Frauentag und Klimaschutz
Winsen. Klimaschutz und Gleichberechtigung – das sind zwei Themen, die enger miteinander zusammenhängen als es auf den ersten Blick scheint. Das machten die Rednerinnen und Redner bei der Veranstaltung zum Internationalen Frauentag im Winsener Kreishaus deutlich. Die Gleichstellungsbeauftragte Andrea Schrag hatte unter dem Motto „. . . und die Jugend ist doch politisch“ eingeladen. Als Festrednerin war Klimaaktivistin Helena Marschall zu Gast, die sich nach ihrem Vortrag noch Zeit für eine Diskussion mit den zahlreichen Gästen und für Einzelgespräche nahm.
Der Frauentag hat seinen Ursprung vor gut 150 Jahren und ist unverändert aktuell. „Er zeigt: Engagement lohnt sich. Das galt damals wie heute, das gilt für Frauenrechte ebenso wie für Klimaschutz“, betonte der stellvertretende Landrat Rudolf Meyer. Er wies darauf hin, dass Klimaschutz das Thema der Stunde sei – und Fridays for future anders als viele andere Protestbewegungen weiblich geprägt sei. „Mehr als die Hälfte der Demonstrierenden ist weiblich, auch bei uns in Deutschland. Und an der Spitze finden sich überall junge Frauen“, erläuterte Rudolf Meyer. „Dieses Engagement brauchen wir, aber nicht nur für den Klimaschutz. Auch in der Politik brauchen wir mehr weibliche Beteiligung“, appellierte der stellvertretende Landrat an Frauen, sich auch in der Kommunalpolitik einzubringen.
Auch die Gleichstellungsbeauftragte Andrea Schrag zog die Verbindung zwischen Klimafragen und Feminismus. „Wenn Klimafragen ungerecht beantwortet werden, führt das automatisch zu noch mehr Geschlechter-Ungerechtigkeit“, betonte sie und wies darauf hin, dass Frauen stärker von den Folgen der Klimakrise betroffen seien. So belasteten steigende Energiekosten vor allem einkommensschwache Haushalte, die häufig von Frauen geführt werden.
„Wir brauchen eine feministische Klimapolitik“, sagte Andrea Schrag. Das bedeute, dass die strukturellen Grundprobleme angegangen werden. Am wichtigsten seien dabei Investitionen in Sozialsysteme und Infrastruktur. „Klima und Feminismus haben vor allem eins gemeinsam: das Ziel, gesellschaftliche Denkweisen und wirtschaftliche Handlungsmuster in Frage zu stellen“, fasste Andrea Schrag zusammen.
Helena Marschall stellte die Vision und die Forderungen der Bewegung Fridays for future vor, in der sich bundesweit Hunderttausende zum Protest zusammengefunden haben. Die 18-Jährige, die im Dezember 2018 den ersten Klimastreik in Frankfurt organisierte und Hauptorganisatorin des Fridays-for-future-Kongresses im August 2019 in Dortmund war, engagiert sich aktuell im Fundraising- und Kampagnenteam der Bewegung.
Das habe sie verändert. „Vor einem Jahr war ich noch ein anderer Mensch“, sagte sie. Doch in dem einen Jahr habe man zwar bundesweit viel Aufmerksamkeit für Fragen des Klimaschutzes erhalten. Doch passiert sei wenig, kritisierte sie. „Die Konsequenzen fehlen bis jetzt.“