Zum Tode von Horst Krämer – ein persönlicher Nachruf auf einen anständigen Genossen
Horst Krämer und ich – das war immer ein spannendes Auf und Ab. Er in der SPD, als IG BCE-Gewerkschafter und Vorsitzender des DGB Harburg auf dem konservativen Flügel in Harburg, ich, anfänglich als Juso und später einfaches Parteimitglied, auf dem linken. Den gesamtgesellschaftlichen Bogen, den wir Jusos auf den Kreisdelegiertenversammlungen in Harburg und auch auf dem Landesparteitag, auf denen beiden Horst im Präsidium saß, in unseren Beiträgen aufmachten, hielt er für unangebracht – und unterbrach mich öfter mal auch vor dem Ende meiner Redezeit. Fünf Minuten können sich eben ganz anders anfühlen, je nachdem ob man mit dem Redner übereinstimmt oder nicht. Sogar das Mikro drehte mir Horst auf einer Kreisversammlung einmal ab. Zum Glück habe ich eine laute Stimme und ein kleines bisschen Theaterstimmausbildung, so dass ich den Saal auch so beschallen konnte.
Und trotzdem: In vielem unterschiedlicher Auffassung schritten wir doch oft auch Seit an Seit. Den Nazis keinen Fußbreit – da konnte man sich auf Horst verlassen. Auch, wenn es um Arbeitnehmerrechte ging, die es zu verteidigen galt. Und wenn eine Maßnahme zu Lasten der finanziell Schwächeren gehen sollte, dann konnte Horst fuchsteufelswild werden. Da wurde dann auch mal auf die Partei geschimpft. Zwischen uns gab es – mit der Zeit mehr und mehr – sowohl durch Gemeinsamkeiten aber auch durch den auf Augenhöhe geführten politischen Streit Respekt für den anderen.
Mit Horst Krämer, der auch lange Jahre Vorsitzender der Bezirksversammlung war und sich auch in dieser Funktion viel Ansehen erarbeitet hat, hat die Sozialdemokratie einen geschätzten und kämpferischen Streiter für bessere Verhältnisse und, was in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich ist, einen anständigen Menschen und Genossen verloren. Er ist am Dienstag im Alter 77 Jahren gestorben. Ich werde Dich vermissen, Genosse!