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Neustart: Wie geht es dem Einzelhandel nach der Wiedereröffnung?

| Niels Kreller | Wirtschaft
Jennifer Umbach und Heiko Christ von Der Küchenplaner fehlte während des Lockdowns der direkte Kundenkontakt. | Foto: Niels Kreller
Jennifer Umbach und Heiko Christ von Der Küchenplaner fehlte während des Lockdowns der direkte Kundenkontakt. | Foto: Niels Kreller

Harburg/Neugraben/Wilhelmsburg. Die Geschäfte haben nach der Corona-Pandemie-bedingten Schließung seit gut zwei Wochen wieder auf. Auch für den Einzelhandel gelten wie bei allen anderen strenge Hygieneregeln, damit eine zweite Welle des Virus ausbleibt. All das sind für den Einzelhandel vollkommen neue Erfahrungen. Wie sind die Unternehmer während des Lockdowns zurechtgekommen und wie war der Neustart nach der Lockerung?

Ford Store Tobaben
„Zum Glück gibt es jetzt wieder Probefahrten bei uns“, freut sich Jochen Busse vom Ford Store Tobaben aus der Buxtehuder Straße in Harburg2020 05 28 handel1. „Wir sind voll da.“ Ein Vorteil der Automobilhändler sei es, dass die Hygienemaßnahmen hier besser funktionieren würden als in manch anderen Unternehmen, da mehr Platz vorhanden seien. „Wir haben die Wartezonen auseinandergestellt, der Spuckschutz ist gut organisiert“, so Busse. Der Gebrauchtwagenverkauf finde sowieso meist draußen statt und sei barrierefrei. „Der Gebrauchtwagenverkauft und die Werkstatt laufen gut“, so Busse. Allerdings seien die Unfälle zurückgegangen. „Woran es liegt, ob es keine Unfälle gibt oder weniger Gutachter wegen Corona im Einsatz – wer weiß“, so Busse.

Alkon PC
„Zu Anfang haben wir den Einbruch gespürt“, sagt Arthur Hanert von Alkon PC über dem Harburger Sand. Aber mit den Businesskunden, denen Alkon PC immer zur Verfügung in Betreuung und Vertrieb stand, lief es dann. Besonders auch im Bereich des Home Office. „Da hatten wir viel mehr zu tun“, so Hanert. Allerdings habe es dann irgendwann Lieferschwierigkeiten bei PC-Kameras 2020 05 28 handel2und Headsets gegeben. „Aber so haben wir die Lücke meistern können.“ Seit der Öffnung kommen auch die Privatkunden wieder. „Das freut uns sehr“, so Hanert.

Handy Welt
Der Neustart sei sehr schwierig. Die Kunden würden sich nicht trauen und hätten Angst, Geld auszugeben, berichtet Mustafa Colak von Handy Welt aus dem Schloßmühlendamm in Harburg. „Ehrlich gesagt hat jeder Angst vor seiner Zukunft und was passiert, wenn die zweite Welle kommt“, so Colak. Es würde in Medien viel erzählt über die Wirtschaftskrise und dass die Folgen erst Ende des Jahres kämen. „Es wird in erster Linie gekauft, was wirklich nötig ist.“ Wenn es so wie jetzt weiter gehe, befürchtet Colak, wird es bald keinen Einzelhandel mehr geben. „Ich denke wir haben über die Jahre unseren Job richtig gemacht haben versucht, den besten Service für unseren Kunden zu geben. Jetzt ist die Zeit da, den Einzelhandel zu unterstützen.“

Der Küchenplaner
„Es war eine undankbare Zeit“, so Heiko Christ von Der Küchenplaner in der Cuxhavener Straße in Neugraben. „Wir haben versucht alles online zu machen, aber das hat viel mehr Zeit gekostet als sonst. Ich bin jemand, der das face-to-face braucht.“ Das größte Problem sei für ihn gewesen, dass die Hersteller im Lockdown waren und die Produktion dicht gemacht hätten. „Wir konnten nichts ausliefern - aber die Nachfrage bei uns war ja da“, so Christ. Die verkauften Küchen könnten erst ab Mitte Juni können ausgeliefert werden. „In der Zeit habe ich natürlich Existenzängste gehabt – man weiß ja nicht, wie es weitergeht. Heute sehe ich das etwas lockerer.“

Velo54
Die Fahrradbranche hatte es besser getroffen als viele andere Branchen, berichtet Tim Fandre von Velo54 aus der Veringstraße in Wilhelmsburg. „Dadurch, dass in letzter Zeit viele Menschen zu Hause waren, haben sich auch viele Fahrräder gekauft, gerade auch Kinderfahrräder“, so Fandre. Da das Wetter trocken und Eltern und Kinder zu Hause gewesen sind und nicht wegkonten, hätten viele Radfahren als Freizeitmöglichkeit vor Ort entdeckt. „Vielleicht haben viele Menschen auch zum ersten Mal Hamburg erkundet und positive Erfahrungen damit gemacht. Es waren vielfach keine Frust- sondern Lustkäufe“, so Fandre weiter. Da sei eher das Problem, dass die Lieferanten nicht hinterherkommen seien, von denen auch viele in Fernost säßen. Die Werkstatt durfte weiterlaufen und Verkauf, Auslieferung und Bezahlung wurde den Beschränkungen konform und kontaktlos organisiert. „Es ging viel über Mail und Telefon, das hat sich mindestens verdoppelt, wenn nicht verdreifacht.“

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