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Holocaustrelativierung: Hetzaufkleber an Harburger Geschäften | Meine Meinung: Schändlich und Widerwärtig – Wer das tut, hat in Idar-Oberstein mitgeschossen

| Niels Kreller | Politik
Andreas Michel vom Team des Massagesalons Asien Sbay in Eißendorf ist wütend: Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist der Laden mit einem antisemitischen Aufkleber verschandelt. | Foto: Niels Kreller
Andreas Michel vom Team des Massagesalons Asien Sbay in Eißendorf ist wütend: Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage ist der Laden mit einem antisemitischen Aufkleber verschandelt. | Foto: Niels Kreller

Harburg. Andreas Michel vom Team des Massagesalons Asian SBay  aus Eißendorf ist wütend. Schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage haben Unbekannte einen Aufkleber mit den Holocaust relativierendem Inhalt an die Fenster des Salons gehängt. „Halt Stop!“, wird man auf dem Aufkleber aufgefordert. Zwischen diesen Worten prangt ein „Judenstern“. Jenes Symbol, jenen gelben Stern, mit dem die Nazis Menschen jüdischen Glauben soder mit jüdischen Vorfahren brandmarkten, sie in die Vernichtungslager verschleppten und dort ermordeten. In dem Stern heißt es: „Ungetestete sind hier nicht erwünscht!“

Auch an anderen Harburger Geschäften und besonders in der Lämmertwiete an dortigen Locations waren solche Aufkleber aufgetaucht. „Wir distanzieren uns von allem, Auch in der Lämmertwiete wie hier am Eiscafé waren die antisemitischen Aufkleber verteilt worden. | Foto: Niels Krellerwas mit Nazis und Verharmlosung des Holocaust zu tun hat. Wir sind schließlich ein internationaler Laden“, erklärte Michel gegenüber besser-im-blick. „Wir müssen uns zwischen 2G und 3G entscheiden und müssen die vorgeschriebenen Hygieneregeln einhalten. Wir sind selbst nur durch die tolle Unterstützung unserer Kunden durch den Lockdown gekommen und freuen uns, jetzt wieder aufhaben zu können.“ Im Massagesalon Asien SBay gilt die 3G-Regel. Für viele andere aber rechnet sich eine Öffnung unter 3G-Regeln schlicht nicht.

Bei Andreas Michel jedenfalls ist nach dem zweiten Mal die Geduld am Ende. Hatte er nach dem ersten Aufkleber noch einen sachlichen Post auf facebook veröffentlicht, will er nun nach dem zweiten Aufkleber am Montag Strafantrag stellen.

Meine Meinung: Schändlich und widerwärtig – Wer das tut, hat in Idar-Oberstein mitgeschossen

Kommentar. Die Aufkleber an Harburger Geschäften sind in (mindestens) zweifacher Weise höchst widerwärtig, schändlich und niederträchtig. Zum einen tun die Verursacher so, als seien sie genauso verfolgt und bedroht wie Juden in der Nazizeit. Als ob ihnen Deportation, Folter, Vergasung drohen würde. Wie so viele der „Querdenker“ stellen sie sich auf eine Stufe mit beispielsweise Anne Frank und sechs Millionen in den KZs ermordeten Juden oder auch mit Widerstandskämpfern wie den  Geschwister Scholl der Weißen Rose. Das ist widerwärtig und wer dies tut, der spuckt auf die Gräber der millionenfach Ermordeten und verharmlost die Verbrechen der Nazis.

Zum anderen sind es genau solche Geschichtsverdrehungen und hetzerischen Aktionen, die den Boden für den tödlichen Schuss von Idar-Oberstein bereiten. Ja, ich sage es in aller Deutlichkeit: Wer solches tut, der hat in Idar-Oberstein mitgeschossen! Die Hetze, die seit Beginn der Corona-Pandemie durch die Lande schwappt, die Verschwörungsfantastereien, die Pöbeleien gegen Politiker, Wissenschaftler und Journalisten – sie alle vergiften die Gesellschaft und bringen (noch nur) die Extremsten der Szene dazu, sich mit einem Mord als Gegner der Maskenpflicht zu zeigen. In dem Glauben, dass ihnen der Zuspruch der Szene gewiss sei.

Und deshalb sollte man auch die politischen Arme der Querdenkerszene, die solch mörderischer Hetzer in ihren Reihen Unterschlupf gewähren, bei der Wahl nicht die Stimme geben. Sowohl in der AfD als auch in der neu gegründeten Querdenkerpartei die Basis finden Mitglieder mit einem solch kruden Weltbild einen Heimat und machen dort auch Karriere. Bei einer demokratischen Wahl zugelassen zu sein, heißt bei weitem nicht, dass die Partei auch demokratisch ist.

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