Sportplatz des FC Viktoria Harburg an der Winsener Straße heißt jetzt Charly-Dörfel-Sportplatz
Harburg/Meckelfeld. Hohe Ehre für Gert "Charly" Dörfel aus Meckelfeld wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag am 18. September: Ab sofort trägt der Sportplatz des FC Viktoria Harburg an der Winsener Straße gegenüber der Siedlung Hanhoopsfeld den Namen Charly-Dörfel-Sportplatz. Dort - bei "Reichsbahn" - hatte der spätere Linksaußen des Hamburger SV und der deutschen Nationalelf, der in den 1960er- und 70er-Jahren mit Uwe Seeler ein legendäres Stürmer-Duo bildete, als echter Harburger Jung das Fußballspielen erlernt.
Gert Dörfel, den alle nur Charly nennen, entstammt einer namhaften Harburger Fußballfamilie. Sein Vater Friedo Dörfel (1915–1980) spielte als Außenstürmer oder Verteidiger von 1933 bis 1948 für den Hamburger SV und bestritt 1942 zwei A-Länderspiele. In den 1950er-Jahren war er auch Ligatrainer des VfB Lübeck und des Harburger Turnerbunds. Charlys Bruder Bernd Dörfel (geboren 1944) brachte es in den Jahren 1966 bis 1969 auf 15 A-Länderspiele und spielte von 1963 bis 1970 139-mal als Rechtsaußen beim HSV und bei Eintracht Braunschweig. Sein Onkel Richard Dörfel (1911–1965) war einst Ehrenspielführer des Hamburger SV.
Dörfel kam zur Saison 1958/59 mit einer Ablösesumme von 3.000 Mark vom drittklassigen Verein Polizei SV Hamburg, in dessen Jugend er 1949 mit dem Fußballspielen begann, zum HSV. 1959 wurde "Charly" mit der Hamburger Auswahlmannschaft Länderpokalsieger und damit Deutscher Meister. Der HSV spielte zu der Zeit in der Oberliga Nord - eine der damals fünf höchsten Spielklassen im bundesdeutschen Fußball. Seine Stammposition war Linksaußen, wo er meist erfolgreicher Flankengeber für Mittelstürmer Uwe Seeler war. In seinen 347 Spielen für den HSV (davon 224 in der Bundesliga) erzielte er selbst 114 Tore (Bundesliga: 58).
Am 24. August 1963 (1. Spieltag) war Dörfel der erste Bundesligatorschütze des HSV, als er in der 80. Minute den 1:1-Ausgleich im Auswärtsspiel gegen Preußen Münster erzielte. Eine Woche später war er der erste Bundesligaspieler, dem drei Tore in einer Partie gelangen (beim 4:2 gegen den 1. FC Saarbrücken am 2. Spieltag). Außer seinen fußballerischen Talenten betätigte er sich zuweilen auch als Stimmungsmacher auf dem Fußballfeld, indem er etwa Bonbons sowohl an seine Mitspieler wie an seine Gegner verteilte.
Bekannt war Charly Dörfel aber auch dafür, dass er hin und wieder den Bogen überspannte, indem er etwa bei einer Verwarnung während eines Spiels dem Schiedsrichter eine falsche Namensangabe machte („Meier“) und daraufhin vom Platz gestellt wurde. Trotzdem machte er sich auch als hervorragender Fußballer einen Namen, denn im Jahr 1965 wurde er von der französischen Sportzeitung „L’Équipe“ zum besten Linksaußen Europas gewählt.
Mit dem Hamburger SV wurde Dörfel jeweils einmal Deutscher Meister (1960) und DFB-Pokalsieger (1963). 1968 stand er im Finale des Europpokals der Pokalsieger (HSV – AC Mailand 0:2). Der HSV hatte als Finalist des DFB-Pokalendspiels (HSV – FC Bayern München 0:4) an dem Wettbewerb teilgenommen. Am 28. August 1971 bestritt Dörfel sein letztes Bundesligaspiel: HSV – FC Schalke 0:1. Nach dem Ende seiner Karriere beim HSV gab er kurze Gastspiele in Südafrika bei den Johannesburger Fußballklubs Highland Parks und Lusitano Club sowie in Kanada. 1973/74 spielte er noch eine Saison lang beim Hamburger Verein HSV Barmbek-Uhlenhorst in der damals zweitklassigen Regionalliga Nord.
Viele Jahre lang wirkte er noch in Wohltätigkeitsspielen - unter anderem auf dem HTB-Sportplatz Jahnhöhe - mit. Seit mehr als drei Jahrzehnten wohnt Charly Dörfel mit seiner Lebensgefährtin in einem Einfamilienhaus in Meckelfeld. Viele Jahre lang hielt er sich mit Fahrradfahren - oft auf dem Rundkurs an der Harburger Außenmühle - fit.