Die Zukunft im Blick beim Seevetaler Neujahrsempfang
Seevetal-Hittfeld. Rund 200 Gäste, vornehmlich aus der Seevetaler Wirtschaft, hatten sich am Montagabend in der Burg Seevetal in Hittfeld zusammengefunden, um sich beim Neujahrsempfang der Seevetaler Wirtschaftsvereine und der Gemeinde über das vergangene Jahr und die Herausforderungen des neuen auszutauschen. Das Motto des Abends: „Die Zukunft fest im Blick!“
Durch den Abend führte das Stand-Comedy-Trio „Seevetaler Kante“, das die Gäste, basierend auf den zugerufenen Begriffen, mit Impro-Theater und -Liedern erfreute.
Bürgermeisterin Weede: Leben in herausfordernden Zeiten!

„Wir leben in herausfordernden Zeiten“, eröffnete Seevetals Bürgermeisterin Emily Weede ihre Rede. Überall werde über die schlechte wirtschaftliche Lage und zu viel Bürokratie geklagt. Die Schere zwischen Arm und Reich werde immer größer. „Kurz gesagt: Früher war mehr Lametta!“
Allerdings: Die Arbeitsplätze in Seevetal seien stabil bei über 13.500 sozialversicherungspflichtigen Angestellten. „Unsere Gewerbesteuereinnahmen liegen auf einem absoluten Rekordniveau“, verkündete Weede. 37,5 Millionen Euro seien es im vergangenen Jahr gewesen und ebenso läge die Einkommensteuer auch auf Rekordniveau. „Die Wirtschaft, also die Anwesenden hier, bleiben unser starkes Rückgrat für eine gemeindliche Entwicklung und dafür möchte ich mich hier ganz herzlich bedanken“, richtete sich Weede an die Seevetaler Unternehmer.
Trotzdem: Die Haushaltslage sei angespannt. „Und daher ist es umso wichtiger, dass wir eine starke Wirtschaft haben und auch in sie vertrauen können.“ Es sei in der Verwaltung sehr bewusst, dass die Anforderungen an die Betriebe in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen seien. „Aus diesem Grund haben wir uns in den vergangenen Jahren sehr bewusst dafür entschieden, weder die Grundsteuer noch die Gewerbesteuer zu erhöhen.“
Fehlende Gewerbeflächen sind ein großes Problem
Ein großes Problem seien fehlende Gewerbeflächen in der Gemeinde. „Unsere Firmen finden hier kaum noch geeignete Flächen für Entwicklung. Dabei haben wir viel Fläche, die für Gewerbeentwicklung geeignet wären.“ Da stehe man mit dem Landkreis und dem Land in gutem Kontakt.
Aber nicht nur die Unternehmen, alle Bürger müssten im Blick sein. „Keiner unserer Mitbürger soll abgehängt werden“, so Weede. Vereinsamung sei längst nicht mehr nur ein Thema der älteren Generation. „Ein aktuelles Beispiel, wie die Gemeinde in diesem Bereich aktiv ist, ist der Bürgerbus. Hier werden Senioren, mobilitätseingeschränkte Bürger und Bürger mit schmalem Geldbeutel von Haustür zu Haustür gefahren.“
Der Gedanke der Gemeinsamkeit und des Engagements, auch außerhalb des Berufs, müsse wieder mehr in den Vordergrund gestellt werden. „Wir bringen unsere Gemeinde und unser Land nicht nach vorne, wenn wir immer auf andere zeigen und lamentieren, dass früher alles besser war.“
„Gemeinsam können wir viele Dinge gestalten und zum besseren für uns allen einen, wenn wir es nur mit Energie und einer gesunden Portion Durchsetzungsvermögen angehen“, schloss Weede ihre Rede. Nur durch Kaffeetrinken habe noch nie etwas verbessert. „In diesem Sinne: Lassen Sie uns gemeinsam das Jahr 2026 positiv und mit viel Energie gemeinsam gestalten.“
Landrat: Landkreis steht gut da

