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Ordnungsamtlicher Amoklauf: Werden Harburgs Gastronomen von Coronakontrolleuren schikaniert?

| Niels Kreller | Wirtschaft
Fühlen sich vom Ordnungsamt schikaniert: Die Harburger Gastronomen Heidi Boelke, Birgit Forster, Andrea Michalak, Klaus Petzold und Tanger Güngör (v.L.). | Foto: Niels Kreller
Fühlen sich vom Ordnungsamt schikaniert: Die Harburger Gastronomen Heidi Boelke, Birgit Forster, Andrea Michalak, Klaus Petzold und Tanger Güngör (v.L.). | Foto: Niels Kreller

Harburg. Schikanieren Coronakontrolleure des Ordnungsamtes Harburger Gastronomen? Diesen Vorwurf erheben unter anderem Klaus Petzold vom „Astra Eck“, Heidi Boelke von der „Knobelecke“, Tanger Güngör vom „Marieneck“ und Andrea Michalak und Birgit Forster von der „Gaststätte zur Altstadt“. Sie klagen über Schikanen teilweise im Beisein ihrer Gäste.

So berichtet Birgit Forster, dass Mitarbeiter des Ordnungsamtes sowie Polizisten in der „Gaststätte zur Altstadt“ in der Neuen Straße aufgetaucht waren, um zu kontrollieren. Die beiden Polizisten hätten sich „in Kampfpose“ an der Tür positioniert, eine Mitarbeiterin, die sich mitten im Raum positioniert habe und „einer mit vielen Sternchen“, der sich an der Toilette aufgestellt habe. „Man versperrte mir sozusagen die Fluchtwege“, berichtet Forster, auch wenn sie gar keinen Grund gehabt habe „abzuhauen“.

Ordnungsamt liest Personaldaten öffentlich vor

Der Mann stellte sich nicht vor und zeigte auch keinen Ausweis, berichtet Forster weiter. „Er war pampig, aggressiv, angriffslustig.“ Sie hatte zu dem Zeitpunkt gerade die Maske nicht auf, da sie, wie Forster sagt, gerade ein Medikament eingenommen hatte und mit einem Malte Wehmeyer, Leiter des Fachamtes Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt im Bezirksamt, hält Kontrollen für notwendig. | Foto: einschwerhörigen Gast gesprochen habe. Das gibt sie auch unumwunden zu.

Der Ordnungshüter forderte von Forster den Ausweis. „Dann liest er vor Gästen alles vor! Wie ich heiße, wo ich wohne, wie alt ich bin.“ Ein unglaublicher Vorgang. Denn neben allgemeinen Fragen des Datenschutzes ist es bei gerade weiblichen Servicekräften berechtigt so, dass sie nicht unbedingt möchten, dass alle wissen, wo sie wohnen. „Jetzt kann jeder klingeln“, so Forster.

Im weiteren Verlauf habe der Ordnungsamtsmitarbeiter ein paar Kleinigkeiten, beispielsweise bezüglich Abstandsregeln, bemängelt - von denen einige schon absehbar am Folgetag auch nicht mehr gezählt hätten. Birgit Forster will sich dieses Verhalten jedenfalls nicht gefallen lassen. „Ich werde eine Dienstaufsichtsbeschwere einreichen.“

Auch andere Gastronomen sind verärgert

Andere Gastronomen berichten ähnliches. Wie Klaus Petzold vom „Astra Eck“ in Heimfeld. Unverschämt und aggressiv sei das Auftreten gewesen. Ebenso in der „Knobelecke“ oder im „Marieneck“. Dort, so berichtet Wirt Tanger Güngör, seien die Kontrolleure am Vortag der Wiedereröffnung aufgetaucht um zu behaupten, dass die Mitarbeiter hier gar nicht sein dürften – die gerade dabei waren, die Gaststätte für den großen Tag fit zu machen.

