Die Turmuhr von 1904 der Maschener Dorfschule wurde restauriert und schlägt wieder
Seevetal-Maschen. Welche Schülerin und welcher Schüler musste nicht das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ in der Schule auswendig lernen - verfasst 1889 von Theodor Fontane? Die Turmuhr des Orts zeigte im Gedicht nicht nur Herrn von Ribbeck die Uhrzeit an, sondern strukturierte allen Menschen im Dorf durch ihren stündlichen Schlag auch den Tagesablauf.
Während die exakte Uhrzeit heutzutage durch Quarzuhren, Smartphones und Smartwatches jedem zuverlässig angezeigt wird, waren früher mechanische Wand- Stand- und Taschenuhren ein Luxus wohlhabender Bürger und Bauern. Da aber alle Menschen pünktlich zur Schule, Arbeit oder Eisenbahn gelangen mussten, entstand Ende des 19. Jahrhunderts eine große Nachfrage nach zuverlässigen Turmuhren, die stets an der höchsten Stelle des Orts installiert wurden. So konnten die Zeiger, die auf Zifferblättern durch schwere eiserne Uhrwerke angetrieben wurden, auf weite Entfernungen von allen gesehen und der Klang der Glocke gehört werden.
Nicht nur weltweit waren die zuverlässigen Turmuhren der Firma Weule aus Bockenem am Harz sehr verbreitet, sondern auch im heutigen Landkreis Harburg. So wurden beispielsweise die Kirchen in Nenndorf, Elstorf, Hittfeld, Ramelsloh, Hanstedt und Egestorf seit den 1880er-Jahren nach und nach mit Weule-Turmuhren ausgestattet und auch die Dorfschulen in Nindorf, Helmstorf und Maschen.
In Maschen wurde Anfang 1905 eine 1904 gebaute Turmuhr am Giebel der alten Schule (heute Restaurant "Casa Rossa") installiert und gab den Dorfbewohnern und Schulkindern bis in die 1960er- Jahre mit ihrem halbstündigen Schlag den Takt vor. Nachdem die Schule 1966 in das neue Gebäude der Mittelpunktschule Maschen am Schulkamp (heute Grundschule Maschen) umgezogen war, geriet das alte Uhrwerk, später gelagert im Keller des Dorfhauses Maschen, in Vergessenheit und setzte Rost an.
Nach der Wiederentdeckung stellte sich Turmuhren-Spezialist Dietmar Pauw aus Winsen der herausfordernden Aufgabe, die Uhr vollständig zu restaurieren und in der Pausenhalle der Grundschule Maschen zu errichten. In neuem Glanz tickt sie dort und zeigt den Schulkindern wieder so zuverlässig die Uhrzeit an, wie vor mehr als 100 Jahren.
Anlässlich dieses Ereignisses laden die Gemeinde Seevetal, die Grundschule Maschen und der Schulverein Maschen für Sonnabend, 4. November, zu öffentlichen Vorträgen in der Pausenhalle der Grundschule Maschen (Schulkamp 11) ein. Los geht es um 16 Uhr. Über die Geschichte der alten Maschener Turmuhr will Katrin Lembke berichten, während Dietmar Pauw darüber referieren wird, wie er dem desolaten Uhrwerk wieder neues Leben einhauchte.
Hartmut Heuer, Sohn des letzten Rektors der alten Maschener Dorfschule, wird abschließend über seine Schulzeit im bäuerlich geprägten Maschen der 1950er-Jahre berichten. Zwischen den Beiträgen werden Klavierstücke von Frédéric Chopin gespielt. Selbstverständlich wird es auch die Möglichkeit geben, die Turmuhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.
