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Meine Meinung: Wer die Kultur im Stich lässt, öffnet der Diktatur die Tür

| Niels Kreller | Feuilleton
Da braucht man nicht drauf zu hoffen: Die Kultur wird nicht von einem Superhelden a la "Kulturman" gerettet.  Foto: KI
Da braucht man nicht drauf zu hoffen: Die Kultur wird nicht von einem Superhelden a la "Kulturman" gerettet. Foto: KI
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Kommentar. Kultur, die sich nicht verwerten lässt, die nicht genug Umsatz dreht, um sich zumindest selbst zu finanzieren – die soll es in Harburg in Zukunft nicht mehr geben. Kulturschaffende, Kultureinrichtungen und -institutionen, die es nicht schaffen, genug zahlende Gäste anzulocken, genug Werke gewinnbringend zu verkaufen oder Mäzene zu organisieren, werden aus dem Harburger Stadtbild verschwinden. So und nicht anders lassen sich die Folgen des Briefes aus der Bezirksversammlung an die Kultureinrichtungen des Bezirks zusammenfassen.

Nur noch Anschubfinanzierung bedeutet für die Kulturschaffenden, dass sie sich nach ein, zwei, vielleicht drei Jahren selbst tragen müssen. Es muss also Geld in die Kasse kommen. Was bringt Geld in die Kasse? Das, was vielen Menschen oder wenigen, die aber über ein gut ausgestattetes Bankkonto verfügen, gefällt.

Das Resultat: Kultur über einen längeren Zeitraum wird nur noch das sein, was sich verkaufen lässt, was Mainstream ist. Anstelle von künstlerischem Schaffen, das sich kritisch mit der sozialen Lage, der Umwelt, den Menschen- und Bürgerrechten auseinandersetzt, gibt es Disney, Reality TV, Doku Soaps und Serien auf Amazon und Netflix, die nach zwei Staffeln abgesetzt werden, weil sie nicht genug abwerfen (außer man will sich beim kleinen, orangefarbenen Diktator einschleimen).

Die Frage nach der eigenständigen Finanzierbarkeit von Kultur ist der Tod kritischer Kultur. Denn Kultur, die sich im Widerspruch zu ihrer Zeit befindet, die nicht Mainstream ist, ist grundsätzlich defizitär. Ohne sie, ohne Kultur, die ihrer Zeit voraus ist, säßen aber auch die Abgeordneten in den Parlamenten immer noch auf Bäumen und würden sich mittels Grunzlauten verständigen.

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Willkommen auf dem Weg ins Amerika des Donald Trump. Nicht mit staatlicher physischer Gewaltanwendung um kritische Kultur zu unterdrücken. Hier werden, viel subversiver, einfach die Mechanismen der Marktwirtschaft angewendet, wo nicht existieren kann, was sich nicht verwerten lässt. Der geistige und moralische Verfall einer Gesellschaft, ihrer menschlichen Werte, folgt diesem Prozess direkt auf dem Fuße, wie sich aktuell in der Welt anschauen lässt.

Anstatt diesen Weg zu gehen, der die Türen für die Feinde der Demokratie wieder ein Stück weiter öffnet, sollten die Harburger Bezirkspolitiker endlich einmal den, man verzeihe den Ausdruck, „Arsch in der Hose haben“, sich mit dem Senat anzulegen und für eine auskömmliche öffentliche Finanzierung von Kultur einsetzen. Auch wenn es im Falle der SPD „unser Senat“ ist, wie die Sozialdemokraten gerne zu sagen pflegen.

Denn es geht, mit Blick auf die USA, Russland und auch Ungarn, auch im kleinen Harburg, um nichts mehr und nichts weniger als den Erhalt von Demokratie, Humanismus, deren wichtige Standbeine Kultur und Bildung sind. Die Keimzelle nicht nur der Diktatur, sondern auch der Menschlichkeit und Zivilisation, liegt vor Ort bei den Menschen.

Es ist, wie Andreas Göhring schrieb, ein Kulturkampf.

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