Parkplätze weg: Anwohner der Zimmermannstraße schmücken aus Protest Poller
Harburg. Es mutet an wie ein Schildbürgerstreich, was in der Zimmermannstraße in Harburg-Wilstorf passiert. Mitte November standen in der ruhigen Straße plötzlich Baustellenschilder, mit denen das Parken auf dem Gehweg für ein paar Tage untersagt wurde.
Kein Grund zur Besorgnis, dachten sich die Anwohner zunächst. Bauarbeiten halt.
Dann kam es aber doch unerwartet. Auch den Bezirksabgeordneten und Fraktionschef der DIE LINKE., Jörn Lohmann, erwischte es unvorbereitet. Als er aus dem Fenster schaute, sah er, wie Bauarbeiter munter Poller in die bisherigen Parkplätze einließen – und zwar einseitig auf der gesamten Länge der Straße. Insgesamt 48 Parkplätze sind jetzt weggefallen.
Und das, obwohl sie viele Jahre als Parkplätze eingetragen waren und auch optisch für jedermann als solche zu identifizieren sind. Selbst vor den Parkplätzen des Kiosks an der Ecke wurde nicht Halt gemacht und dessen Parkplätze einfach „zugepollert“.
Das Schild, dass unberechtigt geparkte Autos hier abgeschleppt würden, ist somit auch nur noch Makulatur. „Jetzt kann dort auch keine Ware mehr angeliefert werden“, berichtet Lohmann.
Die Anwohner befürchten, dass es in Zukunft zu massiven Problemen in der Zimmermannstraße kommen wird. Schon jetzt parken die Paketdienste außerhalb der Straße und ziehen mit schwer beladenen Sackkarren durch die Zimmermannstraße, um die Pakete auszuliefern. Und wie soll es beispielsweise mit Pflegediensten und Handwerkern gehen, fragen sich die Anwohner.
Die wollen die Poller auch so nicht stehen lassen. Am Sonntag zeigten sie Einfallsreichtum und verzierten die Poller in der ganzen Straße mit adventlichem Schmuck. Zu sehen waren gehäkelte Überzieher, Weihnachtsmannmützen, Rentiere… Dazu war fast die ganze Zimmermannstraße vor den Häusern, unterhielt sich, schmiedete Pläne und trank auch mal einen Glühwein zusammen.
Außerdem wurden Unterschriften gesammelt, die dem Bezirksamt überreichen werden sollen. So hoffen die Anwohner, dass
vielleicht auch einmal der zuständige und letztlich verantwortliche Hamburger Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) für ein Gespräch vorbeischaut.
Für ein Gespräch kamen am Sonntag Vertreter des Eisenbahnbauverein Harburg (EBV) vorbei. Zu der Wohnungsbaugenossenschaft gehören fast alle Häuser in der Zimmermannstraße, die immerhin im Stammgebiet des EBV liegt. Nach einem als gut bewertetem Gespräch wurde vereinbart, sich im neuen Jahr zusammenzusetzen und zu schauen, wie es hier weitergehen kann - auch wenn die Genossenschaft ja nichts für die Poller kann.