Ministerpräsident Stephan Weil besucht das Ev. Krankenhaus Ginsterhof
Rosengarten-Tötensen. Der niedersächschische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat am Sonnabend das Ev. Krankenhaus Ginsterhof auf seiner Sommertour besucht. Er informierte sich über die Einrichtung und den Stand des Erweiterungsbaus, der vom Land Niedersachsen mit 9,8 Millionen Euro unterstützt wird. Aus seiner Zeit als Zivildienstleistender wisse er, wie wichtig Psychiatrie für die medizinische Grundversorgung ist. „Oft steht die Psychiatrie am Rand des Gesundheitswesens, aber ihre Bedeutung ist mir aus meiner Erfahrung als Zivildienstleistender sehr bewusst, so dass ich die Psychiatrie immer hochhalten werde“, sagte Stephan Weil. Nach einer informellen Runde besichtigte Stephan Weil den Neubau.
Das Ev. Krankenhaus Ginsterhof ist als Psychosomatische Fachklinik und Akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Hamburg- Eppendorf ausgerichtet auf die Fachrichtungen Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Psychiatrie und Psychotherapie. Das Haus bietet auf insgesamt sieben Stationen 140 vollstationäre und 20 tagesklinische Plätze an. Ein Erweiterungsbau sowie umfangreiche Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen waren erforderlich geworden, um den Ansprüchen an eine moderne und zeitgemäße stationäre Versorgung weiterhin gerecht zu werden.
Der gemeinnützige Verein Ev. Krankenhaus Ginsterhof e.V. ist alleiniger Gesellschafter des Ginsterhofs. Dr. Wolfgang Wedel, Vorstandsvorsitzender des Vereins, dankte für die Bauförderung, kritisierte aber auch die finanzielle Entwicklung im Gesundheitswesen mit einem Zitat des Kardiologen Bernhard Lown: „In dem Augenblick, in dem Fürsorge dem Profit dient, hat sie die wahre Fürsorge verloren.“
Wedel zielte auf die Umstellung der Krankenhausentgelte auf das Fallpauschaltensystem ab, das 2003 eingeführt wurde. „Immer weniger ist vom Gesundheitswesen die Rede, immer mehr von Gesundheitswirtschaft. Diese Entwicklung ist eine große Gefahr, da die Medizin als soziale Praxis durch ein zu starkes Gewicht des ökonomischen Denkens sukzessive unterminiert und ausgehöhlt wird.“ Dies führe zudem zu einer zunehmenden Arbeitsbelastung der Beschäftigten. Wedel kritisierte ferner, dass alles Abrechenbare dokumentiert werden müsse.
Dem stimmte Stephan Weil zu: „Die Überökonomisierung im Gesundheitswesen ist ein echtes Problem. Pflege und medizinische Pflege sind nicht wie Industriearbeit zu bewerten und dürfen keiner strengen Taktung folgen“, sagte Stephan Weil. Dies müsse überarbeitet und überprüft werden. „Das Gesundheitswesen ist derart verästelt und zum Teil vermachtet durch die Selbstverwaltung, das muss aufgelöst werden.“