schmidt schaffte es ein paar Stunden zuvor, den Rumpf des Montagsvogels herunterzuholen. Er ist 51 Jahre alt und wohnt in Winsen. Verheiratet ist Schmidt mit Martina Jung und die beiden haben eine kleine Tochter. Er ist seit 1993 in der Gilde und bei den Fahnenjunkern. Dort war und ist er sehr aktiv – im Vorstand sowie dreimal als König. Dafür wurde er 2018 mit dem „Gold auf Rot“ ausgezeichnet, also dem Abzeichen der Fahnenjunker mit Herzog Otto in Gold auf rotem Grund. Er ist einer von zweien und es ist die wahrscheinlich am seltensten vergebene Auszeichnung in der Gilde! 2006 War er schon einmal Montagskönig und wollte es 20 Jahre später wieder werden – das hat geklappt.
Die Proklamation am Kaiserbrunnen war der wahrhaft krönende Abschluss eines wortwörtlich heißen Wochenendes. Bei Temperaturen über 30 Grad waren am Sonnabend beim Schützentag die Schützinnen und Schützen der Gilde, aus Heimfeld, Eißendorf und Marmstorf sowie die Spielleute von Musik aus Seevetal (Musas) und der Spielmannszug der Turnerschaft Harburg durch Harburg gezogen und hatten den Zapfenstreich am Rathaus abgehalten. Verstärkung bekamen sie durch den Fanfaren- und Spielmannszug Hofheim aus Franken, der gerade zu Gast bei Musas war und den der 1. Patron Ingo Mönke gleich zum großen Jubiläum einlud.
Bevor es auf den Ummarsch durch Harburg ging, hatte die Harburger Schützengilde beim Empfang im Ratssaal von Harburgs Bürgermeister Christian Carstensen (der bis einschließlich Kommers mit dabei war) den Schlüssel zu Rathaus überreicht bekommen. Es stimme ihn schon ein bisschen traurig, den Schlüssen rauszurücken, bekundete Carstens scherzhaft, denn schließlich habe er ihn noch nicht einmal ein Jahr lang gehabt.
Nun geht die Gilde in das anstehende Königsjahr. Mit einem König an der Spitze, der seine Gildeschützen aufrief, ihn zu begleiten und die Gilde bei vielen Gelegenheiten zu repräsentieren.

