Neuer Chefarzt am Ginsterhof in Tötensen: Dr. Helmut Teller
Tötensen. „Heute ist der Tag der Toleranz, der Tag der Philosophie und der Tag des Knopfes. Keine schlechte Voraussetzung, an einem solchen Tag Chefarzt zu werden“, sagte Dr. Helmut Teller zu Beginn seiner Rede scherzhaft. Am Donnerstag wurde er als Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Evangelischen Krankenhaus Ginsterhof in Tötensen eingeführt. Er ist Nachfolger von Dr. Anna Maria Deters, die in den Ruhestand wechselte und mit der er 16 Jahre zusammengearbeitet hat.
Seine Abteilung umfasst 70 Betten, eine Tagesklinik mit 20 Betten sowie die Psychiatrische Institutsambulanz. Die Schwerpunkte der Abteilung liegen in der Behandlung von Ängsten, Depressionen, Zwängen, Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung und posttraumatischen Erkrankungen. „Ich möchte am Ginsterhof weiterhin gute therapeutische Konzepte umsetzen. Der Ginsterhof ist eine Klinik, die nicht wie andere Kliniken vom „shareholder-Abfluss“ geprägt ist. Das heißt, das Geld, das hier erwirtschaftet wird, fließt zurück in die Klinik, das führt zu guten Behandlungen und guten Konzepten. Es ist eine überschaubare Klinik, ein Abbild von einer guten Welt, wie man sie sich in vielen Bereichen wünscht.“
Der Ginsterhof in Tötensen könne sich über die Patientennachfrage nicht beklagen, sagte Dr. Wolfang Wedel, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins des Ginsterhofes, zu Beginn der feierlichen Einführung. Es sei deutlich, dass die psychischen Erkrankungen ungebremst ansteigen. „Unsere Patienten werden immer jünger, im Durchschnitt sind sie 21 Jahre. Die Hälfte unserer Patienten sind zwischen 18 und 25 Jahre alt“, sagte Teller in seiner Rede. Die Suche nach der eigenen Identität sei vielfach der Grund, warum junge Menschen Orientierung im Ginsterhof suchten. Die Frage „wer bin ich“ sei immer schwerer zu beantworten. „Diese Frage tragen die Patienten in unser Haus. Sie treffen auf Mitarbeiter, von denen die Hälfte älter als 50 Jahre alt ist. Wir Ältere haben eine einigermaßen stabile Identität, unsere Lösungen werden keine Lösungen für nachfolgende Generationen sein. Ich wünsche mir, dass wir im Ginsterhof darauf eingehen.“
Teller wohnt mit seiner Familie in Hamburg und schreibt in seiner Freizeit über Kunst aus therapeutischer Sicht. Zudem ist er im Hamburger Abaton-Kino an der Reihe „Psychoanalyse und Film“ beteiligt, bei der Filme gezeigt werden, zu denen Helmut Teller einen Impuls aus therapeutischer Sicht gibt und das Publikum anschließend darüber diskutiert.
„Dass wir uns für einen Kandidaten aus unserem Haus entschieden haben, ist uns nicht schwergefallen angesichts Ihrer Expertise und Ihrem auf die Abteilung und den Ginsterhof zugeschnittenen Fachwissen“, sagte Dr. Wolfgang Wedel zu Beginn der Einführung. Der Vorstand werde Teller bei der Umsetzung kluger Ideen unterstützen und diese mittragen. Prof. Dr. Christoph Schmeling-Kludas, Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Ginsterhofs, stellte Tellers beruflichen Werdegang vor und wünschte ihm alles Gute für den Rollenwechsel vom Ober- zum Chefarzt. Dr. Ute-Christine Haberer, Chefärztin der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, freute sich auf die Zusammenarbeit und überreichte Teller, der aus Franken stammt, eine Flasche Frankenwein.
Dr. Helmut Teller hat an der Universität Erlangen Nürnberg Medizin studiert. Zunächst war er in der Allgemeinchirurgie und in der Orthopädie tätig. Nach zweijähriger Tätigkeit in der Neurologie in Bad Bramstedt wandte er sich der Psychiatrie und absolvierte seine Weiterbildung im Klinikum Nord-Ochsenzoll in Hamburg. Nach der Anerkennung als Facharzt für Psychiatrie war er von 2001 bis 2009 im Ginsterhof tätig, danach für ein Jahr als Oberarzt der Tagesklinik und Psychiatrischen Station der Stadtklinik Glückstadt.
Im Juli 2010 erlangte er die Facharzt-Anerkennung für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Nach seiner Rückkehr an den Ginsterhof war er ab November 2010 als Oberarzt für die Jung-Erwachsenen-Station der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie zuständig. Er absolvierte ferner berufsbegleitend die Ausbildung in tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie am Adolf-Ernst-Meyer-Institut in Hamburg. Er bildete sich in Psychotraumatologie und zuletzt in der übertragungsfokussierten Psychotherapie weiter. Im Juli 2016 erlangte er für dieses Verfahren die Anerkennung als Lehrer und Supervisor.