„Fußtruppen“ machen sich in der Harburger FDP breit
Harburg. Die Harburger FDP, die 17 Monate nach den Wahlen zur Bezirksversammlung völlig überraschend doch noch einen Fraktionsstatus ergattert hat, präsentiert sich zum Jahresende als parlamentarische Wundertüte. Sie hat jetzt eine Liste mit Personen angemeldet, die die Liberalen in den Fachaussschüssen vertreten sollen – darunter mehrere politische Wiedergänger, Ex-Mitglieder der SPD, die entweder in ihrer Partei gescheitert waren oder aber von den Wählern und Wählerinnen in den Ruhestand geschickt worden waren.
Der erstaunliche Wandel der FDP begann mit der Entscheidung des ehemaligen Genossen Arne Thomsen, das rote Parteibuch zurückzugeben, um dann bei den Liberalen eine Blitzkarriere zu machen. Innerhalb von wenigen Tagen wurde er Mitglied, Co-Fraktionschef und Fraktionsgeschäftsführer. Offenbar ließ er sich das Mandat, das er als Wahlkämpfer für die SPD errungen hatte, nun aber nicht abgeben wollte, teuer bezahlen. Sein Mandat war für die FDP Gold wert. Thomsen war sozusagen der „dritte Mann“, den die Partei brauchte, um doch noch den Fraktionsstatus und zugleich Zugang zu staatlichen Fördertöpfen für ein eigenes Fraktionsbüro und andere Annehmlichkeiten zu bekommen.
Ob es nun eine lange ausgetüftelte Strategie zur Wiederbelebung politisch Untoter war oder ob Thomsens Wechsel anderen Genossen nur Mut zu einem politisch heiklen Wechsel zu den Wirtschaftsliberalen gemacht hat, sei dahingestellt. Unter den Wiedergängern, die jetzt in den Ausschüssen ihre langjährige politische Erfahrung ausspielen wollen, gehört auch Torsten Fuß. Mehr als ein Jahrzehnt hatte er im SPD-Distrikt Harburg-Ost Genossen und Genossinnen um sich geschart, die ihm oft treu ergeben waren.
Kein Wunder, dass sie irgendwann unter dem nom de guere (deutsch: Kampfname) „Fußtruppen“ auftraten. Sie sorgten für Unruhe bei den Harburger Sozialdemokraten, konnten aber nie entscheidende Macht gewinnen. Torsten Fuß trat schließlich resigniert aus der SPD aus, warf ihr noch „rassistische Tendenzen“ vor die Füße und tauchte irgendwann bei einer Mai-Demonstration des „Bündnis Sarah Wagenknecht“ auf. Danach wurde es still um Fuß.
Neuer Vertreter der FDP ist auch der „wahre Sozialdemokrat“ (Eigenlob) Arend Wiese, bekannt als langjähriger Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt Hamburg-Harburg, weniger bekannt als Beisitzer im Vorstand des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold Hamburg, Bund aktiver Demokraten e.V. Wiese hatte mit Unterstützung der Fußtruppen 2014 den Aufstand geprobt und eine Kandidatur als SPD-Fraktionschef gegen den damaligen Amtsinhaber Jürgen Heimath angekündigt. Als ihm die Truppen aber in letzter Minute die Gefolgschaft kündigten, zog Wiese seine Kandidatur zurück und begnügte sich mit dem Posten des stellvertretenden Vorsitzenden. Danach spielte er keine große Rolle mehr, trat vor einigen Tagen aus der SPD aus.
Mit dabei ist auch die ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete Birte Gutzki-Heitmann, sie war auch im SPD-Distrikt Harburg-Ost organisiert und war nach ihrem Ausscheiden aus der Bürgerschaft Vorsitzende der Harburger Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen.
Schließlich taucht auch Sami Musa wieder auf. Er vertritt die FDP zusammen mit Arend Wiese im Ausschuss für Haushalt, Wirtschaft und Wissenschaft. Musa ist den Weg von der SPD zur FDP schon Jahre zuvor gegangen. Er war 2020 über die Landesliste der Hamburger SPD in die Bürgerschaft eingezogen. Im September 2021 trat er aus der SPD aus und verließ die SPD-Bürgerschaftsfraktion. Im Januar 2022 wurde er FDP-Mitglied, wurde 2025 aber nicht wiedergewählt.
