Psychische Erkrankungen auf der Leinwand: Sozialpsychiatrische Filmtage starten im Landkreis
Winsen. Psychische Erkrankungen sind weit verbreitet, bleiben aber oft unsichtbar und stigmatisiert. Mit einem neuen Filmformat im Kinocenter Winsen wollen der Sozialpsychiatrische Verbund und die Eingliederungshilfe des Landkreises genau das ändern: Sie holen psychische Gesundheit auf die Leinwand, regen zum Mitfühlen an und laden im Anschluss zum offenen Gespräch mit Fachleuten.
Die Sozialpsychiatrischen Filmtage setzen dort an, wo Aufklärung oft schwerfällt: bei Unsicherheit, Vorurteilen und Ablehnung im Umgang mit psychischen Erkrankungen. Fast jeder dritte Mensch erkrankt im Laufe des Lebens mindestens einmal behandlungswürdig psychisch – dennoch scheuen viele das Thema.
„Wir wollen unsichtbare und oft auch unbekannte Beeinträchtigungen sichtbar machen. Dadurch wollen wir Hürden und Vorurteile abbauen“, sagt Aileen Conrad von der Eingliederungshilfe. Das Kinocenter Winsen unterstützt das Anliegen: „Filme bieten noch einmal einen ganz anderen Zugang zu sozialen Themen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer tauchen so in eine andere Welt ein und nehmen eine andere Perspektive ein“, erklärt Kinoleiter Janek Tamke.
Dabei steht nicht die Frage im Vordergrund, was mit einem Menschen „nicht stimmt“, sondern was ihm widerfahren ist und wie es ihm besser gehen kann. „Kino gelingt, was Fachvorträge oft nicht schaffen: Es lässt uns eine Situation nicht nur verstehen, sondern miterleben“, ergänzt Conrad.
Die Filmtage finden an drei Abenden im September statt, jeweils um 19 Uhr im Kinocenter Winsen. Nach jeder Vorführung folgt eine Diskussion mit Fachpersonen. Die Teilnahme ist kostenfrei; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Vor Ort kann für einen guten Zweck gespendet werden.
„Alles steht Kopf“ (Inside Out)
Der preisgekrönte Animationsfilm zeigt, dass alle Emotionen – auch negative – wichtig sind. In der Diskussion geht es um Emotionsregulation und Störungen wie Borderline.
„Systemsprenger“
Der Film begleitet ein neunjähriges Mädchen, das zwischen Pflegefamilien, Psychiatrie und Heimen hin- und hergeschoben wird. Im Fokus stehen die Ohnmacht von Menschen mit komplexem Hilfebedarf, die Grenzen des Hilfesystems und gesellschaftliche Ursachen.
„A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“
Die Biografie des Mathematikers John Forbes Nash zeigt Leben mit schizophrener Psychose, Stigma und Bewältigungsstrategien. Die Gesprächsrunde beleuchtet Hürden im Alltag und den Umgang damit.
