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Denkmal für Migranten: klare Kante gegen die AfD

| Andreas Göhring | Politik

Harburg. In Harburg soll ein Denkmal für Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter errichtet werden. Das hat die Bezirksversammlung nach einem Antrag der fraktionslosen SPD-Abgeordneten Benizar Gündoğdu mit großer Mehrheit beschlossen. Der Antrag zeigte sofort Wirkung: Als das parteilose Mitglied der AfD-Fraktion Andreas Ehlers bestritt, dass es ein Recht auf Migration gebe und dieses nur „herbei gebeugt“ werde, stieß er auf erheblichen Widerstand. Nur selten war man sich in der Bezirksversammlung so einig.

Gündoğdu hofft, dass ein Denkmal Anerkennung, Sichtbarkeit und Beteiligung für die Hälfte der Harburger Bevölkerung, nämlich der Migranten fördert: „Sie arbeiteten in Werften, Fabriken, Reinigungsbetrieben, in der Pflege und Gastronomie. Ihre Arbeit, oft unter schwierigen Bedingungen und fern der Heimat, ist eine tragende Säule des wirtschaftlichen Aufschwungs gewesen.“

Viele dieser Männer und Frauen hätten unter Diskriminierung, Heimweh und beengten Lebensverhältnissen gelitten. Dennoch sei es ihnen gelungen, sich ein neues Zuhause zu schaffen, Familien zu gründen, sich in Vereinen zu engagieren, Geschäfte zu eröffnen. Gündoğdu: „Kein Zweifel, dass sie mit ihrer Kultur den Bezirk prägen und für Vielfalt sorgen. Sie sind untrennbar mit der Identität der Stadt und des Bezirks verbunden.“

Mit dem Antrag wird das Bezirksamt beauftragt, für die Errichtung des Denkmals zu sorgen. Dazu soll es auch einen offenen künstlerischen Wettbewerb ausschreiben, der durch Beteiligungsformate wie Erzählcafés, Zeitzeugengespräche oder Schulprojekte begleitet wird.

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Okşan Karakuş übernahm für die SPD-Fraktion die heikle Aufgabe, einen inhaltlich zutiefst sozialdemokratischen Antrag nicht ohne weiteres durchgehen zu lassen, denn Benizar Gündoğdu ist eine von den fünf SPD-Abgeordneten, die nach internen, dennoch öffentlich ausgetragenen Streitereien aus der Fraktion ausgeschlossen worden waren. Karakuş zitierte zunächst Max Frisch („Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.“), unterstrich damit noch die Intention des Antrags, schlug dann aber vor, den Antrag zunächst „ohne Annahme“ zur weiteren Beratung in  den Kulturausschuss zu überweisen. Dort könne dann noch geklärt werden, wie das Denkmal finanziert werden könnte.

Dann meldete sich Andreas Ehlers zu Wort: „Die Gastarbeiter sollten sich für das monumentale Entgegenkommen der Deutschen bedanken. Wir bestreiten jedenfalls ein Recht auf Migration, vielmehr sollte die Leistung der Mehrheit in unserer Bevölkerung gewürdigt werden.“ Im Übrigen seien auch viele Hugenotten eingewandert, die hätten sich aber nie ein Denkmal bauen lassen.

Mit der Wirkung seiner Worte hatte Ehlers wohl kaum gerechnet. Die Stimmung im großen Saal des Harburger Rathauses änderte sich schlagartig. Während sie seit Monaten noch von Eifersüchteleien zwischen SPD-Fraktion und den fünf Ausgeschlossenen, von ständig wechselnden Mehrheiten und irritierenden Versuchen geprägt war, die Brandmauer zur AfD zu relativieren, war jetzt klar: Die AfD hat die Maske fallen lassen, die Mauer steht und möglicherweise sind auch ein paar Gräben wieder ein wenig zugeschüttet worden. SPD-Fraktionschef Frank Richter ging jedenfalls durch die Reihen nach hinten zu den fünf ausgeschlossenen Genossen, wechselte ein paar Worte mit Benizar Gündoğdu und verzichtete für seine Fraktion auf eine Überweisung in den Kulturausschuss. 

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