Traditionelles Grünkohlessen des Handwerks: Herausforderungen bleiben
Harburg. Die Themen, die Harburgs Handwerksmeister umtreiben, sind fast die gleichen wie ein Jahr zuvor. Das stellte Bezirkshandwerksmeister René Rückert auf dem traditionellen Grünkohlessen des Harburger Handwerks am Mittwoch im Elbcampus fest.
Nach wie vor gebe es Unruhe in der Regierung, der dringend notwendige Bürokratieabbau schreite nicht voran und handfeste Lösungen, um den Personal- und Nachwuchsmangel zu bewältigen, sähen die Handwerker nicht. „Oder kurz gesagt: Die politischen Herausforderungen von gestern sind auch heute noch unsere Themen von morgen.“
Das Handwerk aber habe, so Rückert, in einem von erheblichen Herausforderungen geprägten Jahr, seine Flexibilität, Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit bewiesen. „Nachhaltigkeit und Digitalisierung bleiben Schlüsselthemen, mit denen sich viele Handwerksunternehmen zukunftsfähig aufstellen.“
Im kommenden Jahr werde man mit dem neuen Bezirksamtsleiter Christian Carstensen einen Termin mit und für das Harburger Handwerk durchführen.
Zukunftsentscheid bewegt das Handwerk
Dann kam Rückert zu dem aktuellen Thema, das die Stadt bewegt: dem Zukunftsentscheid. Es sei das Handwerk, so Rückert, das den Weg zur Klimaneutralität überhaupt erst möglich mache.
Die Initiative Zukunftsentscheid brächte zwar gute Absichten mit sich, doch gut gemeint sei nicht immer gut gemacht. „Einige Maßnahmen, wie ein festgeschriebener linearer CO₂-Reduktionspfad oder kurzfristige Sofortprogramme außerhalb der parlamentarischen Kontrolle, passen nicht zur betrieblichen Realität.“ Sie würden Verunsicherung erzeugen und wirtschaftlichen Schaden anrichten. „Aber wie so oft: Wir Handwerker werden uns kurz darüber aufregen und dann nach pragmatischen Lösungen suchen - um hoffentlich auch welche zu finden.“
Im Anschluss sprach der diesjährige Gastredner Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei Donner & Reuschel, zur aktuellen Großwetterlage – oder: „Nichts geht ohne den Trump Faktor“. Denn spätestens seit dessen Wiederwahl zum US-Präsidenten müsse man darüber sprechen, wo er überall eine Rolle spiele. „Zölle und Beschränkungen haben Einzug gehalten und sind Gift für die Konjunktur“, kritisierte Mumm das Wirtschaftsgebaren des US-Präsidenten. Für den gelte das Recht des Stärkeren. wer nicht spure, bekäme Zölle, verdeutlichet er am Beispiel Brasilien und dessen Umgang mit Ex-Präsident Bolsonaro sowie der Reaktion Trumps.
Immerhin erwarte man im kommenden Jahr ein Konjunktur-Wachstum von einem Prozent.
Im Anschluss ließen es sich die Handwerker und ihre Gäste aus Politik und Wirtschaft beim Grünkohl schmecken und tauschten sich über das Gehörte aus.
