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Flüchtlingsunterkunft auf dem Schwarzenberg: Was ist der Stand?

| Niels Kreller | Politik
Die Unterkunft auf dem Schwarzenberg soll bald in Betrieb gehen. | Foto: Niels Kreller
Die Unterkunft auf dem Schwarzenberg soll bald in Betrieb gehen. | Foto: Niels Kreller

Harburg. Wie geht es weiter mit der Unterkunft für Geflüchtete auf dem Schwarzenberg? Dazu hatten am Mittwochabend Fördern & Wohnen und das Harburger Bezirksamt zu einer Infoveranstaltung in die benachbarte Technische Universität Hamburg-Harburg eingeladen. Bis zu 512 Plätze in 19 Wohnblocks sollen in der Unterkunft auf dem Schwarzenbergplatz entstehen. Außer dem eigentlichen Wohnraum und Küchen wird es auch Sanitäreinrichtungen sowie Gemeinschaftsräume geben. Darüber hinaus entsteht ein Verwaltungstrakt mit Büros und Beratungsräumen. Der Außenbereich soll attraktiv mit Spielflächen für die Kids und weiterer Aufenthaltsbereiche gestaltet werden.

Rund 100 Bürgerinnen und Bürger kamen am Mittwochabend zur Infoveranstaltung über die Unterkunft für Geflüchtete auf dem benachbarten Schwarzenberg in die TU. | Foto: Niels Kreller

Betrieben werden soll die Unterkunft vom Kreisverband Harburg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Der ist darin bewährt, hat er doch schon in den vergangenen Jahren mit den Unterkünften für die Geflüchteten aus Syrien und anderen Kriegsregionen viel Erfahrung sammeln können.

Für ein erstes Ausrufezeichen hatten die Studierenden der „Sofa-Gruppe“ schon gesorgt, bevor die Veranstaltung begann: Sie hatten Transparente aufgehängt, auf denen „Kein Mensch ist illegal“ und „Refugees Welcome“ zu lesen sowie das Symbol der Antifa zu sehen war. „Das ist ein Statement von uns“, sagte eine Studierende gegenüber besser-im-blick. Die Studierenden befürworteten die Unterkunft in der Nachbarschaft der Uni und begrüßten die Geflüchteten, hieß es weiter.

Dringender Bedarf an Unterkunftsplätzen

Die Ausgangslage, hieß es dann von Seiten der Stabsstelle Flüchtlinge und übergreifende Aufgaben, sei, dass sich bei den Erstregistrierungen durch den Krieg in der Ukraine die Zahlen im vergangenen Jahr vervielfacht hätten. Damit einhergehend überstiege der Bedarf an Unterkunftsplätzen die real vorhandenen Möglichkeiten. Rund 47.000 Menschen suchen derzeit in Hamburg Schutz in öffentlichen Unterkünften.

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Trotzdem sei es gelungen, dass kein Mensch unverschuldet obdachlos geworden sei. „Die Hilfsbereitschaft in dieser Stadt ist enorm.“ Dies sei auch durch die getroffenen Maßnahmen wie Ausbau von Kapazitäten in der gesamten Stadt und Verlängerung von Standorten und Aktivierung von Interimsstandorten (temporäre und schnell errichtete Standorte) gelungen.

Im kommenden Jahr, so der Ausblick, würden rund 10.000 neue Plätze benötigt. „Wir wissen nicht, wie der weitere Kriegsverlauf sein wird.“ Allerdings, so wurde betont, seien es nicht nur Flüchtlinge aus der Ukraine, die nach Deutschland kämen und Unterkunft bräuchten.

In gut zwei Monaten kommen die ersten Bewohner

Anfang April 2023 sollen die ersten Bewohner einziehen. Mindestens soll die Unterkunft drei Jahre bestehen, maximal fünf. Der Platz in den Einheiten der Unterkunft ist begrenzt - große Familien hätten hier keinen Platz, hieß es. Das sei der Lage geschuldet, dass man wohl nur Container zur Hand gehabt habe, die keine Unterbringung größerer Familien zuließen. Kleinere, wie Eltern mit einem Kind, sind aber wohl möglich.

