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Erinnert Euch: Gedenken an die Reichspogromnacht in Harburg

| Niels Kreller | Politik
Vor dem wiederaufgebauten Portal der zerstörten Harburger Synagoge an der Ecke Eißendorfer Straße/Knoopstraße legten die Teilnehmer Kränze nieder. | Foto: Niels Kreller
Vor dem wiederaufgebauten Portal der zerstörten Harburger Synagoge an der Ecke Eißendorfer Straße/Knoopstraße legten die Teilnehmer Kränze nieder. | Foto: Niels Kreller

Harburg. Gedenken an die Gräueltaten der Nazis an Jüdinnen und Juden in einer Zeit des Krieges in Europa. Aber auch in einer Zeit, in der Antisemitismus und Relativierung der Naziverbrechen wieder um sich greifen. Deshalb fordert auch Jürgen Heimath (SPD), Vorsitzender der Bezirksversammlung, vor dem wiederaufgebauten Portal der von den Nazis zerstörten Harburger Synagoge an der Ecke Eißendorfer Straße/Knoopstraße: "Wir müssen der Verleugnung und Verdrängung etwas entgegensetzen uDer Bezirksversammlungsvorsitzende Jürgen Heimath wandte sich gegen jede Form der Relativierung der Naziverbrechen. | Foto: Niels Krellernd jeder Relativierung entgegentreten, auch alternativen Fakten. Für unsere Zukunft."

Am 9. November jährte sich die Reichspogromnacht. Vor 84 Jahren brannten die Nazis im gesamten Gebiet des Deutschen Reiches Synagogen und jüdische Einrichtungen nieder, drangsalierten Menschen jüdischen Glaubens, ermordeten und verhafteten sie. In Harburg geschah dies einen Tag später, am 10. November: Die Leichenhalle auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg ging in hellen Flammen auf, die Tür der Harburger Synagoge in der Eißendorfer Straße wurde gewaltsam aufgebrochen.

Am nächsten Tag stand in der Harburger Tageszeitung, dass sich eine empörte Volksmenge spontan zusammengefunden habe, um ihrer angeblich berechtigten Entrüstung über den feigen Anschlag eines Juden auf einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris drastischen Ausdruck zu verleihen. Die Reichspogromnacht, dass wissen wir heute, war von den Nazis geplant worden.

Damit dies nie wieder geschehe, veranstaltet die Initiative Gedenken in Harburg seit vielen Jahren am 10. November zusammen mit der Bezirksversammlung Harburg eine öffentliche Gedenkkundgebung anlässlich des Jahrestages. Um aufzuklären, um zu erinnern.

Erinnert Euch und vergesst nicht

So trafen sich am heutigen Donnerstag wieder rund 70 Menschen rund um die Vertreter der Initiative Gedenken in Harburg, der Bezirksversammlung und des Bezirksamtes, des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der Kirche. Die Gedenkveranstaltung begann auf dem alten jüdischen Friedhof auf dem Schwarzenberg. Hier sprachen Bezirksamtsleiterin Sophie Fredenhagen und Pröpstin Carolyn Decke, erinnerten an die Schrecken der Pogromnacht und riefen forderten ein, dass man auch heute aufmerksam sein müsse.

Danach ging es im Schweigemarsch hinunter zum Mahnmal, wo die Kränze niedergelegt wurden. Die Omas gegen Rechts empfingen den Schweigemarsch - sie hatten schon vorher fleißig Flugblätter an Passanten verteilt.

Klaus Barnick von der Initiative Gedenken in Harburg erinnerte an die vielen ermordeten und vertriebenen Harburgerinnen und Harburger, von denen vielen in den Klaus Barnick von der Initiative Gednken in Harburg verlas die "Harburger Erklärung". | Foto: Niels KrellerStolpersteinen gedacht wird. Man dürfe nie vergessen, forderte er.

Deshalb verlas er auch die "Harburger Erklärung", die die Überlebenden der jüdischen Gemeinde Harburgs im Jahr 1990 verfasst haben. "Wir richten an die heutigen Harburgerinnen und Harburger und an künftige Generationen die Bitte: Vergeßt nicht das Schicksal der einstigen jüdischen Nachbarn! Es waren unsere Eltern, Brüder und Schwestern, unsere Freunde und Bekannten, die in dieser Stadt lebten, hier Verfolgung erlitten, von hier vertrieben und deportiert wurden."

Und die Überlebenden forderten mit einer klaren Botschaft dazu auf, nicht zu vergessen: "ERINNERT EUCH UNSERER TOTEN UND VERGESST UNS NICHT! Wer vergißt, ist verurteilt, das Geschehene erneut zu erleben. JIZKOR! ERINNERE!"

Rund um den 10. November laufen gerade die Harburger Gedenktage mit einem vielfältigen Programm, das hier zu sehen ist.

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