Über das Sterben reden: Henning Scherf und Annelie Keil sprechen über „Das letzte Tabu“
Harburg. Die rund 170 Gäste im Engelbekhof des Eisenbahnbauvereins erlebten einen lebhaften, für manchen sicher überraschend humorvollen Austausch von Erfahrungen und Ansichten rund um das Thema Abschied, Leben und würdevolles Sterben. Neben Bremens Altbürgermeister Henning Scherf und Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil nahm auch die Palliativärztin Gabriele Heuschert, Vorsitzende des Hospizvereins für den Hamburger Süden, an dem Podiumsgespräch teil. Moderiert wurde die Runde von Dirka Grießhaber vom DRK Harburg.
Mit zunehmendem Alter, so Scherf, werde auch das Sterben für ihn als persönliches Thema immer wichtiger. Darüber ein Buch zu schreiben und öffentlich zu reden, helfe nicht nur ihm, dem Tod neugierig ins Auge zu blicken – es gehe ihm auch darum, den Menschen Mut zu machen. Denn Mut brauche es, um das eigene Lebensende selbstbestimmt und aktiv zu gestalten.
Immer mehr Menschen, so Annelie Keil, erkennen die Bedeutung der Hospizbewegung. Früher wurde im Kontext der Großfamilie gestorben. Heute gibt es die Palliativmedizin, ehrenamtliche Sterbebegleiter und stationäre Hospize, so dass niemand alleine sterben muss. Aus ihrer Sicht gehört zu einem guten Abschied, sich Gedanken darüber zu machen, was einem wichtig ist. „Schreiben Sie doch in Ihre Patientenverfügung drei Dinge, die Sie auf gar keinen Fall am Lebensende möchten, und wenn es eine bestimmte Suppe ist, die Sie nie wieder essen möchten.“
Im Laufe des Gesprächs wurde deutlich, dass Sterben und Abschiednehmen mehr als nur persönliche Angelegenheiten sind. Auch das soziale Umfeld und die Angehörigen sind Teil eines komplexen Prozesses, über den in der heutigen Gesellschaft viel zu wenig geredet wird.
Das DRK Harburg hatte die beiden prominenten Autoren im Rahmen der Reihe „Abschied im Guten“ eingeladen. Seit rund zwei Jahren werden in unregelmäßigen Abständen Veranstaltungen zu Themen rund um Sterben, Tod, Abschied und Trauer angeboten. Interessierte, die zu zukünftigen Veranstaltungen eingeladen werden möchten, können sich melden unter