Verpflegen sollen sich die Bewohner selbst. Möglich wird dies, da die Bewohner alle sozialhilfeberechtigt sind und somit Selbstversorger sein könnten. Deshalb wird es es auch gemeinschaftlich genutzte Küchen geben.

Es soll auch W-LAN geben. Bei der Vorgänger-Unterbringung hatten die Bewohner sich an bestimmten Punkten außerhalb gesammelt oder waren auch in die TUHH gekommen. Denn nur dort hatten sie wohl ein entsprechendes Netz, um sich mit Verwandten in Verbindung zu setzen.

Aus dem Publikum gab es die Frage nach der Sicherheit der Bewohner und Schutz vor „unerwünschten“ Besuchern. Es gebe einen Sicherheitsdienst, der 24 Stunden vor Ort sei. Wie es um die Spielmöglichkeiten auf dem Schwarzenbergplatz bestellt sei, wollte eine Besucherin wissen. Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen beruhigte: Natürlich falle ein Stück Fläche des Parks weg, aber die bestehenden Möglichkeiten seien nutzbar.

Infrastruktur im Stadtteil soll ausgebaut werden

Die Unterkunft stellt Anforderungen an die Infrastruktur im Stadtteil. „Wir werden vorhandene und gut etablierte Projekte ausbauen“, sagte Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen. So beispielsweise die Elternlotsen, den Kindertreff Heimfeld, den Mädchentreff Harburg, Projekte für Jugendliche der Straßensozialarbeit.

Außerdem soll die Migrationsberatung gestärkt und die Integrationskurse ausgebaut werden. In  Planung ist ein Lernhilfe-Projekt für Schülerinnen und Schüler. Für soziale Träger und Projekte freiwilligen Engagements gebe es Möglichkeiten, Fördermittel zu beantragen.

Kinder sollen in Kitas und Schulen im Umfeld kommen

Die Kinder sollen Kitas und Schulen im Umfeld besuchen und nicht in der Unterkunft separat beschult werden. Unwillen gab es bei vielen Besuchern darüber, dass die ukrainischen Kinder einen Anspruch auf sechs Stunden Kita-Gutschein täglich haben. Die sechs Stunden wurden mit dem erhöhten Sprachförderungsbedarf begründet. Andere Geflüchtete, so wurde kritisiert, hätten diesen Bedarf auch, aber bekämen nicht sechs Stunden zugestanden. Von einem Zwei-Klassen-System unter den Geflüchteten war gegenüber besser-im-blick aus dem Publikum die Rede.

Das sei eben so, war lapidar die Antwort vom Podium. Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen versprach dagegen aber, dass sie diese Frage mitnehmen und sich um eine Lösung bemühen würde.

Zusätzliche Belastung für Harburgs Gesundheitsversorgung?

Eine weitere Frage aus dem Publikum war die nach der Gesundheitsversorgung. Harburg, so der Tenor, sei ja schon „minderbemittelt“, was die Versorgung mit Ärzten angehe. Als sozialhilfeberechtigte sind die ukrainischen Geflüchteten in einer Krankenkasse und können ganz normal zum Arzt gehen.

Es gebe, so die Auskunft, die Möglichkeit von „Zweitpraxen“ in großen Unterkünften. Das werde aber von den Ärzten nicht groß genutzt. Eine andere Möglichkeit sei das Rendezvous-System, bei dem die Unterkünfte durch das DRK reihum angefahren würden. 

Die Unterkunft auf dem Schwarzenberg fiele in die Kategorie, die eine „Zweitpraxis“ bekommen könnte. Ob dies aber so kommen wird, sei noch nicht sicher, da man noch nicht abschätzen könne, ob dies hier aufgrund der gesundheitlichen Situation der Bewohner erforderlich sein wird. Insofern blieb diese für die Harburgerinnen und Harburger wichtige Frage leider unbeantwortet.

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