Keiner der Gastronomen habe etwas gegen die Kontrollen selbst. Und ja: Wenn man durch Harburgs Gaststätten zieht dann kann man sehen, dass sich eigentlich alle um die Einhaltung der Regeln bemühen. Und ja: Hier und da wird mal ein Abstand unterschritten. Dass es auch immer wieder mal etwas zu bemängeln gibt, das bestreitet auch kein Gastronomen. Aber einmal konnten die Kontrolleure bei einigen ihrer bemängelten Punkte auf Nachfrage selbst auch gar nicht sagen, wo diese Regel denn herkommt. Und vor allem geht es den Wirten um die Art und Weise, sie vor ihren Gästen zu maßregeln und niederzumachen. Das empfinden sie als pure Schikane.

Ordnungsamt hält Kontrollen für notwendig

Malte Wehmeyer, Leiter des Fachamtes Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt im Bezirksamt, bestätigt die verstärkten Kontrollen seit der Wiedereröffnung im Mai. Das geschehe, so Wehmeyer, aus seiner Sicht im gemeinsamen Interesse, damit diese Öffnungsschritte auch erhalten blieben. „Wir haben uns im Mai darauf konzentriert, die Gastwirte aufzuklären und zu beraten“, erläutert Wehmeyer das Vorgehen des Amtes. Man habe Anregungen gegeben, Werner Pfeifer von der Fischhalle bestätigt das rüde Vorgenen der Kontrolleure. | Foto: Niels Krellerwie Tische gestellt werden könnten, aber auch sanktioniert – dort, wo es Regeln gab, die schon im vergangenen Jahr gegolten hätten.

Das Personalien vor allen Gästen laut vorgelesen wurden, sei ihm neu, so Wehmeyer. „Das ist so von uns nicht gewollt und da werde ich mit den Mitarbeitern sprechen. Es geht nicht darum, einzelne Personen an den Pranger zu stellen.“ Die Personalienfeststellung sei zwar oftmals unumgänglich, aber nicht laut vor allen Gästen.

Die Kontrollen an sich findet Wehmeyer deshalb richtig. „Wir empfinden diese nicht als gegen die Wirte, sondern wir wollen mit den Wirten gemeinsam erreichen, dass wir in Harburg die Gastronomie geöffnet halten können.“

Kontrolleure machen offensichtlich auch einfach ihre eigenen Regeln

„Wir führen eine Liste, in der wir festhalten, welche Betriebe kontrolliert worden und mit welchen Ergebnissen, um uns dann auf die Betriebe zu konzentrieren, bei denen es Auffälligkeiten gab“, berichtet Wehmeyer. Man habe seit Anfang Juni vermehrt Bußgeldverfahren bei Betrieben eingeleitet, die schon auffällig gewesen waren. „Das möchten wir nicht durchgehen lassen – auch im Interesse aller Harburger und auch im Interesse aller Gastwirte, die sich an die Vorgaben halten.“

Das es nur solche Betriebe seien, die auffällig gewesen wären, kann nicht nur am Beispiel dieser vier Gaststätten nicht so ganz stimmen. besser-im-blick liegen dazu Informationen vor, dass auch in anderen Betrieben das Auftreten der Kontrolleure unfreundlich und teilweise sehr fordernd war. So beschreibt Werner Pfeifer von der Fischhalle im Binnenhafen den Besuch des Ordnungsamtes. Dort verlangten die Kontrolleure nach Berichten Pfeifers auch willkürlich, dass zwischen den Stühlen ein Abstand von 1,70 statt 1,50 Metern sein müsse. Einzige Begründung: 1,50 Meter seien in der Senatsverordnung nur ein Mindestabstand, aber er würde nur 1,70 Meter tolerieren. „Bei uns war es die erste Kontrolle überhaupt während der Pandemie. Wir haben ja auch nichts gegen Kontrollen und wir Gastronomen bemühen uns alle, die Vorschriften einzuhalten. Aber wenn dann doch mal etwas ist: Der Ton macht eben auch die Musik“, so Pfeifer.

 

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