Heimfelder Holz: Stadt kauft 43 Hektar Natur – und ein paar Konflikte
Harburg. Die Stadt Hamburg hat rund 43 Hektar des Heimfelders Holzes mit knapp 15.000 Bäumen einem Privateigentümer aus Dinkelsbühl abgekauft. Jetzt ist das gesamte 88 Hektar große Naturschutzgebiet zwischen der Heimfelder Straße, B73 und der A7 in städtischer Hand. Dem Verkauf waren Jahre zäher Verhandlungen vorausgegangen, nachdem die Stadt den Privatforst und den benachbarten Staatsforst im Dezember 2019 quasi über Nacht unter Naturschutz gestellt, „forstwirtschaftliche Verwertungen“ untersagt und Gutachten zu Flora und Fauna später nachgereicht hatte. Der private Eigentümer wurde von der Nachricht völlig überrascht und sprach in der ersten Reaktion von „Enteignung“.
Die ImmoForst OG aus Dinkelsbühl hatte Ende 2012 rund 47 Hektar von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) gekauft. Der Forst war zuvor der Stadt Hamburg angeboten worden, die hatte aber kein Interesse. Im Verkaufsprospekt der BImA war ein jährlicher Hiebsatz von 2,6 Erntefestmetern pro Hektar angesetzt worden, mit anderen Worten: Der Forst konnte wirtschaftlich genutzt werden. Darauf hatte die ImmoForst zunächst aber verzichtet, sie setzte vielmehr auf eine Freizeitnutzung mit behindertengerechten Kletterpark und einer Seilbahn. Als dies mit dem Hinweis auf Arten- und Landschaftsschutz nicht genehmigt wurde, kündigte der Eigentümer die ihm bei Ankauf vertraglich zugesicherte forstwirtschaftliche Nutzung an und begann im Bereich der Buskehre am Ende der Heimfelder Straße mit dem Fällen alter Bäume.
Heinrich Schabert von der ImmoForst OHG: „Wir wollten rund 600 der insgesamt 15.000 Bäume fällen. Damit sollte auch die Verjüngung des Waldes sichergestellt werden.“ Doch es gab Proteste, plötzlich war von Kahlschlag die Rede und Umweltsenator Jens Kerstan schritt zur Tat. In der Senatssitzung vom 17. Dezember 2019 überzeugte er seine Kollegen, die Entscheidung wurde aber zunächst vertraulich behandelt. Man wollte erst die Veröffentlichung im Amtlichen Anzeiger nach Weihnachten abwarten und so verhindern, dass Schabert tatsächlich Kahlschlag macht.

Mehr als sechs Jahre später jubelt Umweltsenatorin Katharina Fegebank: „Wir setzen ein schönes Zeichen für den Naturschutz und die Lebensqualität in unserer Stadt und sichern nicht nur einen einzigartigen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen, sondern erhalten auch einen wichtigen Erholungsort.“ Auf ihre Behörde wartet jetzt noch eine Menge Arbeit. Hat sie sich bisher eher auf das Aufstellen von ein paar Schildern beschränkt, müssen noch einige Konflikte entschärft werden. So bringt die unmittelbare Nähe des Naturschutzgebiets zu den Wohngebieten durchaus erhöhten Druck durch Nutzungen, die den Naturschutz gefährden können – zum Beispiel durch immer wieder errichtete Parcours für Mountainbiker oder durch Hunde, die innerhalb des weiterhin ausgewiesenen, aber nicht eingezäunten Hundeauslaufs sich der Kontrolle entziehen und in benachbarten Revieren auf Jagd gehen. Geklärt werden müsste auch der Erhalt der Straße Kuhtrift, die die einzige Verbindung zu einer kleinen Waldsiedlung westlich der A7 ist oder wie die illegale Müllablagerung gestoppt werden kann – immerhin handelt es sich nicht nur um ein Naturschutz-, sondern auch um ein Trinkwasserschutzgebiet.
Nach Informationen von besser-im-blick will die Stadt auch das markante Gebäude Kuhtrift Nr. 7 nach Auslaufen des Mietvertrags abreißen. Es ist zwar in den 1930er-Jahren entstanden und wurde als Privathaus für den Kommandeur der benachbarten Scharnhorst-Kaserne (heute ein Wohngebiet) genutzt. Nach dem Krieg wurde es aber friedlich privat genutzt und taucht immer wieder in den Kindheitserinnerungen von Harburgerinnen und Harburgern auf. Im Garten des Hauses am Waldrand wurde zum Beispiel ein weißes Pony gehalten, für Kinder eine große Attraktion.
