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Heißer Scheiß – Ausstellung „Hot Stuff“ holt die Technikwunder der 80er zurück

| Niels Kreller | Feuilleton
"Hot Stuff" heißt die neue Ausstellung im Archäologischen Museum Hamburg. | Foto. Niels Kreller
"Hot Stuff" heißt die neue Ausstellung im Archäologischen Museum Hamburg. | Foto. Niels Kreller

Harburg. Hot Stuff – heißen Scheiß – präsentiert das Archäologische Museum Hamburg (AMH) in seiner neusten Ausstellung. Keine spektakulären Ausgrabungsergebnisse von schon vor Jahrtausenden untergegangenen Zivilisationen sind es, die vom 30. Oktober 2019 bis zum 26. April 2020 am Museumsplatz in Harburg gezeigt werden, sondern die alltäglichen und technischen, mittlerweile dem Vergessen anheim gefallene Spielereien der „Moderne“ der 1970er, 80er und 90er sind es. Die „Must Haves“ dieser Zeit, eben den heißen Scheiß.

„Es mag erst einmal überraschen, dass wir als Archäologisches Museum diese Ausstellung machen“, so Prof. Rainer-Maria Weiss, Direktor des AMH. „Aber wenn man in die Tiefe schaut, dann zeigen wir die Archäologie der 80er. Wir zeigen Gegenstände, die heute ausgestorben sind.“

So was von 80er

Auch wenn Rainer-Maria Weiss betont, dass die Ausstellung „Hot Stuff“ die 1970er bis in die 2000er hinein zeigt – die 80er sind doch schon das Kernstück. Dieses Jahrzehnt eben, das noch gar nicht lang her ist. Technisch war es die Frühzeit der digitalen Revolution. Der „C64“, der legendäre „Homecomputer“ von Commodore, eroberte die 2019 10 29 hot stuff1Jugendzimmer. Und wer so richtig Nerd war, der codete auf einem Atari. Die ersten „Mobiltelefone“ erschienen auf dem Markt.

Musikalisch tat sich das Jahrzehnt positiv durch den Pop als Meilenstein der Musikgeschichte hervor, aber auch durch New Wace, Electro, die Neue Deutsche Welle, Hip-Hop, House, Metal. Wahre Giganten der Musik feierten in diesem Jahrzehnt Triumphe – Madonna sang „Like A Virgin“, Michael Jackson seinen „Thriller“ beispielsweise, die Quen und der King of Pop.

Auf der negativen Habenseite der 80er stehen Geschmackverirrungen wie der Vokuhila (Vorne Kurz Hinten Lang-Frisur), (Plastik-)jacken mit Schulterpolster, Löckchendauerwelle und Lederkrawatten. Ach ja: Und Aerobic! Jenes sportive Rumgekrampfe vor dem Fernseher, im eng-glänzenden Pastelldress mit rosa Stulpen, zu rhythmischer Musik, das als Vorbote der Fitnesswelle in den 80ern seinen Durchbruch bei den unterforderten Hausfrauen von Welt feierte (ab den 2000ern übernahmen die Nachmittagsserien der Privatsender diesen Teil des gesellschaftlichen Lebens).

Relikte der Vergangenheit wieder zum Leben erweckt

C64, Röhrenfernseher, Telefonzelle, klobige Mobiltelefone - „Wir erwecken sie wieder zum Leben“, freut sich Rainer-Maria Weiss. Und dies geschieht in der Ausstellung nicht nur museal zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen und Benutzen. So sind die Telefone in den einzelnen Themenräumen durchaus angeschlossen und man kann im Nebenraum anrufen. „Wenn es also klingelt, gehen sie ruhig ran und schauen wer es ist“, rät Weiss.

Das faszinierende an der Hot Stoff-Ausstellung ist, dass sie eigentlich keine erklärenden Texte oder gar Ausstellungsführer bedarf. Denn sobald Eltern mit ihren Kindern oder Großeltern mit ihren Enkeln zusammen durch die Ausstellung gehen, können die allermeisten Exponate von der älteren Generation erklärt werden. Auch wenn, wie Weiss eine Anekdote von seiner Tochter erzählt, man sich mit der Frage konfrontiert sehen könnte, ob man in der Steinzeit gelebt habe. Letztere ist am Eingang im Übrigen auch vorhanden – ein paar Exponate zeigen den Hot Stuff der Stein- und Bronzezeit. Dies führt – bei allem Augenzwinkern – zum ernsthaften Anliegen von „Hot Stuff“.„Der Mensch hatte schon immer das Bestreben, das Neuste zu haben“, so Weiss. „Es war schon immer der Motor der Menschheitsentwicklung, immer neues zu entdecken.“

Im Letzten raum der Ausstellung wagen die Macher noch einen Ausblick auf den Hot Stuff der Zukunft. Dafür steht eine Virtual Reality-Brille, die eine Landschaft zeigt. VR ist ja gerade ganz ganz heißer Scheiß und die Möglichkeiten hier bestimmt noch nicht ausgeschöpft.

Die Ausstellung läuft bis zum 26. April 2020. Am Reformationstag (Donnerstag, 31. Oktober) und am Kulturtag (Sonntag, 3. November) kann sie kostenlos angeschaut werden. Wie immer beim AMH wird die Ausstellung auch von einem breiten Rahmenprogramm für Groß und Klein begleitet.

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