Und plötzlich ist Arne Thomsen ein Liberaler
Harburg. Der frühere SPD-Bezirksabgeordnete Arne Thomsen ist auf der Suche nach einer neuen politischen Heimat fündig geworden: Er ist der FDP beigetreten. Die Harburger Liberalen dürften sich freuen. Mit Thomsen haben sie nun endlich den „dritten Mann“, um in der Bezirksversammlung als Fraktion anzutreten. Das bedeutet unter anderem, dass sie künftig Monat für Monat 4204,71 Euro plus 741,24 Euro für jedes Mitglied der Fraktion an staatlichen Zuschüssen kassieren können.
Thomsen Schritt kommt nicht überraschend. Er gehörte bisher zu den fünf SPD-Abgeordneten, die nach einigen internen, zum Teil aber öffentlichen verkündeten Querelen aus der SPD-Fraktion ausgeschlossen worden waren. Nach dieser Entscheidung stellte die CDU plötzlich die stärkste Fraktion in der Bezirksversammlung.
Vor zwei Wochen dann trat Thomsen zunächst aus der SPD aus. Seine Begründing damals: „Durch meinen Parteiaustritt habe ich mehr Zeit und Energie, mich dem Mandat zu widmen, für das ich gewählt worden bin.“ Dann wurde es zunächst still um den 43 Jahre alten Grafiker. In der Sitzung der Bezirksversammlung am 4. November meldete er sich wie in den vorangegangenen Sitzungen jedenfalls nicht zu Wort.
Jetzt der Wechsel zur FDP, allein verkündet mit einem Instagram-Posting, auf dem Thomsen auf einem Foto zu sehen ist, das verdächtig an ein Foto erinnert, mit dem er im Bezirkswahlkampf noch für sich und die SPD geworben hatte. Dazu der Zusatz: „Bald erfahrt ihr mehr.“ Am Donnerstag gab es allerdings weder von Thomsen noch von der Harburger FDP dazu Auskünfte.
Die Harburger SPD-Kreisvorsitzende Claudia Loss hatte Thomsen schon nach seinem Parteiaustritt zur Rückgabe seines Mandats aufgefordert. Das gebiete der Respekt gegenüber den Wählerinnen und Wählern sowie der politischen Redlichkeit.
Auf Instagram wurde Thomsen von Sami Musa herzlich willkommen geheißen. Musa saß von 2014 bis 2019 für die SPD in der Bezirkversammlung Harburg. Nach der Bürgerschaftswahl 2020 zog er für die SPD in die Hamburgische Bürgerschaft ein, um die Fraktion dann im Oktober 2021 wieder zu verlassen, sein Mandat aber zu behalten und im Januar 2022 der FDP beizutreten. 2025 verfehlte er schließlich den Wiedereinzug in die Bürgerschaft.
Das Parteihopping von Musa und Thomsen ist in Harburg nicht neu. Der Harburger Anwalt Kay Wolkau war zunächst FDP-Mitglied und wechselte dann zu den Grünen. Nach einem Streit um den Fraktionsvorsitz verließ er die Grünen und schloss sich den neu gegründeten Neuen Liberalen an. Dabei nahm er seine politische Weggefährtin Isabel Wiest gleich mit. Nachdem es die Neuen Liberalen nicht mehr in die Bezirksversammlung schafften, kandidierte Isabel Wiest als Spitzenkandidatin für Volt und ist jetzt Vorsitzende der Volt-Fraktion in der Bezirksversammlung.
