Binnenhafen: CDU will öffentlichen Park statt Hotelturm
Harburg. Das Filetstück des Harburger Binnenhafens am Veritaskai ist wieder auf dem Markt. Seit 2014 hatten die Hotelpläne des Projektentwicklers Frank Lorenz jede andere Nutzung des attraktiven Grundstücks am Lotsekanal blockiert, nun will der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) das 5.974 Quadratmeter große Areal wieder anbieten – entweder in Erbpacht oder zum Kauf. Völlig überraschend ist jetzt aber die CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung vorgeprescht. Sie schlägt vor, die Fläche zur Aufwertung des Quartiers für einen öffentlichen Park zu nutzen.
Rückblick: Als Mitte der 90er-Jahre der damalige Bezirksamtsleiter Jobst Fiedler in einem Restaurant am Harburger Rathaus zusammen mit Investor Arne Weber auf der Papertischdecke ein neues attraktives Wohnquartier im Binnenhafen skizzierte, erkannten sie schnell, was diese Vision störte: der Schrottplatz der Firma Kaus & Steinhausen (K&S), der nach der Wiedervereinigung mit der „Abwicklung“ der DDR-Industrie reichlich zu tun hatte.
Tatsächlich sah das auch der Hamburger Senat, 1998 kaufte er K&S das Grundstück für umgerechnet drei Millionen Euro ab, nahm weitere Millionen in die Hand und finanzierte die Verlagerung des Betriebs nach Wilhelmsburg. Die Idee: Um diese Kosten zu refinanzieren, sollte im Bebauungsplan Harburg 67/Heimfeld 46 für die Flurstücke 5291, 5292, 5311, 5502 der Bau eines Hochhauses mit 16 Stockwerken gestattet sein, mit einer Bedingung: Dieser Neubau sollte den bestehenden Channel Tower wegen dessen Signalwirkung als Landmarke für den Binnenhafen nicht überragen.
So schnell fand sich aber kein Investor, bis Gastronom Heiko Hornbacher die Chance ergriff, das Grundstück befristet mietete und den legendären Veritas Beachclub eröffnete. Nach knapp zehn Jahren glaubte Projektentwickler Frank Lorenz dann aber, einen Investor für ein Hotel gefunden zu haben. Er ließ das Areal räumen. Zum Ärger der „Veritas-Gemeinde“. Sie startete ein erfolgreiches Bürgerbegehren mit der Forderung, das Grundstück weiterhin für einen Beachclub zu nutzen. Das gefiel aber dem damaligen Hamburger Finanzsenator Peter Tschentscher überhaupt nicht und er wies den Bezirk an, die Umsetzung des Bebauungsplans samt Hochhaus voranzutreiben.
Immer wieder wies der Senat auf die Kosten für die Verlagerung des Schrottplatzes samt Kampfmittelsondierung und Sanierung des ehemaligen Tankstellen-Geländes hin. Die CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Birgit Stöver und André Trepoll wollten es genau wissen und fragten den Senat dezidiert nach den Kosten. Die Antwort haute manchen um: „Die Kosten sind aus den vorhandenen Unterlagen nicht mehr zu ermitteln.“
Stöver und Trepoll entwickelten darauf die These, dass die Kosten allein durch den Verkauf von drei Liegenschaftsgrundstücken gedeckt wären, die ohne den Schrottplatz in der Nachbarschaft erheblich an Wert gewonnen hätten. Diese These konnten die beiden Abgeordneten aber nicht erhärten, denn sie bekamen zu lesen: „Im Übrigen sieht der Senat zur Wahrung seiner Verhandlungsposition und der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse seiner Vertragspartner in ständiger Praxis grundsätzlich davon ab, zu Kaufpreisen von Immobilien Stellung zu beziehen.“
Das alles ist rund zehn Jahr her. Und heute gibt es weder einen Beachclub noch das Hotel auf dem Filetstück des Binnenhafens. Projektentwickler Lorenz hat nach Corona, Konjunkturschwäche und veränderten Strategien der Hotelketten das Handtuch geschmissen. Der Beachclub-Ersatz am Treidelweg wird wohl nach erschreckenden Fehlplanungen nie mehr zum Chillen einladen. Längst heißt das Motto „Go West!“: In einigen Wochen eröffnet das Café Oktober (bisher am Schlossmühlendamm) im neuen Hotel der Brüder Mönke, zugleich erweitert die Fischhalle ihr Angebot und öffnet jetzt außer montags jeden Tag.
Und nun kommt Lars Frommann von der CDU und sagt: „Aufgrund ihrer Lage direkt am Wasser kann die Fläche einen wichtigen Beitrag zur Aufwertung des gesamten Quartiers und zur Aufenthaltsqualität im Binnenhafen leisten.“ Die besondere Lage am Hafenbecken biete Potenzial für eine öffentlich zugängliche Nutzung. Denkbar seien beispielsweise eine parkähnliche Gestaltung mit Aufenthalts- und Ruhezonen, eine Uferpromenade, Bootsanleger oder Freizeit- und Begegnungsflächen. Über diesen Antrag wird die Bezirksversammlung am 31. März entscheiden.

