12 neue Stolpersteine in Harburg: Gedenken an NS-Opfer der „Euthanasie“ und polizeilicher Gewalt
Harburg. Am 15. August werden in Harburg zwölf neue Stolpersteine verlegt. Davon erinnern elf Steine an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus Opfer der Morde an kranken und behinderten Menschen wurden.
Mit der Verlegung setzt die „Initiative Gedenken in Harburg“ ein Zeichen gegen das Vergessen und macht die Schicksale der Betroffenen wieder sichtbar – dort, wo sie einst lebten. Die Stolpersteine wurden von dem Künstler Gunter Demnig nach den biografischen Daten gefertigt, die Mitglieder der „Initiative Gedenken in Harburg“ ermittelt haben.
Elf Schicksale der NS-„Euthanasie“
Die elf Stolpersteine erinnern an Menschen, die aus ihrem vertrauten Lebensumfeld gerissen, in sogenannte Heil- und Pflegeanstalten eingewiesen und schließlich ermordet wurden. Hinter jedem Stein steckt eine persönliche Geschichte mit einem Leben, das durch die menschenverachtende Ideologie des NS-Regimes gewaltsam beendet wurde.
Richard Salomon: Opfer brutaler Polizeigewalt
Der 12. Stolperstein erinnert an ein Opfer brutaler polizeilicher Gewalt, an Richard Salomon, der am 13. Juni 1935 verstorben ist, zwei Tage nach seiner Entlassung aus dem Untersuchungsgefängnis Holstenglacis in Hamburg.
Größtes dezentrales Mahnmal der Welt
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig gelten inzwischen als das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Allein in Harburg werden es nach abgeschlossener Verlegung 260 Stolpersteine sein. Sie erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet und ermordet wurden.
Neben jüdischen Bürgerinnen und Bürgern, politisch Verfolgten, Sinti und Roma oder Homosexuellen wird auch der Opfer der sogenannten „Euthanasie“ gedacht – eines systematischen Mordprogramms, dem mehr als 200.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen, geistigen Behinderungen oder anderen Beeinträchtigungen zum Opfer fielen. Die Nationalsozialisten bezeichneten ihre Verbrechen zynisch als „Euthanasie“, tatsächlich handelte es sich um planmäßig organisierte Morde.
Die Verlegung am 15. August 2026 wird gegen 10 Uhr vor dem Haus Schloßmühlendamm 32 mit dem Stolperstein für Richard Salomon beginnen, für den der Integrationsrat Harburg die Patenschaft übernommen hat.
