Gegen das Vergessen – Ivar Buterfas-Frankenthal zu Besuch am GAK
Buchholz. „Meine Stimme ist die letzte, die es noch gibt. Danach kommt keine mehr!“ Mit diesen Worten hat Ivar Buterfas-Frankenthal (90), Holocaust-Überlebender, zusammen mit seiner Frau Dagmar jetzt den Jahrgang 11 und 12 am Gymnasium Am Kattenberge Buchholz (GAK) von den unfassbaren Verbrechen des Nationalsozialismus berichtet – aus seiner ganz persönlichen Perspektive.
Beispielsweise, als er nach insgesamt nur sechs Wochen Schulzeit als „Halbjude“ von der Schule verwiesen wurde und als kleiner Junge nicht verstand, warum die Familie dagegen bei den Behörden nichts unternehmen konnte. Wie sein Bruder Rolf, als der Vater schon im KZ saß, Handgranaten in das licht-, strom- und wasserlose Kellerversteck der Familie mitbrachte, damit er, seine Mutter und seine Geschwister die Nazi-Schergen (mit) hätten „ins Jenseits befördern“ können, falls die Familie in ihrem Versteck entdeckt worden wäre.
Wie ein ihm schon aus der NS-Zeit bekannter Amts-Mitarbeiter Buterfas-Frankenthal nach dem Krieg 1951 (also noch sechs Jahre nach Kriegsende) mit den Worten begrüßte: „Und ich dachte, Sie wären in Auschwitz vergast worden!“ Oder wie er die deutsche Staatsbürgerschaft tatsächlich erst 1964 zurückbekam und warum er heute noch jede Nacht Alpträume hat.
Fabian Hammerschmidt, stellvertretender GAK-Schulleiter, zeigte sich sehr beeindruckt: „Es gibt ja leider wirklich nicht mehr viele Menschen, die als Augenzeugen über diese unmenschlichen Verbrechen berichten können. Ivar Buterfas-Frankenthal versteht es auch mit 90 Jahren noch unglaublich gut, die Jugendlichen zu berühren.“
Die Schülerinnen und Schüler stellten in Anwesenheit auch von Buchholz´ Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse im Anschluss an den Vortrag unzählige kluge Fragen, die der Bendestorfer auch mit großer Leidenschaft beantwortete. Sein abschließender Appell an die Jugend: „Ihr tragt keine Schuld. Aber ihr müsst alle mithelfen dafür zu sorgen, dass so etwas in Deutschland nie wieder passiert. Es darf keinen Schlussstrich unter dieses Kapitel der deutschen Geschichte geben!“
