Wachgeküsst: Harburgs Lokale erwachen aus dem langen Dornröschen-Lockdown-Schlaf
Harburg/Süderelbe. Selten dürfte man trotz schlechtem Wetter so strahlende Gesichter bei Harburgs Wirten gesehen haben wie gestern.
Denn nach langer Zeit des Lockdowns konnten am Samstag in Hamburg zumindest die Außenbereiche der Lokale wieder öffnen. „Ach – das Wetter ist egal, das wird schon besser. Wir haben endlich wieder auf und das ist so toll“, freute sich Marian Hansen vom Restaurant Eisvogel an der Wasserskianlage am Neuländer Baggersee.
Und damit war er nicht allein. Klar: Sonnenschein und kein Regen hätten sich Harburgs
Wirte schon gewünscht. Aber allein die Tür zum Lokal aufzuschließen, Gäste zu begrüßen und zu bewirten – man merkte richtig, wie ihnen das gefehlt hatte. Schließlich hatte man sich auch seit Tagen darauf vorbereitet und überall die Tische auf den vorgeschriebenen Abstand gerückt und den Code für die Luca-App sichtbar angebracht.
Wirte und Gäste begeistert
Begeistert zeigten sich auch die Gäste. Auch wenn es etwas kalt, windig und nass war, so war doch in jeder Location etwas los. „Es ist großartig hier wieder sitzen zu können“, schwärmte Sven Ritter im Caspari in der Lämmertwiete. „Ich fühl mich sauwohl nach den letzten acht Monaten.“
Riko vom Bierbrunnen in der Lämmertwiete hielt es auch nicht bis zum Samstagnachmittag aus:
Gleich um 0 Uhr schloss er sein Lokal auf. „Und die Gäste waren da und belegten die Plätze“, erzählte er glücklich. Heike Plätke von der Kneipe Bla Bla in der Seevepassage wird am Pfingstsonntag zur Feier des Tages den Grill anwerfen. Und Inselwirt Könie wirbelt in der Küche der Inselklause auf der Pionierinsel, um seine Burger-Spezialitäten zuzubereiten.
Viele Restaurants noch zögerlich
Allerdings haben viele der Restaurants noch zu. Einige brauchen auch etliche Tage,
um ihren Betrieb wieder hochzufahren und für viele rechnet es sich bei dem schlechten Wetter in Kombination mit nur Außengastronomie schlicht nicht. Zu präsent ist für viele auch noch die Erinnerung, wie sie beim ersten Lockdown auf ihren verderblichen Lebensmitteln sitzen geblieben sind. Und dann ist da immer das drohende Damoklesschwert der Inzidenz. Was, wenn sie wieder steigt und man wieder schließen muss?
Nova und Landhaus Jägerhof mit Ideen
Einige aber wagen es trotzdem und bereiten sich vor. Wie das Restaurant Nova im ehemaligen Schützenhof Marmstorf. Dort macht Inhaber Zamim Shah Schritt für Schritt die Terrasse
immer wetterfester. „Wir besorgen noch viele weitere Schirme, um unseren Gästen einen trockenen Sitzplatz anbieten zu können“, berichtet er. Allerdings wird es bei Schirmen für die Gastronomie wohl allmählich eng, denn die sind immer schwieriger zu bekommen. Was für Otto-Normalverbraucher am Beginn der Pandemie Toilettenpapier und Mehl waren, sind für die Wirte wohl gerade Schirme.
Zudem hat Shah schon frühzeitig eine Idee gehabt: In seiner Nova Eventhall, die er im Moment nicht nutzen kann, hat er in einem Teilbereich ein Testzentrum eingerichtet. Auch schon in Vorausschau, dass vielleicht bald auch Innengastronomie mit Schnelltest öffnen darf.
Das Landhaus Jägerhof in Hausbruch hat einen anderen Weg gefunden. Schon seit vielen Monaten hat Familie Soltau ihren Fischbrötchenstand vor dem Landhaus stehen.
Hier gibt es nicht nur frisch zubereitete kalte und warme Fischbrötchen, sondern auch Spargel, Kartoffel, Schinken, Eier und Erdbeeren für zu Hause aus der Region. Und nun hat Wirt Thomas Soltau auf der Wiese daneben ein paar Tische und Stühle aufgebaut, wo sich die Gäste setzen können. Zu den Fischbrötchen gibt es ab sofort auch ein paar ausgesuchte Tellergerichte.