Vogelschießen: Die Harburger Schützengilde hat ihren ersten Vizekönig
Harburg. Die Harburger Schützengilde von 1528 hat einen Vizekönig. Genauer gesagt: Den ersten seiner Art. Denn da es aufgrund der Pandemie auch in diesem Jahr nicht möglich war, ein „richtiges“ Harburger Vogelschießen zu veranstalten, bestimmten die Schützen am gestrigen Samstag in kleiner Runde beim Vogelschießen zum ersten Mal einen Vizekönig. 18:12 Uhr war es, als Frank Stadtler mit dem 1.385. Schuss den Rumpf des Vogels herunterholte, der lange Zeit nur noch an einer Schraube gehangen hatte.
Der 56 Jahre alte Kaufmann im Bauwesen wird im kommenden Jahr dem amtierenden Gildekönig Borhen „Bo“ Azzouz zur Seite stehen. Stadtler ist verheiratet mit Frau Sabine, mit der er drei Kinder, eine Tochter und zwei Söhne, hat. Gemeinsam mit König Bo ist die Tätigkeit als Feuerwehrmänner – Azzouz in der
Freiwilligen Feuerwehr Eißendorf und Stadtler in seinem Wohnort Nenndorf.
Dem Königsschuss vorangegangen war ein Wettkampf zwischen Stadtler, Carsten Exner, Fritz-Gerhard Martens und dem 1. Patron der Gilde Ingo Mönke. Es habe richtig Spaß gemacht, so das Resümee der Schützen nach dem Schießen, da alle vier ihr bestes gegeben hätten, den Vogel zu von Seiner Stange zu holen.
Da aufgrund der Pandemievorschriften nur die Schützen (bei vielen Anwärtern nur in Sechsergruppen) im offenen Schießstand sein durften, verfolgten die restlichen Mitglieder der Gilde das Geschehen live auf einem großen Monitor vor dem Gildehaus auf dem Schwarzenberg.
1.909 Euro für den Guten Zweck
Auch der von Borhen Azzouz und seinen beiden Mitkönigen, Fahnenjunkerkönig Bjarne Sahling und Montagskönig Lars Kohlhase, gestiftete „Doppel-Tripel-Wanderorden“ wurde am Samstag ausgeschossen. Mindestens 10 Euro musste zahlen, wer dabei sein wollte. Der Erlös, so verkündete Azzouz, wird, wie schon bei der Bild-Versteigerung beim Winterball im Dezember 2019 (besser-im-blick berichtete: Winterball: Die Rauschende Ballnacht mit Gemäldeversteigerung brachte 7.600 Euro für den guten Zweck), dem Obdachlosen-Projekt „Mehr als eine warme Mahlzeit“ von Moderator Sven Flohr gestiftet.
1.470 Euro kamen so zusammen, die die drei Könige auf 1.528 Euro, dem Gründungsjahr der Gilde aufstockten. Und ein anonymer Spender erhöhte diese Summe auf 1.909 Euro, dem Gründungsjahr der Fahnenjunker.
Umfangreiches Sicherheitskonzept war nötig
Insgesamt waren die beiden Tage natürlich auch gekennzeichnet von der Coronapandemie. Nicht nur, dass es internes
Vogelschießen der Harburger Schützengilde war. Auch ein umfangreiches und vielseitiges Sicherheitskonzept musste von Gilde-Pressesprecher Nico Ehlers erarbeitet und mit dem Gesundheitsamt abgestimmt werden.
Denn neben dem Außenbereich in einem nach allen Seiten offenen Zelt musste ja auch Regeln für den Schießbetrieb geben. Die bestehenden Regeln wurden genommen und auch noch verschärft, damit alle rund 75 anwesenden Schützen auch gesund wieder nach Hause gehen könnten, berichtete Ehlers.
Trotz aller Schwierigkeiten: Auch in diesem Jahr gab es ein von Viktoria Isabell Ehlers gestaltetes Festbuch. 135 Seiten ist es dick – etwas weniger als normal, was den wenigen Veranstaltungen im Pandemiejahr geschuldet ist. Der Titel wurde in diesem Jahr vom Harburger Künstler Thorsten Kirsch entworfen.
18:42 Uhr: Der Rumpf des Vogels fällt (Video: Uwe Schneider)