Im Anschluss sprach der Landrat des Landkreises, Rainer Rempe. Auch er betonte die Bedeutung der lokalen und regionalen Unternehmen für die Gemeinde Seevetal und den Landkreis. Er wolle sich „auf die positiven Dinge konzentrieren und für 2026 trotz aller Herausforderungen auf Zuversicht auf Tatkraft und auch auf Optimismus setzen.“ Und dafür gebe es auch gute Gründe, „wenn ich sehe, was wir hier bei uns im Landkreis Harburg gemeinsam bewegen und auch voranbringen, wie wir Dinge zum Positiven verändern können und auch sichtbare Erfolge dabei erzielen".
So zeige sich an ganz vielen Stellen, welch positiven Einfluss ein breites ehrenamtliches Engagement, ein starker innovativer Mittelstand und eine aktive und zukunftsgerichtete Wirtschaftsförderung durch Landkreis und Kommunen hätten. „Wir verzeichnen, anders als viele andere Landkreise, nach wie vor steigende Bevölkerungszahlen und blicken trotz schwieriger Rahmenbedingungen auf eine robuste Wirtschaft.“
Neue Gewerbeflächen sind auch für Rempe eine wichtige Sache für eine positive Entwicklung der Wirtschaft im Landkreis. Ebenso die Gewinnung neuer internationaler Arbeitskräfte. „Wir sind alle gemeinsam aufgerufen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die unseren Bestandsunternehmen Entwicklungsperspektiven ermöglichen und gleichzeitig ein attraktives Umfeld für Neuansiedlungen schaffen.“ Er freue sich, wie viele junge Unternehmer diesen Schritt im Landkreis getan hätten.
Rempe ging auch auf die Diskussion um die Privatisierung oder auch nicht der kommunalen Krankenhäuser ein. Da gab es Medienschelte: Er ärgere sich über die Berichterstattung der letzten Tage und Wochen. "Ich habe, glaube, ich keine Gelegenheit ausgelassen, egal wo es war, um deutlich zu machen: Wir stehen zu unseren Krankenhäusern im kommunaler Trägerschaft." Das sei kein Thema gewesen. "Egal wo, schadet es maximal, dieses Thema ohne Grund in die Öffentlichkeit zu tragen. Das verunsichert insbesondere die Mitarbeitenden, aber auch Bürgerinnen und Bürger, völlig ohne Grund. Das musste an dieser Stelle noch mal raus."
Ehrennadel für Horst Dörner

Als gutes Beispiel für Innovation führte Rempe das Unternehmen Otto Dörner an, das „mit der Bauschutt Waschanlage Orca quasi ein Quantensprung beim Recycling von Bauschutt macht.“ Das Projekt sei ein ganz tolles Aushängeschild für die Gemeinde Seevetal.
Damit leitet Rainer Rempe schon fast über zu einem Höhepunkt des Abends: Horst Dörner, 96 Jahre alt und immer noch rüstig und Chef von Otto Dörner, wurde die Ehrennadel der Gemeinde Seevetal verliehen - die höchste Ehrung, die die Gemeinde an jemanden vergeben kann, der nicht in Seevetal lebt. Er ist, wie Emily Weede herausstellte, der erste Unternehmer, dem diese Ehre zu teil wird. Als Grund nannte sie nicht in erster Linie die wirtschaftliche Bedeutung des Unternehmens. Stattdessen hob sie hervor, dass Horst Dörner bei unternehmerischen Entscheidungen auch immer die Menschen in der Gemeinde im Blick habe – beispielsweise, wenn er extra Straßen bauen würde, damit die Kieslaster nicht durch die Orte fahren müssen.
Anschließend gab es bei einem reichhaltigen Buffet, das von Burg-Caterer Matthias Hilk aus regionalen Produkten zubereitet worden war, die Möglichkeit, sich auszutauschen. Unterstützt wurde der Abend von der Sparkasse Harburg-Buxtehude.
